Leidenschaft und Ersatz-Fitnessstudio

OFC-Cheerleader wollen  WM-Ticket lösen

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Die Cheerleader der Kickers beim Training.

Offenbach - Freizügige Mädchen mit Pom-Poms, die bei Fußballspielen ihr Team anfeuern? Das war einmal. Die Cheerleader von Kickers Offenbach zeigen, dass ihre Sportart viel mehr als Animation sein kann. Chiara Kaldenbach 

Seit 2007 feiert die Jugendgruppe „Celebritys“ der Offenbacher Cheerleader „Shadow Cheer All Stars“ einen nach dem anderen Erfolg. Für regelmäßige Auftritte auf dem Fußballplatz ist die Verletzungsgefahr mittlerweile zu hoch. Stattdessen zeigen die Jungs und Mädchen im Alter ab 15 Jahren ihre Choreographien auf internationalen Wettkämpfen. An Pfingsten wollen sie sich bei einem Qualifikationsturnier, dem „Elite Cheerleading Championship“ in Bottrop, für die WM 2018 in Orlando im US-Staat Florida qualifizieren.

„Beim Cheerleading braucht man eine gute Kondition und sehr viel motorisches Verständnis.“, verrät Trainer und Aktiver Daniel Miracolie. Der 21-Jährige ist seit sechs Jahren im Verein. Aber er erinnert sich noch gut daran, als er mit dem Cheerleadern angefangen hat: „Ich kam vom Handball und konnte noch nicht mal Radschlagen.“ Seine Motivation sei damals gewesen, etwas zu lernen, was er so gar nicht konnte. „Jeder lernt unterschiedlich schnell. Bei mir war es ein sehr langer Lernprozess.“, verrät der mehrfache Weltmeister, der nun ohne Probleme Flick-Flack und Salto vorzeigt.

Um so eine Leistung bieten zu können, steht auf den Wochenplan der Gruppe dreimal drei Stunden hartes Training. Mädchen in knappen Hosen, die sich fünf Meter in die Luft werfen lassen, auf Pyramiden klettern oder sich gerade im 90 Grad Winkel dehnen. Ein ganz normaler Trainingsablauf für die Kickers-Cheerleader. Bei Gruppen-Choreographien lernen sie im Team akrobatischen Kunststücke. Dabei wird, um sich aufeinander abzustimmen laut der Takt gezählt. Im Hintergrund läuft ein Musikmix mit Anfeuerungsrufen und bekannten Liedern. Cheftrainer Sascha Leis sowie ein neuer amerikanischer Trainer aus Texas sorgen für einen disziplinierten Trainingsablauf in der Halle der Offenbacher Goetheschule.

Der Fleiß und das harte Training spiegeln sich in der Leistung der Jugendgruppe wieder. Sechs Mädchen und Jungs des Offenbacher Cheerleader-Teams schafften es dieses Jahr in einem Auswahlverfahren in das deutsche Nationalteam. Bei der WM in Orlando wurden sie unter anderem Vizeweltmeister. Konkurrenzkampf gebe es bei den „Celebritys“ nicht, erzählt WM-Teilnehmerin Vanessa Breier: „Den Erfolg haben wir auch unserem Team zu verdanken. Sie haben uns immer unterstützt. Deswegen ist unser Team mit uns Weltmeister.“

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Auch das Erscheinungsbild der Cheerleader mit einheitlicher Trainingskleidung in der Vereinsfarbe rot verdeutlicht, wie wichtig der Teamgeist und Zusammenhalt in der Gruppe sind. „Vertrauen ist eine Grundvoraussetzung. Wenn wir uns nicht vertrauen, funktioniert der Sport nicht.“, sagt Esra Akcan, ebenfalls WM-Teilnehmerin.

Für die 32 Mädchen und Jungs der Jugendgruppe ist Cheerleading eine Leidenschaft und ein „Ersatz-Fitnessstudio“, wie er berichtet. Leis blickt allerdings besorgt auf den Nachwuchs. „Es werden immer weniger in der jungen Altersklasse.“ Der Fokus liegt aber aktuell, darauf die großen Erfolge fortzusetzen. „Rumgehüpfe“ auf dem Fußballplatz gibt es, laut Cheftrainer, nur noch bei besonderen Anlässen. Zum Retterspiel OFC gegen Bayern München am 30. August werden die „Celebrity“ Cheerleader mal wieder den Bieberer Berg mit hochklassiger Akrobatik beben lassen.

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