Rodgauerin absolviert Höhentrainingslager in Kenia

Leichtathletik: Schwitzen mit Deutschlands Elite

Beeindruckt von Kenias Natur: Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach) kommt mit der Höhenluft rund 2400 Meter über dem Meeresspiegel „hervorragend klar“. Foto: Norbert Wilhelmi
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Beeindruckt von Kenias Natur: Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach) kommt mit der Höhenluft rund 2400 Meter über dem Meeresspiegel „hervorragend klar“.

Nach der kräftezehrenden Laufeinheit geht’s auf die Liege. Beim einheimischen Physiotherapeuten die Müdigkeit aus den Beinen schütteln lassen. Die Rodgauerin Lisa Oed nimmt das Angebot gerne an.

Ist ja auch etwas Besonderes, so 10 000 Kilometer entfernt – beim Trainingslager im kenianischen Iten, dem „Home of Champions“.

Und wenn die U20-Europameisterin da so liegt, nach dem Mittagessen, zwischen erster und zweiter Einheit, geht es auch mal tierisch zu. „Es kommt schon mal vor, dass eine Affenfamilie vorbeischaut“, erzählt die 21-Jährige schmunzelnd. Andere Länder, andere Sitten.

Für die Athletin des SSC Hanau-Rodenbach ist es das zweite Höhentrainingslager, das erste in Afrika -- und das in prominenter Gesellschaft. Mit Hindernis-Europameisterin Gesa Krause und der deutschen Marathon-Meisterin Katharina Steinruck bildet sie eine Trainingsgruppe. Das Trio kennt sich gut, wohnt in Frankfurt in unmittelbarer Nähe, trainiert gemeinsam am Olympiastützpunkt. Auch die Langstreckenspezialisten Tom Gröschel, Hendrik Pfeiffer, Hannah Klein, Marcel Fehr, Fabienne Königstein, Philipp Pflieger und Amanal Petros bereiten sich im kenianischen Hochland auf die Freiluftsaison vor.

„Von den Top-Athleten wurde ich nett aufgenommen und kann unfassbar viel lernen. Alle sind ja schon bei internationalen Großereignissen gelaufen oder planen mit Tokio“, schwärmt Oed von den hochprofessionellen Bedingungen. In den bisherigen anderthalb Wochen – noch zwei liegen vor ihr – habe sie schon viel Input bekommen. Nicht nur auf der Strecke, sondern auch bei Tischgesprächen.

„Natürlich geht es viel um das Laufen und die Trainingspläne“, erzählt Oed, die sämtliche Einheiten mit Gesa Krause absolviert - manchmal im angepasstem Tempo. Die Höhenluft, der 5000-Einwohner-Ort Iten liegt rund 2400 Meter über dem Meeresspiegel, macht ihr wenig zu schaffen. „Mein Körper kommt scheinbar hervorragend damit klar“, betont sie.

Zudem müssen die Athleten mit Ausnahme ihrer Läufe nur kurze Wege zurücklegen. Im berühmten Camp, in dem sich auch Langstrecken-Asse wie Mo Farrah den Feinschliff holen, liegt alles dicht beisammen: Eisbad, Fitness-Studio, Physiotherapie und Restaurant. „Alles, was man eben für ein effektives Training und schnelle Regeneration braucht“, meint Oed. Apropos Restaurant: Das kenianische Essen ist für sie noch gewöhnungsbedürftig. „Neulich ist es mir auf den Magen geschlagen. Aber ich wollte eben mal was Neues ausprobieren. Generell ist man hier sehr gut versorgt.“

Und Stärkung ist wichtig: Schließlich stehen zwei bis drei Laufeinheiten täglich auf dem Programm. Der Spaß kommt dabei nicht zu kurz, was auch an der beeindruckenden Natur liegt. Oed und Co. lassen sich von der Lebensfreude der Einheimischen anstecken - speziell der Kinder. „Wenn wir vorbeilaufen, rufen sie uns immer etwas zu und versuchen einige Meter mitzuhalten. Und das barfuß oder in kaputten Schlappen“, berichtet die Rodgauerin. Statt hierzulande mit Smartphones, spielen die Kinder mit alten Fahrradmänteln, strahlen dabei eine riesige Freude aus. Für Oed auffällig: Übergewichtige Jugendliche findet man kaum. „Wenn ich in Deutschland ins Schwimmbad gehe, sieht das leider ganz anders aus.“

Generell finde das Leben auf der Straße statt, hat die 21-Jährige festgestellt. Unter den vielen Kenianern, die sie auf der Strecke trifft, wimmelt es von Läufern. Oed: „Kenia trägt den Namen Laufnation völlig zurecht. Fast alle wohnen in Wellblechhütten und vermitteln trotz der einfachen Bedingungen ein positives Lebensgefühl.“ Auf und abseits der Strecke.

Um dem Camp-Alltag mal zu entkommen, besuchte die deutsche Delegation bereits Eldoret, die nächstgelegene Großstadt mit 475 000 Einwohnern: Café trinken, bummeln, abschalten. Auch beim gemeinsamen Grillen drehte sich nicht nur alles ums Laufen. „Es wird auch viel Privates erzählt und gelacht, zum Beispiel beim Würfel- oder Kartenspiel“, sagt Oed. Oder bei der nächsten Physio-Behandlung mit Affenbesuch.

VON JÖRN POLZIN

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