Kleine Kreuze, große Wirkung

Wieder ein Strich, der für Freude sorgt: Die abgekreuzten Übungseinheiten auf ihrem Trainingsplan dienen der Dreieicherin Tanja Schabacker als Motivationshilfe. Foto: privat

Den 27. Oktober hat Tanja Schabacker dick im Kalender angestrichen. Da geht der Frankfurt-Marathon über die Bühne. Und die 30-Jährige will dabei sein, ihren ersten Lauf über 42,195 Kilometer bestreiten. Wir begleiten den Marathon-Neuling aus Dreieich bei der Vorbereitung. VON CHRISTIAN DÜNCHER

Diesmal im Mittelpunkt: Motivationstricks.

Dreieich – Es ist eine simple Strategie. Jerry Seinfeld wurde durch sie Multimillionär, Tanja Schabacker soll sie bei der Vorbereitung auf den ersten Marathonlauf helfen. Die 30-Jährige nennt es „Kreuzmethode“, bekannt ist diese aber auch als „Seinfeld-Strategie“ oder „Seinfeld-Kalender“ – obwohl der Komiker aus den USA betont, dass die Idee nicht von ihm stammt.

Als Seinfeld noch ein Nobody in der Branche war, hatte er sich vorgenommen, jeden Tag eine Stunde lang Gags zu schreiben. Er protokollierte das, indem er ein Kreuz im Kalender machte. Daraus eine stetig wachsende Kette werden zu lassen, habe ihm dabei geholfen, Ablenkungen zu widerstehen und Motivationslöcher zu überwinden.

Schabacker nutzt keinen Kalender, sondern den Trainingsplan des veganen Laufblogs „bevegt“. Sie hat ihn ausgedruckt und an die Tür des Schlafzimmers gehängt, wo er nicht übersehen werden kann. „Immer, wenn ich einen Lauf gemacht habe, mache ich ein Kreuz im entsprechenden Kästchen“, erklärt Schabacker und gibt zu: „Ich war erst skeptisch, ob die Methode wirklich dabei hilft, dranzubleiben. Aber das hat schon im vergangenen Jahr mit meinem Trainingsplan für einen Halbmarathon super geklappt.“ Das „Abkreuzen“ ist mittlerweile das erste, was die Personalrecruiterin macht, wenn sie nach einem Lauf nach Hause kommt. „Und wenn ich keine Lust zu laufen habe, schaue ich auf den Plan, sehe die ganzen Kreuze und die Motivation kommt wieder.“ Die Methode sei „effektiv, um Gewohnheiten zu etablieren“, sagt Schabacker.

Auch morgens nach dem Aufstehen hilft ein Blick auf die bereits absolvierten Trainingseinheiten. „Ich dachte früher immer, dass ich morgens nicht laufen kann“, erinnert sich die 30-Jährige. „Meine Gedanken waren dann oft: Es geht mir nicht gut, ich bin zu müde.“ Es wurde jedoch auch ohne das Laufen nicht besser. Im Gegenteil: Sie fühlte sich den restlichen Tag niedergeschlagen. „Seitdem ich aber einfach aufstehe und laufe und die vermeintlichen Warnzeichen ignoriere, merke ich bereits nach den ersten 100 Metern, dass mein Körper oder Geist mir einen Streich gespielt hat: Es geht mir während des Laufens und den Tag über super.“

Manchmal trifft es einen aber auch erst auf der Laufstrecke – wie bei Schabacker am vergangenen Samstag um sieben Uhr morgens. Sie hat ihr Handy vergessen. Musik und Hörbuch als Ablenkung? Fehlanzeige. „Ich muss mich voll aufs Laufen konzentrieren, bin erst leicht demotiviert. Es wird anstrengender. Ich verliere spätestens ab Kilometer zehn die Lust“, sagt sie – und greift in die Trickkiste. „Ich stelle mir vor, ich laufe den Frankfurt Marathon – vorbei an Tausenden Menschen. In Gedanken sehe ich den Messeturm, wo das Ziel ist. Er kommt immer näher. Als ich dann – in Wirklichkeit – in die Einfahrt zur Wohnung einbiege, stelle ich mir vor, dass es der rote Teppich in der Messehalle ist“, so Schabacker. „Das klappt richtig gut, ich kann solche Visualisierungen nur empfehlen. Für den Kopf ist es in diesem Moment egal, ob das nur in Gedanken oder wirklich passiert. Es motiviert ungemein, wenn gerade bei langen Läufen gar nichts mehr geht.“

Nächster Teil: 24 August

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare