Hessische Meisterschaft

Küssende Bogenschützen bei der SG Tell Dietzenbach

Fachgespräch in Dietzenbach. Landestrainer Bogensport Freddy Siebert (mitte) mit Björn Bullinger (rechts) und Christopher Harbrecht von den Flobertschützen Offenbach. Foto: Postl
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Fachgespräch in Dietzenbach. Landestrainer Bogensport Freddy Siebert (mitte) mit Björn Bullinger (rechts) und Christopher Harbrecht von den Flobertschützen Offenbach.

Dietzenbach – Bogenschützen sollten gut „Küssen“ können. Hier ist jedoch nicht das landläufige „Busseln“ bei allen möglichen Gelegenheiten gemeint, sondern der Pfeil sollte erst die Sehne verlassen, wenn der Bogen so weit gespannt ist, bis diese die Lippen berührt – also küsst. Von Leo F. Postl

Dass sich die Kunst des Sehnenküssens wieder einmal bewährt hat, das konnte man bei der Hessenmeisterschaft der Bogenschützen, die in der Dietzenbacher Philipp-Fenn-Halle ausgetragen wurden, bestens beobachten. Den Bogen zügig spannen, bis die Sehen die Lippen berührt, dann die Atmung kontrollieren und wenn man glaubt, das Ziel fest im Visier zu haben, den Pfeil von der Sehne schnellen lassen – dies war das Erfolgsrezept, um auf dem Siegertreppchen zu stehen. Dort gab es dann hin und wieder echte Küsschen.

Wenn es um die Ausrichtung der Hessenmeisterschaften Bogenschießen in der Halle geht, dann ist die Schützengesellschaft „Tell“ Dietzenbach eine gesetzte Größe. „Wenn wir gefragt werden, machen wir das gerne, wenn wir dann den Zuschlag bekommen, setzt sich unser bewährtes Räderwerk in Bewegung“, beschreibt Oliver Weck, Vorsitzender der „Tell“-Schützen den Ablauf. Bevor es in der Philipp-Fenn-Halle losgehen kann, sind erst einmal viele „Kraftakte“ nötig. „Wir müssen die rund 30 Zielscheibenhalter, jede hat einen Durchmesser von 1,25 Meter und ein Gewicht von 80 Kilo, von unserem Gelände an der Raiffeisenstraße hierher transportieren und auch aufstellen“, verweist Weck auf die größte Herausforderung. Für die Hessenmeisterschaften waren 27 solcher Scheiben angefordert, zwei bis drei benötigt man „in Reserve“.

Oliver Weck

„Im Prinzip ist alles kein großes Problem, wenn man sich auf ein Team verlassen kann“, nennt Weck denn auch das Erfolgsrezept für die Ausrichtung. Stehen alle Scheiben in der genauen Entfernung von 18 Metern von der Grundlinie der Schützen, dann wird die Höhennivellierung für die Zielscheiben vorgenommen. Überprüft wird dies alles noch einmal von Kampfrichtern des Hessischen Bogensportverbandes. „Hier kommen wir immer ganz entspannt her, die haben ja auch schon entsprechende Erfahrung mit solchen Meisterschaften“, lobt die Landesreferentin Bogensport, Sabrina Steffens, die Dietzenbacher. Vor dem eigentlichen Schießen wird dann noch jedes „Sportgerät“ einer genauen Überprüfung unterzogen – und erhält danach die Marke aufgeklebt, die als Zulassung zum Wettbewerb gilt.

Eine besondere Überprüfung erfährt der Bogen insgesamt, denn die Zugkraft darf einen bestimmten Wert nicht übersteigen. „Das ist je nach Bogenart, der Altersklasse und dem Geschlecht unterschiedlich“, erklärt Landestrainer Freddy Siebert. Bei Björn Bullinger staunte er nicht schlecht, denn der Athlet der Flobertschützen Offenbach lag genau im vertretbaren Rahmen. „Wenn einer das über die 60 Schuss so durchhält, ist das schon mal eine recht sportliche Leistung“, bescheinigte der Landestrainer dem Offenbacher eine gute körperliche Konstitution. Insgesamt müssen die Bogenschützen in drei Runden jeweils 20 Pfeile abschießen – und dabei auch noch treffen. Neben Björn Bullinger, der zu den Titelaspiranten zählte, waren noch Christopher Harbrecht und Pierre Michel Biko von den Flobertschützen am Start.

Hessenmeisterschaft im Bogenschießen

Hessenmeisterschaft im Bogenschießen in Dietzenbach
Hessenmeisterschaft im Bogenschießen in Dietzenbach
Hessenmeisterschaft im Bogenschießen in Dietzenbach
Hessenmeisterschaft im Bogenschießen in Dietzenbach
Hessenmeisterschaft im Bogenschießen

Noch bevor das Offenbacher Trio überhaupt den ersten Pfeil abfeuern konnte, gab es für Norbert Och vom HSV Götzenhain den ersten Hessenmeistertitel zu feiern. Der Senior siegte in seiner Altersklasse mit dem Recurve-Bogen mit beachtlichen 537 Ringen. Björn Bullinger erkämpfte sich in der Kategorie Compound-Bogen in einem spannenden Zweikampf den dritten Platz mit 577 Ringen. Den Sieg trug Florian Grafmans (SV Böddinger) mit 582 Ringen davon. Christopher Harbrecht (Flobertschützen Offenbach) landete auf Rang 16.

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