Trauer um Hawks-Gründer

T.D. Knox coacht jetzt im Himmel

Machte Football in Hanau groß: T.D. Knox war Gründer und erster Trainer der Hanau Hawks.
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Machte Football in Hanau groß: T.D. Knox war Gründer und erster Trainer der Hanau Hawks.

Die Hanauer American-Football-Szene ist in tiefer Trauer. Der Gründer der Hanau Hawks, Tanner David „T.D.“ Knox, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. „Wie erst jetzt bekannt wurde, hat er im November das Spielfeld für immer verlassen“, so Achim Korn, Pressesprecher des Nachfolgevereins Hanau Hornets.

Hanau – Knox gründete 1980 die Hanau Hawks und trainierte sie auch. 1983 führte er die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in einem denkwürdigen Spiel im italienischen Castel Giorgio mit einem 27:20-Sieg gegen Frankreich auf den dritten Platz. „Das war ein Wahnsinnsspiel“, erinnert sich Hanaus Football-Urgestein Ebbo Schauer.

In den 80ern trainierte Knox einige Jahre die Hanau Hawks, war Spielertrainer der Cologne Crocodiles. Die Kölner Spieler legten 1987 ihr Geld zusammen und holten ihn als Trainer an den Rhein zurück. Knox gründete zahlreiche hessische Vereine wie Frankfurt Family oder Frankfurt Ravens, war als Trainer für die Neu-Isenburg Jets aktiv. Der in Hahira/Georgia geborene Knox gehörte zudem 1976 zu den Gründern der ersten American-Football-Liga in Deutschland.

2001 Rückkehr nach Hanau

Als die Hanau Hornets um die Jahrtausendwende sportlich am Boden lagen und viele mit der Auflösung des Vereins rechneten, kehrte er in die Grimm-Stadt zurück. „2001 nach dem Rückzug aus der 2. Bundesliga übernahm der Trainerhaudegen das Team“, erzählt Korn. Mit einem 52:0 gegen Kassel starteten die Hornets und stiegen mit einer perfekten Saison in die Regionalliga auf.

„T.D., das war Football pur. Er hat für unseren Sport gelebt und war ein großartiger Trainer. Er prägte in den 80ern eine ganze Football-Epoche“, so Schauer. Korn beschreibt Knox als „sehr unkonventionell“. Genau so habe er seine Teams zusammen gestellt. „Mich hatte er damals in Sachsenhausen gesehen, als wir ein paar amerikanischen Soldaten einen körperlichen Verweis erteilten, da sie über die Stränge schlugen. Er kam auf mich zu, erklärte mir, er sei Football-Headcoach in Offenbach und ich ab sofort sein Spieler“, beschreibt Korn die erste Begegnung. „Dazu drückte er mir seine Visitenkarte in die Hand. Seitdem spielte ich Football.“

Knox hat in Hanau einen „Mythos“ geschaffen

Seine ehemaligen Hanauer Spieler verneigen sich vor Knox: „Mit der Gründung der Hanau Hawks ist dir etwas gelungen, was nur wenigen gelingt: Du hast einen Mythos erschaffen, der bis heute, auch Jahrzehnte nach der Auflösung, Bestand hat.“

Als die Hawks das erste Mal vor mehreren Tausend Zuschauern spielten, in den 90ern zur Nummer eins in der Südgruppe der Bundesliga avancierten und den EFAF-Bowl gewannen, war er im Stadion und erlebte, was aus seinem Traum geworden ist.

Die Hanau Hawks und ihr Headcoach „T.D.“ Knox.

Ex-Spieler erinnern sich an T.D. Knox

„Wer dich kennt, kann viele Geschichten erzählen, und all deine Spieler zusammen könnten wahrscheinlich Tausende von Geschichten erzählen, aus denen man locker einen abendfüllenden Film drehen konnte“, schreiben die Hanauer Footballer in einem emotionalen Abschiedsbrief an den Hawks-Gründer. „Du hattest den Ruf, ein verdammt harter Trainer zu sein. In jedem Training hast du uns durch die Hölle geschickt. Oft sahen wir nach einem Training aus, als wenn wir in einem Tigerkäfig übernachtet hätten. Aber am Gameday waren wir dir dankbar dafür. So hart wie das Training konnte kein Gegner sein.“

Gerne erinnern sie sich auch an Sprüche von Knox. „Ihr lauft so lange Runden, bis ich müde bin,“ sagte er des Öfteren. Mit einem Schmunzeln erinnern sich die Ehemaligen auch an die falsche Aussprache seines Kürzels T.D.: „Ich bin nicht Titti, ich bin T.D. Knox American Football“, habe er dann immer gesagt.

Super-Bowl-Abende im Hause Knox

Es sei auch vorgekommen, dass er den Schreibtisch des Oberbürgermeisters verrückte, als der keine Trainings- und Spielmöglichkeiten für die Footballer zur Verfügung stellen wollte. „Das Ergebnis zählte: Wir bekamen eine Spiel- und Trainingsstätte und der OB ein Footballtrikot“, heißt es in den Erinnerungen der früheren Hawks, für die auch die Super-Bowl-Abende im Hause Knox unvergessen sind.

„In Deutschland wurde nicht übertragen und die Möglichkeit, einen amerikanischen Sender zu empfangen, hatten nur wenige. Also wurde sein Wohnzimmer zum Stadion.“

Der Tod des Hanauer Football-Pioneers wurde erst jetzt bekannt. Bereits im November verstarb Knox im Taunus, wo er zuletzt lebte. Emotional beenden die ehemaligen Spieler der Hawks und Hornets ihren Abschiedsbrief an ihren verstorbenen Ex-Coach: „Jetzt bist du als Headcoach abberufen worden und wirst die Heaven Fire Angels trainieren. Da wo Du jetzt bist, wirst du Fritze Staarfänger und auch Bernd Schmitte Schmidt wieder treffen, und auch einige deiner Spieler, die zu früh gegangen sind – und irgendwann werden wir wieder alle für dich spielen.“

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