Fußball

KOL: SV Oberdorfeldens Trainer Daniel Rück im Krisen-Interview

Daniel Rück steht seit 2011 an der Oberdorfelder Seitenlinie und denkt auch nach den jüngsten Misserfolgen nicht ans Aufhören. Archivfoto: TAP

Fußball. Daniel Rück ist seit Dezember 2011 Trainer der ersten Mannschaft des SV Oberdorfelden. Er führte den Klub von der Kreisliga B in die Kreisoberliga. Weil dem Klub wegen der Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls zwei Punkte abgezogen wurden, steht Rücks Team nach 18 Spieltagen punktlos am Tabellenende.

Im Interview spricht er über die Probleme beim SVO, den Zusammenhalt im Team und die kommende Saison.

Herr Rück, wie fühlt man sich als Trainer einer Mannschaft, die nach 18 Spielen noch sieglos ist?"Natürlich sehr schlecht. Wir wussten vor der Saison schon, dass das eine harte Nuss wird. Man hat ja gesehen, wer abgestiegen ist und wer hochkam. Deshalb war uns von vornherein klar, dass wir darum spielen, nicht aus der Liga rauszurutschen. Es ist enttäuschend, weil es in den Spielen ja nicht so war, dass wir maßlos unterlegen waren. Da waren Mannschaften dabei, die nach dem Spiel zu uns gekommen sind und gesagt haben, dass sie gar nicht verstehen können, warum wir da unten drin stehen. Es ist eine schwierige Situation. Die letzten Jahre sind wir immer auf einer Erfolgswelle gesurft. Dass dann irgendwann mal eine Zeit kommt, in der das nicht so ist, gehört zum Fußball dazu. Wobei ich sowas bisher auch noch nicht erlebt habe. "

Vergeht Ihnen manchmal die Lust am Fußball?"Nein, das nicht. Ich bin mit dieser Truppe ja schon Ewigkeiten zusammen, die meisten kenne ich seit sie Fußball spielen. Ich habe hier in der Kreisoberliga die gleiche Mannschaft, die ich auch in der B-Liga hatte, da ist keiner dazu gekommen. Wir haben eine gute Gemeinschaft, das Umfeld passt und die Spieler sind ja wie meine Kumpels mittlerweile, deshalb geht die Lust nicht verloren. Es ist eher enttäuschend, weil eigentlich mehr möglich wäre."

Keine Rücktrittsgedanken

Also hatten Sie nie den Gedanken hinzuschmeißen?"Nein, auf keinen Fall. Das stand für mich außer Frage, dafür mache ich es zu lange und dafür macht es mir zu viel Spaß. Ich habe auch vom Verein den Rückhalt bekommen, der gesagt hat: Egal, was mit uns passiert, du hast das hier alles so aufgebaut und ermöglicht – wir ziehen da jetzt nicht die Reißleine, wenn es mal nicht so läuft.

Wo liegen aktuell die Probleme beim SVO?

"Wir haben große Personalschwierigkeiten. Wir sind in die Saison gestartet und hatten schon zwei, drei verletzte Spieler. Das hat sich dann durch die Hinrunde so gezogen, dass immer mal wieder Spieler über den Zeitraum von mehreren Wochen gefehlt haben. Dann hast du sowieso nur 14 oder 15 Spieler, wo du sagst, die können in der Kreisoberliga mithalten. Wenn man mal genauer hinschaut, sieht man, dass in der Hinrunde eigentlich immer drei Spieler auf der Bank gesessen haben, die schon 90 Minuten in der zweiten Mannschaft gespielt haben. Ein großes Problem ist, dass wir noch nie mit der stärksten Formation gespielt haben. Durch die Umstellungen von Woche zu Woche spielt sich auch nichts fest ein."

Abgang von Torwart Vogl schmerzt

Ihr Team hatte im Sommer kaum Abgänge. Wie schwer wiegt der Abgang des ehemaligen U-Nationaltorhüters Sebastian Vogl?"Dass er für uns ein riesiger Bonus war, steht außer Frage. Nicht nur das Fußballerische, sondern auch das Menschliche, was er noch in die Mannschaft gebracht hat, war ein Bonus für uns. Er redet ein bisschen mehr, hat halt auch die Ahnung und bei ihm kannst du davon ausgehen, dass neun von zehn Abschlägen entsprechend an den Mann kommen. Dass uns damit etwas wegfällt und dass wir da keinen Eins-zu-Eins-Ersatz finden werden, war uns bewusst."

Was macht Ihnen Hoffnung, dass der Mannschaft die Wende noch gelingt?"Ich bin Fußballer. Die Hoffnung, dass noch irgendetwas passieren kann, die werde ich, solange es rechnerisch noch möglich ist, bis zum Schluss haben. Wir haben den großen Vorteil, dass die Mannschaften, die vor uns sind, auch nicht unbedingt mehr punkten. Wir haben jetzt sieben Punkte Rückstand auf beide. Und ich glaube, wenn wir mal wieder ein Spiel gewinnen, dann wird auch ein Ruck durch die Mannschaft gehen. Vielleicht gewinnst du dann auch mal wieder zwei, drei oder vier Spiele. Wobei man auch sagen muss, dass der Relegationsplatz jetzt schon echt weit weg ist."

Mit Wachenbuchen wartet ein schwieriger Gegner

Im nächsten Spiel trifft Ihre Mannschaft auf Kewa Wachenbuchen. Was erwarten Sie für eine Partie?"Wachenbuchen ist ein Gegner, der uns immer irgendwie Probleme bereitet. Wir werden auch in dieses Spiel mit der großen Hoffnung gehen, endlich mal wieder einen Dreier einfahren zu können, damit wir nach dem Spiel auch mal wieder feiern können. Natürlich wird das eine harte Aufgabe werden. Die Personaldecke sieht im Moment auch nicht so rosig aus. Trotzdem hoffen wir, dass wir denen irgendwie etwas abluchsen können."

Sie sind der dienstälteste Trainer in der Kreisoberliga, stehen seit Dezember 2011 beim SVO an der Seitenlinie. Haben Sie schon eine Entscheidung getroffen, wie es nach der aktuellen Spielzeit weitergeht für Sie?"Darüber habe ich bisher noch gar nicht nachgedacht. Ich denke mal, dass die Planung vom Verein für die nächste Saison mit mir stattfindet, egal in welcher Liga wir spielen. Da ich ja auch ein bisschen mit dem Verein verheiratet bin, steht etwas anderes für mich eigentlich nicht zur Debatte. Anfragen habe ich auch keine. Solange der Verein nichts anderes sagt, plane ich damit, dass ich das nächstes Jahr weitermache."

Das Interview führte David Lindenfeld.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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