Eishockey-Löwen sehen Terminhatz als Vorteil

Acht Spiele in 17 Tagen

+
„Die Balance ist besser“: Löwen-Trainer Matti Tiilikainen sieht seine junge Mannschaft auf einem guten Weg. Genauso wichtig wie die Resultate ist für den Finnen allerdings auch die Entwicklung .

Frankfurt - Vorfreude auf Weihnachten? Auch Matti Tiilikainen verspürt sie so langsam. Das sei eine besondere Zeit im Jahr, sagt der Headcoach der Frankfurter Löwen. Weil das für ihn allerdings auch beruflich gilt, bleiben nicht allzu viele Mußestunden mit der Familie. Von Markus Katzenbach 

Dafür stimmt ihn die Bilanz seines Teams zuversichtlich. Rund um Weihnachten und Silvester blasen die Puckjäger traditionell zur flotten Terminhatz, das gilt auch für die Löwen in der DEL 2: Vom Besuch in Dresden am Freitag bis zum Nachbarschaftstreffen mit dem EC Bad Nauheim am 6. Januar stehen acht Spiele in 17 Tagen an – wobei der Löwen-Trainer auch diesen Festtagsstress freudig erwartet: „Das kann schon ein Vorteil für uns sein“, meint Tiilikainen.

Es bricht nämlich auch die Zeit im Eishockey-Jahr an, in der oft klare Verhältnisse geschaffen werden. Wenn ein Spiel in rascher Taktung aufs andere folgt, ist das auch eine Kraftfrage, dann zeigt sich, wessen Kader breit genug aufgestellt ist. „Wir bauen hier vier Reihen auf, um voll durchzuspielen, um den Gegner auch mal niederlaufen zu können“, erklärt Tiilikainen. In der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys ist das keine Selbstverständlichkeit.

Die Ausgangsposition in Frankfurt könnte besser kaum sein. Pünktlich zum Beginn der zweiten Hälfte der langen Hauptrunde haben sich die Löwen am ESV Kaufbeuren vorbei auf den zweiten Tabellenplatz geschoben, mit dem 3:2 nach Verlängerung im direkten Duell, im 27. von 52 Punktspielen mit nun 19 Siegen und acht Niederlagen. Eine Bilanz, die für Zufriedenheit sorgt, vor allem eingedenk des großen Umbruchs im Sommer.

„Wir sind voll auf Kurs“, sieht Sportdirektor Franz-David Fritzmeier diesen Zwischenstand als Bestätigung für den neu eingeschlagenen Weg, dessen langfristiges Ziel der ab 2021 regulär mögliche Aufstieg in die DEL ist, der in diesem Jahr aber gerne auch schon zum Titel eine Etage tiefer führen soll.

„Wir sind glücklich, dass wir Zweiter sind“, betont Tiilikainen. „Aber wir schauen hinter die Resultate, wo wir etwas entwickeln können, etwas verändern müssen.“ Derzeit ist er nicht zufrieden mit seinen Sondereinsatzkommandos in Über- und Unterzahl, die in den ersten Saisonwochen noch überragende Werte vorwiesen. Für Fritzmeier liegt das auch daran, dass die Gegner das Frankfurter Powerplay besser studieren konnten, deshalb arbeitet man an neuen Varianten. Generell aber gilt für ihn: „Es wird in der langen Saison immer Phasen geben, wo das eine läuft und das andere nicht.“ Man dürfe auch nicht vergessen, dass die Löwen eine relativ junge Mannschaft hätten, betont Fritzmeier: „Die Jungen spielen zwar ziemlich konstant, aber in manchen Punkten müssen sie noch dazulernen.“

Einige Lernerfolge gibt es seit dem Sommer ja bereits. Viele allzu leichte Konter hat man erfolgreich abgestellt, viele unnötige Strafzeiten auch. „Die Balance ist besser“, sagt Tiilikainen und verweist auf zwei Zahlen: „Wir haben die zweitmeisten Tore und die zweitwenigsten Gegentore der Liga. Das zeigt, dass es vorne und hinten stimmt.“ Dass dazwischen noch viel Arbeit besteht, weiß er selbst. Etwa am verschwenderischen Umgang mit Torgelegenheiten. „Wir arbeiten und kämpfen hart für unsere Chancen, belohnen uns aber noch nicht genug“, findet Fritzmeier.

Bilder: Löwen im Playoff-Halbfinale

Die kriselnden Erzrivalen aus Kassel hat er längst nicht im Kampf um einen Spitzenplatz abgeschrieben. „Es ist ja gerade erst die Hälfte der Saison vorbei“, erinnert Fritzmeier. „Und in den Play-offs werden die Würfel noch mal neu geworfen, da wird es wieder Überraschungen geben.“

Jetzt geht erst einmal der Weihnachtsstress richtig los. In Dresden am Freitag, gegen Kassel am Sonntag, Heiligabend wenigstens frei, am 25. Dezember Training, am 26. frühmorgens Aufbruch nach Crimmitschau. „Man muss das Positive sehen: Spieler spielen lieber als zu trainieren“, sagt Coach Tiilikainen und lacht. Die aus der Heimat gewohnte Weihnachtssauna wird er allerdings vermissen. Immerhin: Den typischen Weihnachtsschinken, in Finnland zu den Festtagen unverzichtbar, hat sich Matti Tiilikainen schon nach Frankfurt bestellt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare