TISCHTENNIS Im Meisterschafts-Halbfinale aber nur Außenseiter / Kolbermoor in Bestbesetzung

TSV Langstadt spürt großes Selbstvertrauen

Tanja Krämer hat zwei der fünf Langstädter Punkte in den Ligaspielen gegen Kolbermoor geholt, dabei unter anderem Kristin Lang mit 3:2 Sätzen bezwungen.
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Tanja Krämer hat zwei der fünf Langstädter Punkte in den Ligaspielen gegen Kolbermoor geholt, dabei unter anderem Kristin Lang mit 3:2 Sätzen bezwungen.

Langstadt – Das Viertelfinale um die deutsche Tischtennis-Meisterschaft der Frauen war für das Team des TSV Langstadt mit den beiden klaren Siegen gegen Böblingen (7:1 und 8:0) beinahe ein Spaziergang. Ab Freitag (19 Uhr) türmt sich jetzt aber eine richtig hohe Hürde auf. Will man tatsächlich zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das Finale um die Deutsche Meisterschaft erreichen, muss mit SV DJK Kolbermoor einer der beiden Giganten im deutschen Frauen-Tischtennis bezwungen werden.

Das Team aus Oberbayern ist in Topbesetzung qualitativ nur minimal hinter berlin eastside einzustufen, das sogar die Champions League gewonnen hat. Eigentlich liegt die Truppe aus dem Süden den TSV-Assen nicht sonderlich gut, dennoch wäre es in der normalen Punktspielbesetzung eine 50:50-Angelegenheit. Doch der Gast will nichts dem Zufall überlassen und hat die an Position eins gemeldete Portugal-Chinesin Fu Yu einfliegen lassen. Somit steht Kolbermoor in der zu erwartenden Aufstellung Fu Yu, Kristin Lang, Yuan Wan und Svetlana Ganina extrem gut und alle Langstädterinnen müssten schon einen traumhaft guten Tag erwischen, um etwas Zählbares herauszuholen.

„Die Vorzeichen sind diesmal genau anders. Gegen Böblingen waren wir der Favorit, jetzt sind wir der Außenseiter“, blickt der Sportliche Leiter des TSV, Manfred Kämmerer, nicht gerade siegesgewiss auf die anstehenden zwei, maximal drei Duelle. „Kolbermoor und eastside berlin dominieren seit Jahren die Bundesliga“, fährt Kämmerer fort. „Wir haben uns mit dem 3. Platz in dieser Saison nach vorne gearbeitet und möchten uns jetzt natürlich so teuer wie möglich verkaufen.“

In der Punktrunde setzte es zwei Niederlagen. Besonders in der Hinrunde hatten sich die Langstädterinnen mehr ausgerechnet. „Wir waren komplett angetreten, bei Kolbermoor fehlte mit Fu Yu die Spitzenspielerin, Kristin Lang kam nach längerer Krankheit gerade erst wieder zurück. In der Rückrunde waren wir ohne Petrissa Solja chancenlos“, lässt Kämmerer die beiden Partien (3:5 und 2:6) Revue passieren.

Diesmal wird die 42-jährige Fu Yu am Tisch stehen. Die Penholderin ist zwar inzwischen in der Weltrangliste auf Position 55 abgerutscht, doch ihr Spielsystem ist schwer auszurechnen, auch für eine Top-20-Spielerin wie Petrissa Solja. Bis jetzt hat Fu nur beim Pokal Final Four gespielt und mit zwei Siegen im Finale gegen Berlin gezeigt, wie stark sie ist.

Allgemein erwartet worden war, dass Kolbermoor seine „Wunderwaffe“ erst im Finale bringt. Denn der Einsatz einer solchen ausländische Spitzenspielerin kostet etwas - eine hohe vierstellige Summe pro Einsatz ist branchenüblich. Da die Vereine in dieser Zeit der Coronavirus-Pandemie ohne Zuschauereinnahmen auskommen müssen und auch die Sponsorenlage angesichts existenzgefährdeter Mittelständler nicht allzu günstig ist, funktioniert so etwas nur über eine Finanzierung durch einen größeren Sponsor. Manfred Kämmerer weiß aber sicher zu berichten: „Fu Yu ist schon seit einigen Tagen in Deutschland und befindet sich gerade in Quarantäne.“

Dennoch wollen die Langstädterinnen alles versuchen, am Freitag nicht mit einer Niederlage aus der Halle zu gehen, um eine vernünftige Ausgangsposition für das Rückspiel am Sonntag in Kolbermoor (13 Uhr) zu besitzen. Wie schon im Viertelfinale spielt die Höhe eines Sieges keine Rolle. Nur die Siege zählen. Und mit zwei Siegen geht es ins Finale. Eine mögliche entscheidende Partie würde am Dienstag in Kolbermoor steigen.

„Das wird natürlich eine sehr schwere Aufgabe für uns, doch wir haben mit den Siegen gegen Böblingen genug Selbstvertrauen getankt, um den Favoriten zu ärgern“, blickt die 19-jährige Franziska Schreiner, Langstadts Entdeckung der Saison, trotz allem den Halbfinals nicht ohne Zuversicht entgegen.

Von Stephan Roscher

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