„Mischung aus Boxen, Ringen, Rugby“

Verrohung der Sitten im internationalen Handballsport - das sagen die Experten aus der Region

Michael Roth, Trainer des Bundesligisten TV Großwallstadt: Wenn Verletzungen passieren, ist man rasch dabei, härtere Maßnahmen zu fordern. Klar ist: Wer einen Gegner in der Luft angeht, ihn schubst, gegen den muss durchgegriffen werden. Und da kommen wir zum Grundsatzproblem. Es ist oft schwierig, als Schiedsrichter im Handball Situationen richtig einzuordnen und die entsprechenden Entscheidungen zu treffen. Und bei dieser WM hat man das Gefühl, dass einige überfordert sind beziehungsweise nicht die richtige Qualität besitzen. Man muss sie besser ausbilden und dabei auch die Trainer mit ins Boot nehmen.

Edmund Seib, Ehrenmitglied des DHB aus Rödermark, hat als Schiedsrichter mehr als 1800 Spiele geleitet: Ich kann Heiner Brand mit seiner Forderung nach mehr Schutz für die Spieler gut verstehen. Was man da zum Teil sieht, hat mit Handball nichts mehr zu tun. Das erinnert eher an Boxen, Ringen, Rugby oder Schlagen.

Alexander Hauptmann, Spielertrainer des Oberligisten HSG Nieder-Roden: International wird anders gepfiffen als in unseren Ligen. Da lassen die Schiedsrichter oft mehr durchgehen. Wobei es aber nicht sein kann, dass zum Beispiel im Spiel gegen Slowenien ein Gegner unserem Spieler innerhalb von 13 Minuten zweimal ins Gesicht schlägt und nur je zwei Minuten Zeitstrafe erhält. Das muss ich als Schiedsrichter Rot zeigen - und nichts anderes.

Hans Kunkel, Trainer des Landesligisten HSV Götzenhain: Durch die Zeitlupen sieht man, mit welchen harten Mitteln inzwischen gearbeitet wird. Da nehme ich auch die deutsche Mannschaft nicht aus, bei der ja vor allem Oliver Roggisch kein Kind von Traurigkeit ist. Ich empfinde das schon als grenzwertig und sehe eine gewisse Verrohungstendenz. Das ist schon ein Maß erreicht wie in den 80er Jahren, als fast nur noch gekloppt wurde. Die Spieler sind zwar athletisch und gut ausgebildet. Man sieht aber, dass trotzdem immer wieder Verletzungen passieren. Ich kann die internationalen Schiedsrichter da nicht verstehen. Sie hätten vorher angewiesen werden müssen, von Anfang an härter durchzugreifen. Bei uns in der Landesliga gibt es pro Halbzeit zwei, drei harte Aktionen, bei der WM 15. So etwas kann keine Vorbildwirkung haben. app/cd

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare