Spät, aber nicht zu spät

Kommentar zu Löwen-Trainer Franz Fritzmeier

Dass aus dem Manager Franz Fritzmeier nochmal der Trainer Franz Fritzmeier geworden ist, kommt selbst für ihn überraschend. Doch der Wechsel von der Tribüne an die Bande war überfällig – das zeigen die jüngsten Ergebnisse. Von Jörn Polzin

Vier Spiele in Folge gewann der Eishockey-Zweitligist unter Fritzmeiers Regie, drehte die Viertelfinalserie gegen Kassel und darf von der Titelverteidigung träumen. Ein Aufschwung innerhalb von zehn Tagen, der aber auch Fragen aufwirft. Ist es nur der Fritzmeier-Effekt, der die Spieler auf Kurs brachte?

Klar ist: Unter Vorgänger Paul Gardner suchten die Löwen ihr Heil fast nur in der Offensive. Der Torhunger überdeckte oft das Manko in der Verteidigungsarbeit. Vom amerikanischen Sprichwort, dass die Offensive Spiele gewinnt, aber nur die Defensive die Titel, hielt der Kanadier wenig. Die eindimensionale Ausrichtung und der Verzicht auf Hilfsmittel (Co-Trainer, Videoanalyse) wurden ihm zum Verhängnis.

Doch Gardner ist nicht alleine schuld, auch die Spieler (zeigen nun ein anderes Gesicht) und die Klubführung (Entscheidung fiel erst in den Play-offs) sitzen mit im Boot. Ein finales Urteil über Fritzmeiers Arbeit zu treffen, ist zu früh. Doch nur sechs Gegentore in vier Spielen (unter Gardner waren es 13 in zwei) zeigen, dass die Löwen auf dem richtigen Weg sind – und der Trainerwechsel spät, aber nicht zu spät gekommen ist.

Klar ist aber auch: Der Fritzmeier- Effekt hinter der Bande wird nur bis Saisonende anhalten. Dann zieht er sich auf den Sportdirektor-Posten zurück. Und das ist auch gut so. Gerade für ein Team mit Erstliga-Ambitionen ist eine seriöse Aufgabenteilung unabdingbar. Und dort wollen die Löwen wieder hin. Spätestens 2020, wenn es wieder einen sportlichen Aufsteiger geben soll.

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