Spielpraxis fehlt im Lockdown / Schiedsrichterwart Schwarz lobt aber den Zusammenhalt

Für Basketball-Schiedsrichter wird die Lage immer prekärer

 Mitja Schwarz  Basketball-Schiedsrichter  des TV Langen
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Seit 2012 ist der Langener Mitja Schwarz als Basketball-Schiedsrichter für den TVL im Einsatz. „Die herausfordernden Momente fehlen gerade den jungen Referees“, betont er mit Blick auf die andauernde Zwangspause.

Die Aussetzung des Spielbetriebs im Lockdown setzt auch den Basketball-Schiedsrichtern zu.

Langen – Der Unmut war groß und richtete sich gegen die Unparteiischen. Die pfiffen nicht so, wie Mitja Schwarz es gerne wollte. Der Basketballer des TV Langen meckerte, bekam sich nicht mehr ein. Da nahm ihn Maximilian Trübner, bis 2019 noch Schiedsrichterwart in Langen, zur Seite. „Mach doch selbst mal einen Lehrgang“, lautete der Vorschlag. Gesagt, getan. Und Schwarz arbeitete sich als Schiri bis in die Regionalliga hoch, ist heute Schiedsrichter-Coach im Hessischen Basketball-Verband.

Wenn sich Schwarz an diese Anekdote vor knapp zehn Jahren erinnert, muss er schmunzeln. Weniger Freude bereitet ihm der Ist-Zustand. Die Aussetzung des Spielbetriebs im Lockdown bedeutet auch für die Unparteiischen eine gefühlt endlose Pause an der Pfeife. „Vor allem die jungen Schiedsrichter bekommen die Möglichkeit genommen, in einer entscheidenden Entwicklungsphase der Persönlichkeit ihre kommunikativen und sozialen Kompetenzen zu erweitern“, betont der 31-Jährige. Gerade die herausfordernden Situationen, die stressigen Momente, in denen sich ein Schiedsrichter behaupten muss, fehlen. Schwarz hat noch ein weiteres Problem ausgemacht: „Vielen fehlt die Motivation, sich fit zu halten, was wiederum nicht gesund ist. Das Basketballschiedsrichtern ist als Ausdauertraining mit den vielen Tempowechseln sehr effektiv.“

Der gebürtige Langener, der in Erzhausen wohnt, kennt die Bewegungsabläufe auf dem Feld bestens, trug lange das Trikot der „Giraffen“. Er gehört dem starken 1989er Jahrgang an, mit den heutigen Profis Robin Benzing und Marco Völler sowie Ex-Nationalspielerin Svenja Greunke. „Allerdings habe ich weder die Motivation, noch die körperliche Voraussetzung gehabt, es spielerisch an die Spitze zu schaffen.“

Als Schiedsrichter hat er sich hingegen permanent weiterentwickelt, leitet mit großer Leidenschaft den Nachwuchs an. Auch in diesen schwierigen Zeiten.

Die Schiedsrichterkommission habe das Beste aus der Situation gemacht, meint Schwarz. So veröffentlicht der Basketball-Bund regelmäßig „Rulesletter“ und bietet Online-Regeltests an. Auch die Kampfrichterlizenz können die Referees virtuell kostenlos absolvieren. Lehrgänge im August und September gingen noch über die Bühne. Mit drei Neulingen, die bis zur Zwangspause eingesetzt wurden. „Sie sind mit Spaß dabei und haben das Potenzial, in höheren Ligen zu pfeifen“, meint Schwarz, der seine Schützlinge weiter mit Theoriematerial versorgt.

In den vergangenen Jahren sei es gelungen, eine Reihe junger Schiedsrichter für den Job an der Pfeife zu begeistern. Ohne die geht es mit Blick auf die vielen Langener Jugendteams auch nicht.

Dass es noch keine Rückzüge gab, liegt für Schwarz am besonderen Zusammenhalt unter den Schiedsrichtern. Dennoch sei die Lage prekär. Denn: Videokonferenzen könnten Einzeltraining auf Dauer nicht ersetzen. Zudem fehle das kollegiale Miteinander, die Gespräche von Angesicht zu Angesicht, die oft über das Spiel hinaus gehen. Auch die finanzielle Komponente will der 31-Jährige nicht außer Acht lassen. „Den Schülern und Studenten entgeht eine wichtige Einnahmequelle“, betont er. Sorgen um den Nachwuchs macht er sich weniger. Dennoch fallen Studiums- oder arbeitsbedingt jedes Jahr engagierte Schiedsrichter weg. Da ist Schwarz als Kommunikator und Motivator gefragt.

Auch über die gesundheitlichen Aspekte bei einer Saisonfortsetzung hat der Arzt sich seine Gedanken gemacht. Ob die Schiedsrichter eine Ansteckung fürchten? „Die unmittelbare Gefahr für Jüngere und Gesunde ist gering“, meint Schwarz, zumal die Abstandsregeln leichter einzuhalten sind. Die Lust und Freude am Spiel seien daher größer als die Unsicherheit. Schwarz’ Credo; „Wir sind da, damit ihr spielen könnt!“ Möglichst bald.

Von Jörn Polzin

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