Zum künftigen Nationalteam

Nadine Stahlberg über ihren Wechsel vom Fechtclub Offenbach nach Heidenheim

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Diskussion neben der Planche vor rund vier Jahren: Die künftige Heidenheimerin Nadine Stahlberg mit dem Offenbacher Trainer Miklos Bodoczi. Der Vizeweltmeister im Degenfechten von 1986 arbeitet bereits seit 1990 für den Fechtclub Offenbach. Stahlberg (22) war im Alter von sieben Jahren über ihre ältere Schwester Sabrina zum FCO gekommen.

Offenbach - Degenfechterin Nadine Stahlberg tritt in dieser Saison nicht mehr für den Fechtclub Offenbach an und lässt die ohnehin nur noch geringe Chance auf die Teilnahme an der Europa- und Weltmeisterschaft verstreichen. Von Holger Appel

Nach Lehrgängen der Nationalmannschaft in Bonn und Hennef wird die 22-jährige Offenbacherin wie angekündigt zum 1. August zum Heidenheimer Sportbund wechseln.

Sie haben bisher nur Ihren Vereinswechsel bekannt gegeben, nicht aber Gründe genannt. Warum verlassen Sie den Fechtclub Offenbach?

Weil sich die Rahmenbedingungen für mich geändert haben.

Das bedeutet?

Ich bin im deutschen A-Kader und seit eineinhalb Jahren in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Das ist mein Arbeitgeber, mein Job. Ich muss abseits des Vereinstrainings viel an Stützpunkten üben, zum Beispiel mit dem Bundestrainer.

Das alles spricht noch nicht gegen den FCO.

In meinem Heimatclub in Offenbach haben mir zuletzt der Trainer und die Trainingspartner gefehlt, da auch Monika Sozanska, Richard Schmidt und Nikolaus Bodoczi selten da sind. In Heidenheim ist die Trainingsgruppe richtig stark. In Offenbach war ich selbst Trainerin, Fechterin und Organisatorin in einem. Das passt nicht, wenn man selbst Leistungssport betreiben will. Und ich will mich jetzt wieder richtig auf das Fechten konzentrieren können.

Miklos Bodoczi, den Sie als besten Trainer überhaupt bezeichnet haben, soll nach längerer Krankheit zurückkehren.

Für mich war lange unsicher, ob er zurückkommt. Aber es ist ja so, dass ich bald jedes zweite Wochenende auf Reisen bin. Ich war als FCO-Fechterin bei Übersee-Turnieren immer ohne meinen Heimtrainer unterwegs. Klar, so etwas kann ein kleiner Verein nicht leisten. Das ist kein Vorwurf. Aber diese Unterstützung benötige ich im Aktiven-Bereich und muss mich darauf verlassen können.

Das werden Sie beim Sportbund Heidenheim bekommen?

Beim Heidenheimer SB wird immer ein Trainer auf internationalen Turnieren dabei sein, in meinem Fall wohl Piotr Sozanski, der Vater meiner Offenbacher Kollegin Monika Sozanska. Sie trainiert übrigens auch oft in Heidenheim. So schlecht kann das also nicht sein.

Bilder: Offenbacher Fechter feiern Erfolge bei deutscher Meisterschaft

Sie spielen an auf die Aussage des FCO-Vorsitzenden Eberhard Theobald, der für Sie keine Verbesserung in diesem Wechsel sieht?

Genau. In diesem Punkt bin ich ganz anderer Meinung als er. Der Sportbund Heidenheim ist super organisiert, leistet in seinem Leistungszentrum tolle Nachwuchsarbeit. Ich wechsele auch nicht aus finanziellen Gründen, sondern wegen dieses jungen Teams, in dem ich mich wohl fühlen werde. Heidenheim stellt die künftige Nationalmannschaft, da bin ich genau richtig.

Verlassen Sie Offenbach im Zorn?

Nein, überhaupt nicht. Ich kann mich nur für 15 tolle Jahre bedanken, die ich nicht missen möchte. Ich weiß, dass der FCO viel in mich investiert hat, bin dafür super dankbar. Aber ich habe mit dem einen oder anderen Erfolg sicher auch dem FCO viel geholfen. Ich werde sogar in Offenbach wohnen und auch Vereinsmitglied bleiben. Ich trage den FCO weiter im Herzen. Aber ich will weiter vorankommen. Und da scheint mir Heidenheim die beste Adresse zu sein.

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