„Kann das alles selbst kaum fassen“

Ironman-WM: Offenbacherin Julia Ertmer triumphiert in der AK30 

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"Das ist Gefühls-Achterbahn hoch Tausend. Es gibt nichts Größeres für mich", jubelte Patrick Lange (DSW Darmstadt), nachdem er als insgesamt sechster Deutscher die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii gewonnen hatte. 

Kailua-Kona - Eigentlich hatte sie bloß das Ziel, bei Tageslicht anzukommen. Doch Julia Ertmer aus Offenbach wuchs bei der Ironman-WM auf Hawaii über sich hinaus und triumphierte in ihrer Altersklasse. Bei den Profis kommt der Gewinner ebenfalls aus Hessen.

Als der längste Tag ihres Lebens endlich vorbei war und sie in ihrer Unterkunft die Fuße hochlegen konnte, hatte Julia Ertmer erst mal Lust auf Gerstensaft. „Ich trinke jetzt noch ein Bier und gehe dann ins Bett“, schrieb die 33-jährige Offenbacherin auf Facebook. Beides hatte sie sich verdient. Denn bei ihrer ersten Teilnahme an der legendären Ironman-WM auf Hawaii sorgte die an der Albert-Schweitzer-Schule unterrichtende Lehrerin völlig überraschend für Furore und gewann in 10:08:50 Stunden den Titel in der Altersklasse der 30- bis 34-Jährigen. Insgesamt waren nur 37 Frauen schneller. In der Wertung aller 2364 Starter belegte Ertmer den 463. Platz.

„Ich hätte das nie für möglich gehalten und kann das alles selbst kaum fassen“, sagte die gebürtige Pfälzerin, die in der Bundesliga für den TV Bad Orb startet und erst mit Verspätung von ihrem Triumph erfuhr. „Das war schon witzig. Bis ins Ziel wusste ich nichts davon. Ich dachte mir zwar, dass die Zeit ganz okay ist, und bekam die Info, dass es gut aussieht. Aber erst, als ich mir im Zielbereich meine Werte ausdrucken ließ, sagte man mir: Glückwunsch, Du bist Erste.“

Julia Ertmer, Weltmeisterin aus Offenbach.

Dabei hatte Ertmer vor dem Start einige Bedenken – aufgrund der Hitze, die sie eigentlich nicht mag, und der ungewohnten Bedingungen auf der Pazifik-Insel. „Es war heiß und hart. Sehr, sehr hart“, resümierte sie. Die 3,8 km Schwimmen absolvierte sie in 1:04:04 Stunden als 21. ihrer Altersklasse. Doch nach starkem Radfahren (180,2 km in 5:18:34 Stunden) war Ertmer bereits Zweite. Und obwohl sie nur die neuntbeste Marathonzeit (3:41:27 Stunden) lief, reichte es zum Sieg. „Ich bin eventuell etwas zu hart Rad gefahren. Das Laufen war daher eine ziemliche Qual. Mir ging es jedoch relativ gut, so dass ich noch einen Zielendspurt hingelegt habe, da ich nicht wusste, zu welcher Altersklasse die Läuferinnen vor mir gehörten.“

Als Siegerin ihrer Altersklasse ist Ertmer automatisch für die nächste WM qualifiziert. Ob sie erneut auf Hawaii antritt, ist aber offen: „Das war toll, aber zugleich sehr stressig und aufwendig. Ich glaube nicht, dass ich das noch einmal machen werde. Lieber ein paar Wettkämpfe in Europa. Aber vielleicht denke ich in ein paar Tagen anders.“

Bei der WM am Start waren auch zwei Dreieicher: Angelika Halberstadt (VfL Münster, 11:58:23) wurde 19. der AK50, Michael Passinger (LG Dreieichenhain, 12:04:05) 61. in der AK55. In dieser Klasse belegte Klaus Karber aus Wachenbuchen in 12:51:40 Stunden den 86. Platz.

Bilder vom Ironman Frankfurt 2017

Bei den Profis siegte der für den DSW Darmstadt startende Patrick Lange aus Bad Wildungen und stellte in 8:01:39 Stunden zudem einen Streckenrekord auf. „Ich kämpfe mit den Tränen. Seit ich ein kleiner Junge bin, träume ich davon“, sagte der 31-jährige Vorjahresdritte, der den Kanadier Lionel Sanders (2.) und den Briten David MacNamee (3.) auf die Plätze verwies.

Sebastian Kienle, neben dem abgeschlagenen Jan Frodeno (siehe Artikel neben) der zweite deutsche Topfavorit, konnte auf den letzten Kilometern Langes und MacNamees Attacken nicht kontern und wurde nur Vierter. Er hatte 2014 die Serie deutscher Siege eingeleitet, 2015 und 2016 gewann Frodeno. Lange ist nach Thomas Hellriegel (1997), Normann Stadler (2004 und 2006), seinem jetzigen Trainer Faris Al-Sultan (2005), Kienle und Frodeno der sechste Deutsche, der auf Hawaii siegt. (cd/dpa)

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