Kneipentreff schweißt zusammen

März 1994: Ex-Offenbacher Lars Schmidt stürmt mit Karlsruhe ins UEFA-Pokal-Halbfinale

Der Boss und der Titan: Lars Schmidt war 1993/1994 Kapitän des Karlsruher SC. Rechts: Oliver Kahn, Dirk Schuster, Burkhard Reich. Foto: Imago
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Der Boss und der Titan: Lars Schmidt war 1993/1994 Kapitän des Karlsruher SC. Rechts: Oliver Kahn, Dirk Schuster, Burkhard Reich.

Drei UEFA-Cup-Spiele hat Lars Schmidt in seiner Karriere für den Karlsruher SC absolviert, eines im Viertelfinale und zwei im Halbfinale. Dabei hat er nie verloren. Vor 25 Jahren platzte aber der Traum vom Finaleinzug trotz zweier Remis (0:0, 1:1) gegen Casino Salzburg. Der heute in Steinheim lebende Trainer des Verbandsligisten Viktoria Urberach erinnert sich.

Offenbach – „Es war zwar keine einfache Zeit für mich“, sagt Schmidt mit Blick auf jenen Frühling 1994, in dem der Karlsruher SC mit dem Ex-Offenbacher Winfried Schäfer als Trainer drauf und dran war, europäische Fußball-Geschichte zu schreiben. Die Erfolge gegen die PSV Eindhoven (2:1/0:0), FC Valencia (1:3/7:0), Girondins Bordeaux (0:1/3:0) erlebte Schmidt als Zuschauer, nachdem er sich schwer verletzt hatte (Wadenbeinbruch). Erst im Viertelfinalrückspiel gegen Boavista Porto führte er den KSC erstmals auf internationaler Bühne als Kapitän an. Und durfte nach Wolfgang Rolffs Tor (35.) zum 1:0-Endstand (Hinspiel: 0:0) mit dem Halbfinaleinzug den größten Erfolg seiner Karriere feiern.

Einem noch größeren stand Casino Salzburg im Weg. Dabei hatte nach dem 0:0 bei den Österreichern, die mit Adi Hütter (heute Trainer von Eintracht Frankfurt) antraten, alles für Karlsruhe gesprochen. „Wir waren uns zu sicher“, räumt Schmidt heute ein: „Wir waren längst mit den Planungen beim Finale in Mailand - und so haben wir im Rückspiel gespielt.“ Viel zu forsch sei die Mannschaft nach vorne gestürmt, „das ging dann in die Hose.“ Zwar glich der vom SV Bernbach gekommene Rainer Krieg (54.) das 0:1 durch Hermann Stadler (12.) noch aus. Mehr aber wollte nicht gelingen.

Der Traum vom ganz großen Coup war geplatzt, aber die erfolgreichste Saison der Geschichte des KSC ist es bis heute geblieben. „Wir hatten damals keine Weltklassespieler in unseren Reihen, wir kamen über die Mentalität und die Geschlossenheit“, sagt der 53-Jährige: „Damit kannst du sehr viel erreichen.“

Es war auch eine Zeit, „in der du noch um die Häuser ziehen konntest, ohne dass es quer durch alle sozialen Medien ging“. Rolff, Schmidt, Krieg & Co trafen sich immer montags in Durlach in einem Lokal. Trainer Winnie Schäfer tolerierte das. Die legendären Treffen schweißten zusammen. Noch heute hat Schmidt Kontakt zu damaligen Mitspielern, ist Mitglied der Traditionsmannschaft, die der damalige Innenverteidiger Burkhard Reich managt. Dirk Schuster, bis Februar Trainer des SV Darmstadt 98, „ist irgendwann ausgetreten, weil er sich geärgert hat, dass er nicht KSC-Trainer wurde“. Der Leader der Truppe war Wolfgang Rolff. „Einer der besten defensiven Mittelfeldspieler überhaupt“, meint Schmidt: „Er war ein Führungsspieler, der nicht über die Hierarchie des Schreckens kam.“ Dagegen hatte der spätere „Titan“ Kahn „noch nichts zu melden“.

So besonders die Typen waren, zu denen auch Manfred Bender (später kurz OFC-Sportdirektor) gehörte, so ungewöhnlich waren auch die Methoden von Winfried Schäfer. „Er war sehr impulsiv, hat uns richtig Feuer gegeben, aber er ging auch individuell auf jeden ein“, so Schmidt. Der laufstarke Kapitän beispielsweise durfte selbst entscheiden, ob er montags ins Training kam. „Steig ein, wann du willst, sagte er zu mir.“

So außergewöhnlich der Karlsruher Triumphzug war, so ungewöhnlich war Schmidts Weg zu den Badenern. Weil die Offenbacher Kickers ihm als A-Jugendlichen keine Einsatzzeiten bei den Profis garantieren konnten oder wollten, holte ihn Winfried „Django“ Mann zur Spvgg. 05 Bad Homburg. Nach einem Jahr Verbandsliga wechselte Schmidt in die 2. Bundesliga, spielte zehn Jahre für den Karlsruher SC, vier Jahre für Mainz 05. 1999 kehrte er zum OFC zurück, spielte zwei Jahre 2. Liga und Regionalliga, war später auch Manager und Trainer bei den Kickers. Insgesamt absolvierte Schmidt 197 Partien in der Bundesliga, 195 in der 2. Liga, 24 in der Regionalliga Süd - und eben jene drei außergewöhnlichen im UEFA-Cup.

KSC - Casino Salzburg 1:1

KSC: Oliver Kahn - Dirk Schuster, Jens Nowotny, Burkhard Reich (46. Krieg) - Slaven Bilic, Wolfgang Rolff - Edgar Schmidt, Rainer Schütterle (80. Klinge), Heiko Bonan - Sergej Kirjakow, Edgar Schmitt - Trainer Winfried Schäfer

Von Jörg Moll

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