RINGEN Hessische Vereine gehen erst 2021 wieder auf die Matte

Klares Votum für Saisonabsage

Nikolay Baboglo (rechts) wird mit Hessenliga-Rückzieher KSV Neu-Isenburg erst 2021 um Punkte kämpfen. Foto: Dörr

Dieburg – Die Fans des Ringens und die hiesigen Athleten müssen zumindest auf Landesebene noch sehr lange auf die nächsten Griffe warten: Die Vereine des Hessischen Ringer-Verbands (HRV), dem neben allen Klubs aus dem Bundesland Hessen auch jene des hochkarätig besetzten bayrischen Ringerbezirks Main-Spessart angehören, beschlossen auf einer Versammlung am Samstag im Ringer-Leistungszentrum Aschaffenburg mehrheitlich die Absage der Saison 2020.

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Damit wird es im kommenden Herbst und Winter keinen Wettkampfbetrieb in Oberliga, Hessenliga, Landesliga und Verbandsliga geben. Erst Ende August 2021, wenn die Corona-Pandemie überwunden sein könnte, wird auf Landesebene also wieder Mannschaftsringen zu sehen sein.

HRV-Präsident Karl Rothmer (Darmstadt) war vom Votum der Vereine enttäuscht. Der Verbandsvorstand hatte sich für die Durchführung der Mannschaftssaison ausgesprochen, mit Beginn zu einem späteren Zeitpunkt (ab Anfang Oktober statt Ende August) und notfalls auch mit verkleinerten oder neu zusammengesetzten Klassen.

Doch von 28 Vereinen, die ein bis zwei Aktiventeams für die vier genannten HRV-Ligen gemeldet hatten, stimmten 18 für die Absage der Mannschaftssaison. Lediglich zehn wollten die Chance auf einen Ligabetrieb in diesem Jahr wahren und sich Anfang August für eine erneute Abstimmung zusammensetzen.

Die Gründe der ablehnenden Vereine sind diverse Komplikationen, die sie durch das Corona-Virus gegeben und auch in absehbarer Zeit nicht verschwinden sehen. So stellt sich die Frage, ob und vor allem wie viele Zuschauer die Mannschaftskämpfe in den teils kleinen Hallen besuchen können. Die Ringervereine sind auf Landesebene (und sogar in der Bundesliga) stark von Eintrittsgeldern abhängig. Dies gilt in diesen Zeiten, da das Geld wegen des allgemeinen Wirtschaftseinbruchs bei vielen Sponsoren ebenfalls nicht locker sitzt, umso mehr.

Manche Vereine sehen sich auch davon überfordert, in Eigenregie ein Hygienekonzept zu erstellen. Der Verband wiederum lehnt es ab, dies für die Vereine zu übernehmen, weil ein Konzept an die teils sehr unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten angepasst sein muss. Auch Schwierigkeiten bei der Buchung der Sporthallen, die oft der Kommune oder dem Landkreis gehören, sahen einige Vereine im Falle einer Saisondurchführung mit neuen Kampfterminen auf sich zukommen.

Damit ist klar, dass das Ringerjahr in Hessen und Unterfranken gelaufen ist. Einzelmeisterschaften finden dieses Jahr keine mehr statt, die derzeit noch angesetzten Turniere werden nahezu sicher ebenfalls abgesagt. Verbandschef Rothmer fürchtet nun negative Folgen für das hessische Ringen, da Athleten durch die lange Wettkampfpause aufhören könnten. Manch einer in der Szene blickt auch deshalb bange nach vorn, weil Sponsoren abspringen und Fans ohne konkrete Aussicht auf die nächsten Kämpfe das Interesse verlieren könnten. Doch der Bammel bei der Mehrheit der Vereine, eine Saison unter kaum planbaren Bedingungen durchführen zu müssen, war noch größer.

Eine Resthoffnung, im HRV-Gebiet in diesem Jahr doch noch einige Athleten live auf der Matte kämpfen zu sehen, existiert immerhin: Die Ringer-Bundesliga, in der der SC Kleinostheim und der KSC Hösbach starten wollen, ist noch nicht abgesagt. Der Deutsche Ringer-Bund und die Vereine in den drei Bundesliga-Gruppen treffen ihre Entscheidung am 31. Juli.

Die Absagen auf Landesebene - vor Hessen hatte schon der nordrhein-westfälische Verband die Saison 2020 gestrichen - führen schon jetzt zu neuen Fragezeichen. Kommendes Jahr sollte zwischen der 1. Bundesliga und den höchsten Landesklassen (im HRV-Gebiet die Oberliga Hessen) die 2. Bundesliga wieder eingeführt werden. Eine sportliche Qualifikation dafür ist in manchen Landesklassen aber schon jetzt nicht mehr gegeben. Sollte auch die Bundesliga 2020 abgesagt werden, wären Zweitligisten für die Runde 2021 auf sportlichem Weg gar nicht mehr zu ermitteln.  jd

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