Der Mann mit dem richtigen Rezept

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Ruhig, aber bestimmend: FCO-Trainer Miklos Bodoczi (hier im Gespräch mit Nadine Stahlberg) benötigt für seine treffenden Analysen in den Kampfpausen meist nur 30 Sekunden.

Offenbach - Bodoczi - dieser Name steht in Offenbach und auch weit darüber hinaus für Erfolg im Fechten. Und damit ist nicht nur der 18 Jahre alte Nikolaus Bodoczi gemeint, der 2010 in Baku die Kadetten-WM gewann und zudem amtierender deutscher Meister ist. Von Marc-Thorben Bühring

Hinter dem Erfolg des FC Offenbach steht ein weiterer Bodoczi. Nikolaus‘ Vater, Miklos Bodoczi, ist Trainer in Offenbach.

Unter der Anleitung des Vize-Weltmeisters von 1986 trainieren unter anderem Nadine Stahlberg, Florina Plachta und Abigail Stech, die kürzlich an der Junioren- und Kadetten-EM teilnahmen und Deutschland nun auch bei der gerade stattfindenden Weltmeisterschaft in ihrer jeweiligen Altersklasse vertreten. Doch was macht den Offenbacher Trainer aus? Warum sind seine Schützlinge so erfolgreich? „Miki versteht es ausgezeichnet, das Leistungsprinzip bei seinen Fechterinnen und Fechtern motivierend umzusetzen und hat damit einen großen Anteil an den Erfolgen des Fechtclubs Offenbach“, weiß FCO-Präsident Waldemar Krug. Und Vizepräsidenten Georg Anselm sagt: „Er hat meist das richtige Rezept. Vor allem aber sind es Rezepte, mit denen die Fechter etwas anzufangen wissen – sie verstehen sie.“

Immer auf das Ziel fokussiert

Wert legt Bodoczi auf den Zusammenhalt. Die Konkurrenz, die gerade im Degen bei den Offenbacher Damen enorm ist, münzt er um in Teamgeist. „Es gibt keinen Star im Starterfeld des FCO. Die Tagesform entscheidet im Zweifel und sie ist die Messlatte. Das trifft auch im direkten Gefecht gegeneinander zu“, weiß Anselm. Bei den Gefechten steht Bodoczi im Gegensatz zu vielen anderen Trainern ruhig und besonnen daneben, analysiert genau das Treiben auf der Planche. „In Ruhe, aber mit Bestimmtheit nutzt er die Pause zum Beraten“, sagt Anselm. „Er hat das aus meiner Sicht so weit verfeinert, dass er diese Beratung in 30 Sekunden vornehmen kann und somit dem Aktiven noch eine Regeneration ermöglicht.“ Als größten Emotionsausbruch hat Anselm bei Bodoczi mal „eine Drehung um die eigene Achse“ gesehen. Ärgert er sich oder ist er enttäuscht, reagiert er sich bei einem Spaziergang ab. „Er ist halt ein typischer Stier: Scheinbar emotionslos dahin trottend, doch genau wissend, wohin der Trott gehen soll“, antwortet Anselm auf die Frage nach Bodoczis Charakterzügen. „Dabei ist er immer auf das Ziel fokussiert.“

Der „große“ Bodoczi – wie er beim FCO gerne genannt wird – weiß aber auch durchaus zu überraschen. Seine Fechtschüler staunten beim letzten Ehrenabend nicht schlecht, als Miklos Bodoczi plötzlich auf der Tanzfläche stand. „Fechter sind generell eher Tanzmuffel, da verblüffte Miki noch mehr“, wie Anselm zu berichten weiß. Aber auch sonst ist der „Genussmensch“ für den einen oder anderen Spruch gut.

Harte Schule

Die Fechter wissen, was sie an ihrem Coach haben. „Unser Trainer Miki ist einfach klasse. Er ist nie sauer, wenn wir verlieren oder mal nicht ganz so gut fechten“, sagt Degenspezialistin Florina Plachta und ergänzt: „Er sagt uns nur, was für Fehler wir gemacht haben und was wir beim nächsten Mal besser machen müssen. Er baut uns immer auf und glaubt an uns.“

Zudem interessiert sich Bodoczi nicht nur für den Sport, er denkt auch an den Menschen, fragt nach Problemen in der Schule oder ähnlichem. Ferner legt Bodoczi großen Wert auf eine technisch saubere Ausführung. Gewinnt einer seiner Schützlinge Gefechte durch „dreckige“ Treffer, die nicht ordentlich vorbereitet wurden, kann nach einem Sieg durchaus harte Manöverkritik folgen. Wer bei Miklos Bodoczi lernt, geht gewiss durch eine harte Schule. „Mikis Training setzt schon bei sechs oder sieben Jahren an, da werden die Grundlagen gelegt. Dafür aber hat man dann auch sicher langfristigen Erfolg“, weiß einer seiner Schützlinge, Sebastian Bartsch.

Bodoczi trat einst als Nachfolger von Stefan Haukler in große Fußstapfen, die er mittlerweile gut füllt. Von seiner Aufbauarbeit profitiert der Fechtclub Offenbach inzwischen seit 20 Jahren. Inwiefern sich der Erfolg bei den gerade stattfindenden Kadetten- und Junioren-Weltmeisterschaften einstellen wird, darüber wird auch die Tagesform entscheiden. Gut vorbereitet sind die Offenbacher Fechttalente jedenfalls.

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