Null Punkte und 20:90 Tore

Horrorbilanz ohne Folgen: SV Oberdorfelden bleibt wohl ohne einen einzigen Punkt in der Kreisoberliga

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Knapp vorbei und doch gerettet: Viel lief für Marc Cillis (gelbes Trikot) und den SV Oberdorfelden in dieser Saison nicht zusammen. Auch dieser Ball im Spiel gegen Langen-Bergheim fand nicht den Weg ins Tor. Bei einem Saisonabbruch würde der SVO in der KOL bleiben.

Ganz sicher ist sich Dietmar Böhmert nicht: „Ich glaube aber nicht, dass schon mal ein Verein mit null Punkten in einer Kreisoberliga den Klassenerhalt geschafft hat“, sagt der Spielausschuss-Vorsitzende des SV Oberdorfelden und fügt hinzu: „Ich denke, dass wir Fußball-Geschichte geschrieben haben."

Dabei betont er aber: "Stolz sind wir darauf aber nicht." Klassenerhalt mit null Punkten aus 19 Spielen und einer Tordifferenz von 20:90 – der nahende Saisonabbruch wegen der Corona-Pandemie macht es möglich. Böhmert weiß, dass dieses Kunststück „sportlich nicht verdient“ ist.

SVO glaubt nicht daran, dass Entscheidung noch einmal gekippt wird

Der Jubel bei den Spielern des SVO sei trotzdem groß gewesen, als am Samstag nach dem Ende der Sitzung des HFV-Verbandsvorstands an die Öffentlichkeit geriet, dass wohl alle Vereine in ihren Ligen bleiben werden – auch bei Böhmert, der nicht glaubt, dass die Entscheidung auf dem virtuellen Verbandstag noch einmal gekippt wird, weil es „die optimale Lösung“ ist.

Dass der SVO in der Kreisoberliga bleiben könnte, hatte sich abgezeichnet. „Als in Schleswig-Holstein die Saison abgebrochen wurde und feststand, dass es keine Absteiger geben wird, dachte ich mir, dass uns im Prinzip eigentlich nichts Besseres passieren könnte“, erklärt Böhmert. Mit der Quotientenregelung habe der Verband seiner Ansicht nach einen „guten Zwischenweg“ gefunden. Allen könne man es ohnehin nicht recht machen in so einer außergewöhnlichen Situation.

Katastrophensaison bleibt wohl ohne dramatische Folgen

Für den SVO ist die Ausnahmesituation sportlich gesehen Glücksfall. Zwei Unentschieden hatte sich der Schönecker Ortsverein gegen den KSV Langen-Bergheim im August und gegen Eintracht Oberrodenbach Anfang September erkämpft. Beide Zähler wurden wegen der Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls wieder abgezogen. Es folgte eine Niederlagenserie mit zwölf verlorenen Spielen am Stück und deftigen Heimpleiten wie dem 1:10 gegen den VfR Kesselstadt oder dem 1:9 gegen Kewa Wachenbuchen.

Und trotzdem hoffte man beim SVO bis zuletzt noch auf den Klassenverbleib. „Ich hätte zur Winterpause nicht mehr darauf gewettet. Wir haben noch auf den Relegationsplatz geschielt – je nachdem, wie viele Teams aus der Gruppenliga abgestiegen wären, wäre das rechnerisch noch möglich gewesen. Realistisch war es aber wohl kaum noch. Eigentlich fast unmöglich“, so Böhmert.

SVO musste verletzungsbedingt auf Leistungsträger verzichten

Wie es so weit kommen konnte, ist dem Spielausschuss-Vorsitzenden immer noch ein Rätsel. „Ich bin immer noch am knobeln und am verzweifeln. Wir haben die Mannschaft nicht verändert“, sagt Böhmert. Verletzungssorgen warfen das Team von Trainer Daniel Rück über weite Strecken der Saison zurück. Kapitän und Abwehr-Stabilisator Christoph Braun verpasste die Runde verletzt. Auch die beiden Schildger-Brüder fielen oft aus. „Und wenn die bei uns im Mittelfeld fehlen, wird es schon schwierig“, sagt Böhmert.

Es sei dann eins zum anderen gekommen. Das Team geriet in eine Negativspirale, aus der es sich nie zu befreien vermochte. „Ich glaube auch, dass es zu 90 Prozent im Kopf nicht gestimmt und sich mancher vielleicht auch zu früh aufgegeben hat, als wir dann hinten drin standen.“ Die Corona-Pandemie gibt dem SVO nun eine zweite Chance. Laut Böhmert stehen die Chancen gut, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Abgänge gebe es aktuell noch keine. „Wir werden versuchen, nochmal auf dem Spielermarkt aktiv zu werden und die Mannschaft punktuell zu verstärken“, kündigt Böhmert an.

Oberdorfelden setzt auf Kameradschaft statt auf Bezahlung

Leicht werde das aber nicht. Schließlich gebe es in Oberdorfelden kein Geld – also auch keine Einsatz- oder Siegprämien. „Und solange ich am Ruder bin, wird das auch so bleiben“, sagt Böhmert. Der SVO geht dafür ab und an mal mit den Spielern essen und setzt auf die Kameradschaft, erklärt der Spielausschuss-Vorsitzende. So habe es der Klub innerhalb von drei Jahren aus der B-Klasse in die Kreisoberliga geschafft.

„Darauf sind wir als kleiner Ortsverein stolz. Sollte es an einem Tag X wieder runtergehen, ist das für uns zu verkraften.“ Daniel Rück, der seit Dezember 2011 an der Seitenlinie beim SVO steht und damit der dienstälteste Trainer in der Liga ist, hat ebenfalls schon seine Zusage für die neue Spielzeit gegeben. „Wir gehen frohen Mutes in die neue Runde“, sagt Böhmert: „Egal, wann die beginnt.“ Der SVO will in der kommenden Saison einen neuen Anlauf nehmen und es besser machen. Denn ziemlich sicher ist auch: Null Punkte werden nicht noch einmal zum Klassenerhalt reichen.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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