INTERVIEW Ex-Profi Marius Nolte strebt mit BC Neu-Isenburg der Oberliga entgegen

„Mix aus Schmerz und Euphorie passt“

Mitten im Getümmel fühlt sich Marius Nolte (gegen Bad Homburg) am wohlsten. In seinen ersten beiden Partien für den BC Neu-Isenburg erzielte der frühere Skyliners-Kapitän insgesamt 31 Punkte. Foto: postl

Offenbach – Von 2009 bis 2014 lief Marius Nolte für die Fraport Skyliners in der Basketball-Bundesliga auf, zeitweise als Kapitän. So richtig kann der 39-Jährige sechs Jahre nach der Profikarriere nicht von seiner alten Liebe lassen.

Mit Landesligist BC Neu-Isenburg peilt er den Aufstieg an. Im Interview spricht der 2,06 Meter große Center über seine neue Mannschaft und die Situation bei den Skyliners.

Die wichtigste Frage vorneweg: Was machen die Knochen?

Das ist eine gute und berechtigte Frage (lacht). Nach meinem Debüt in Darmstadt habe ich schon geächzt und es hat geknackst. Aber es war ein wohliges, emotionales Gefühl. Ich hatte einfach mal wieder Lust, mich unter dem Korb zu prügeln (lacht). Da kamen schöne Erinnerungen hoch. Insgesamt hat der Mix aus Schmerz und Euphorie schon gepasst.

Wie ist Ihr Eindruck vom neuen Team und der Liga?

Ich bin positiv überrascht. Die Liga hat für mich eine sehr angenehme Qualität und ich habe schnell meine Rolle gefunden. Unsere Mannschaft ist sehr gut aufgestellt und gecoached. Der Zusammenhalt ist groß und ich bin von allen mit offenen Armen empfangen worden.

Auch von den Gegnern? Oder will man es gerade dem Ex-Profi zeigen?

Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Es gab bislang keine Anfeindungen (lacht). Ich bin ja schon ein paar Jahre in der Region und habe in der Basketball-Community Fußabdrücke hinterlassen. Da kennt man das eine oder andere Gesicht und drückt sich mal einen Spruch. So wie gegen Bad Homburg mit meinem Gegenspieler und deren Trainer Helmut Wolf.

Wie kam der Kontakt nach Neu-Isenburg zustande?

Vor der Saison hatte mich Christof Schäfer aus dem BCN-Vorstand gefragt, ob ich nicht Lust hätte, das Team zu verstärken. Ich habe mir das offengehalten. Bei zwei kleinen Kindern und einem intensiven Job muss das auch gut überlegt sein. Klar, spielt da auch der Schweinehund eine Rolle. Kurz vor Weihnachten hat mich dann Trainer Vassili Adamoudis angerufen und erklärt, dass sie mich wirklich gerne hätten und die Zeit jetzt reif für den Oberliga-Aufstieg sei. Irgendwann sind mir dann die Ausreden ausgegangen.

Was wussten Sie schon von Ihrem neuen Klub?

In der vergangenen Saison habe ich zwei Spiele mit der FTG Frankfurt gegen Neu-Isenburg gemacht. Und damals hat mir auch schon die Spielweise gefallen. Der Klub ist sehr ambitioniert. Das erste Probetraining hat mir dann so gut gefallen, dass ich meine alte Passion schnell wiederentdeckt habe.

In Noah Litzbach und Roman Moschny stehen zwei weitere Ex-Profis im Kader. Damit kann es nur in die Oberliga gehen, oder?

Natürlich sieht es derzeit ganz danach aus, aber wir sollten konzentriert weitermachen und die Saison sauber zu Ende bringen. Wichtig ist erst mal, dass wir die Partie am Sonntag beim Dritten in Babenhausen gewinnen. Und ich lege gerne drei Euro ins Phrasenschwein wenn ich sage, dass wir von Spiel zu Spiel denken sollten (lacht).

Und Marius Nolte läuft dann im zarten Alter von 40 in der Oberliga auf?

Wenn ich gesund bleibe, spricht eigentlich nichts dagegen, aber es ist jetzt noch zu früh, diese Frage zu entscheiden.

Nach Ihrer Karriere haben Sie bei den Skyliners im Marketing gearbeitet. Was machen Sie heute?

Ich bin seit 2018 bei den Skyliners raus und arbeite als Marketingleiter einer IT-Firma in Frankfurt, die Rechenzentren betreibt. Bei den Spielen der Skyliners bin ich weiterhin in der Halle und gebe auch gerne mal Ratschläge. Wegen der Personalsorgen wurde ich im Spaß schon gefragt, ob ich nicht wieder ins Training kommen will. Aber ich bin doch lieber Fan.

Die Skyliners stehen nur auf dem 14. Platz. Wie bewerten Sie die Situation?

Es tut mir leid für die Jungs und vor allem für Trainer Sebastian Gleim, der einen guten Job macht, aber immer wieder Ausfälle verkraften muss. Sie hätten es verdient, weiter oben zu stehen.

Das Gespräch führte Jörn Polzin

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