Abstiegskampf

TV Langen setzt auf „Experiment“ Sebastian Barth

+
Volle Konzentration auf den Heimatklub: Ex-Kapitän Sebastian Barth liegt der TV Langen sehr am Herzen.

Langen - „Etwas ungewohnt, aber eigentlich wie immer“ - so beschreibt Sebastian Barth seine Rückkehr zum TV Langen. In die Halle, in der er viele Stunden mit Basketball verbrachte, Siege feierte und bittere Niederlagen miterlebte - als Zweitligaspieler.

Die Gegenwart heißt 1. Regionalliga. Und dafür pendelt er. Ein bisschen hat ihn das schlechte Gewissen gepackt, gibt Barth schmunzelnd zu. Zweimal hatte er den Traditionsverein, in dem auch seine Brüder Kai und Nico spielten und sein Vater Jürgen seit einigen Jahren Manager ist, bislang den Rücken gekehrt. Ein Jahr später folgte jeweils der Abstieg. Zuletzt in die Regionalliga. „Diesmal will ich bei der Rettung helfen“, betont Barth, für den die „Giraffen“ eine Herzensangelegenheit sind. Der 31-Jährige begann seine Karriere in der Langener Jugend, spielte mit den Herren in der 2. Liga, ehe er 2009 den Klub in Richtung Bayreuth verließ. Auch von 2012 bis 2014 führte Barth den TVL als Kapitän an.

Am Samstag schloss sich der Kreis erneut. „Es hat sich eigentlich angefühlt wie immer. Ich habe mich in der Halle ja schon tausende Mal umgezogen und warmgemacht“, erzählt Barth. Einzig der Rahmen sei kleiner als zu Bundesliga-Zeiten gewesen. Zudem traf er auf viele neue Gesichter. „Bis auf Cedric Quarshie und Maxim Schneider habe ich noch mit keinem zusammen auf dem Feld gestanden. Wir müssen uns erst aneinander gewöhnen.“ Eine andere Erkenntnis machte ihm im Laufe der Regionalliga-Partie gegen Mainz (81:83) aber mehr zu schaffen: „Meine körperliche Verfassung ist desolat. Der Kopf weiß, was ich machen muss. Aber die Beine machen nicht so mit. Da fehlt die Puste.“

Alle Ergebnisse der Regionalliga finden Sie hier

Nur einmal hatte der Flügelspieler zuvor mit dem Team trainiert - am Spieltag selbst. Das wird auch künftig so sein, wenn Barth pendelt. Unter der Woche ist er in UIm bei Scanplus beschäftigt, einem Rechenzentrumsbetreiber. Am Wochenende legt er die circa 275 Kilometer in seine Heimatstadt zurück. „Natürlich haben wir uns gefragt, ob das Sinn macht und sehen es als Experiment. Aber Sebastian hilft uns gerne und Trainer Tim Michel freut sich über einen stabilen Spieler im Abstiegskampf“, sagt Manager Jürgen Barth. Nachdem sein Sohn nicht mehr im ProB-Kader von Oberelchingen berücksichtigt wurde, habe man die Option durchgesprochen. Im Idealfall will Barth sechs der verbleibenden sieben Spiele bestreiten und helfen, die Klasse zu sichern. „Ich denke, das ist mit den Jungs drin. Es macht richtig Spaß.“

Alles zum TV Langen finden Sie hier

An die Zukunft denkt er lieber als an seine letzte Station in Oberelchingen. Bis kurz vor Weihnachten war er dort Kapitän, ehe nach Unstimmigkeiten mit Trainer Dario Jerkic sein Vertrag aufgelöst wurde. „Meine Kritik ist dort nicht gut angekommen. Außerdem habe ich wohl die sportlichen Erwartungen nicht erfüllt“, erzählt Barth. Bei einer 40-Stunden-Woche den Beruf mit Leistungssport auf diesem Niveau zu vereinbaren, sei schwierig, hat er festgestellt. Den Fokus legt er weiter auf die Tätigkeit bei Scanplus, gleichzeitig Sponsor des Oberelchinger Basketballvereins. „Sportlich hat es nicht gepasst, beruflich fühle ich mich hier sehr wohl“, sagt Barth. Grundsätzlich könne man die Standorte Oberelchingen und Langen kaum vergleichen. Auf der einen Seite der ProB-Ligist mit viel Geld im Hintergrund und gehobener Infrastruktur, auf der anderen Seite der familiär geführte Traditionsverein, der auf Jugendarbeit setzt.

TV Langen siegt gegen Hanau White Wings

Genau darin sieht Barth auch die Zukunft des TV Langen. „Wir müssen zurück zu den Wurzeln“, betont er. Mit gezielter Förderung der Talente und der einen oder anderen Verstärkung lasse sich mittelfristig vielleicht wieder eine ProB-Mannschaft formen. Wobei klar sein müsse, dass die Langener die stärksten Talente meist für andere Klubs ausbilden. „Auch infrastrukturell muss etwas passieren“, sagt Barth mit Blick auf die Halle: „So gern ich sie auch habe, aber zeitgemäß ist sie nicht mehr.“ Im Sommer soll dann vielleicht Schluss sein mit der Basketball-Karriere.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare