Monika Sozanska träumt von Olympischen Spielen 2020

Zwischen Bundeswehr und Glitzer-Welt

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Treffen auf dem Wilhelmsplatz im Herzen Offenbachs. Monika Sozanska und FCO-Vorsitzender Eberhard Theobald.

Offenbach - Nach ihrem Wechsel vor knapp sechs Wochen aus Leipzig zum Offenbacher Fechtclub hat Monika Sozanska mittlerweile die ersten Übungseinheiten unter Miklos Bodoczi absolviert. Von Holger Appel 

Die 33-Jährige, als beste deutsche Degenfechterin auf Platz 37 der Weltrangliste, fühlt sich fit, will unbedingt zur WM nach Leipzig im Juli und hat auch noch die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Blick.

Monika Sozanska, warum verlassen Sie den FC Leipzig ausgerechnet jetzt? 2017 stehen dort die Deutschen Meisterschaften und die Weltmeisterschaften auf dem Programm.

Ich verbinde die WM nicht unbedingt mit dem Verein. Leipzig ist nur der Austragungsort, Veranstalter der deutsche Fechterbund. Und ich war in Leipzig nun mal unzufrieden.

Weshalb?

Ich habe wenig Kontakte gefunden, der familiäre Charakter hat mir gefehlt. Und ich war einfach enttäuscht.

Was hat dazu geführt?

Ich war einige Zeit an der Hand verletzt, hatte zudem eine Sehnenscheidenentzündung am Ischiasansatz mit einem Knochenödem. Ich habe mich aber wieder herangekämpft, war 2016 immerhin EM-Fünfte. Ich habe also gezeigt, dass ich nach wie vor zur Weltspitze gehöre. Doch in Leipzig habe ich dafür keine Anerkennung erfahren. Und da habe ich mich nach einem anderen Verein umgeschaut.

Wie sind Sie auf den FC Offenbach gekommen?

Mein Vater Piotr war früher Bundestrainer im Damendegen, er kennt und schätzt Offenbachs Trainer Miklos Bodoczi sehr. Mein Vater wusste natürlich, dass ich gern den Verein wechseln würde. Sie haben sich dann bei einem Turnier unterhalten, Miklos Bodoczi hat Interesse an meinem Wechsel signalisiert – und so wurde das schnell konkret.

Und dann?

Ich bin in die Stadt gekommen und mit den Verantwortlichen des Fechtclubs in einem guten italienischen Restaurant Essen gegangen. Inzwischen habe ich weitere Eindrücke von Stadt und Verein gesammelt, ich war im Training und beim Stammtisch des Clubs. Und ich kann sagen, ich bin noch nie in einem Verein so lieb empfangen worden. Da fühlt man sich willkommen. Auch hier habe ich wieder diese familiäre Atmosphäre gefühlt, die mir zuletzt gefehlt hat. Ja, das passt mit dem FCO und mir, das war eine sehr gute Entscheidung.

Sie wollen Ihren Wohnsitz in München behalten. Wie oft werden Sie zum Training mit Miklos Bodoczi nach Offenbach kommen?

Das kann ich nicht pauschal beantworten. Ich bin natürlich oft bei Weltcups im Ausland unterwegs, muss aber regelmäßig zu meiner Sportkompanie nach Mainz. Von dort ist es nicht weit zum Training nach Offenbach. Außerdem wohnt meine Cousine in Frankfurt. Also für mich sind die Wege viel kürzer geworden als zuvor.

Sie haben von der Bundeswehr gesprochen, sind im Fechten in der Weltspitze, aber auch als Model bekannt. Wie lässt sich das alles vereinbaren?

Das geht schon. Selbst in der Weltspitze kann man vom Fechten alleine in Deutschland nicht leben. Prämien bei Turnieren sind nur selten. Nicht alle Turniere werden vom Verband oder vom Verein finanziert. Da hängt einfach viel vom Sponsoring ab, davon lebt der deutsche Sport. Und ich habe mir halt noch weitere Standbeine geschaffen.

Welche?

Ich habe schon immer nebenbei ein bisschen gemodelt, werde als Sportpersönlichkeit öfter als Podiumsgast eingeladen und veranstalte Fecht-Incentives für Firmen als Teambuldingmaßnahmen oder Kunden-Events. Ich bin eine Fechterin zwischen Bundeswehr und Glitzer-Welt. Das ist super spannend, passt aber trotzdem zusammen - ich fühle mich wohl dabei.

Wie oft trainieren Sie denn überhaupt?

Ich trainiere immer drei Tage am Stück für mehrere Stunden, gönne mir dann einen Tag Pause. Das Fechttraining kann in Offenbach, Heidenheim oder München sein. Ich gehe zudem joggen, mache Yoga oder gehe in den Fitnessraum.

Wie weit können Sie mit Ihrer großen Routine mit diesem Trainingsumfang kommen?

Ich bin gut in Form, sicher nicht zu alt, und der Bundestrainer wird nicht nur auf die jungen Fechterinnen setzen. Ich bin schon lange dabei und für die Mannschaft ein Zugpferd. Deshalb sehe ich für mich auch gute Chancen auf das WM-Ticket. Und ich will unbedingt nach Leipzig. Dort habe ich bei der WM 2005 mein Nationalmannschaftsdebüt gegeben - das sind noch ganz wache Erinnerungen. Eine WM-Medaille im Einzel ist ein großer Traum von mir.

Was zeichnet Sie aus?

Beim Fechten kommt es auf Koordination, Konzentration, Reaktionsvermögen an, ebenso auf Kondition und Technik. Da bin ich gut dabei. Und ich habe einen großen Willen und inzwischen viel Routine.

Wie lange planen Sie Ihre sportliche Karriere?

Wenn ich mich nicht verletze, dann sicher bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Das ist mein Fernziel. Noch bin ich des Fechtens nicht müde. 

Galerie: Offenbacher Degenhoffnungen trainieren für Heim-WM

Und danach? Ein Trainerjob wie bei Ihrem Vater?

Ich veranstalte zwar gern meine Seminare und zeige Anfängern die Kunst des Fechtens, versuche meine Kunden für diesen Sport zu begeistern. Aber einen Trainerjob mit ambitionierten Nachwuchskräften oder Spitzenfechtern kann ich mir nicht vorstellen.

Weshalb?

Das ist ein echt harter Job, nicht gut bezahlt und nicht familienfreundlich. Wenn man Kinder möchte, ist das mit Training und Weltcups am Wochenende nicht zu vereinbaren. Und ich hätte gern Kinder. Ich habe aber auch ein Praktikum im Eventbereich gemacht, für so etwas und meine Seminare kann ich mich viel eher begeistern.

Zurück in die Gegenwart. Am Wochenende steht der Weltcup in Legnano an.

Ich will zur WM nach Leipzig, also brauche ich Punkte, Punkte und nochmals Punkte für die Ranglisten. Mit der Mannschaft waren wir beim Weltcup in Barcelona zwar auf Platz neun, haben aber nur einmal verloren und vier Kämpfe gewonnen. Das war ein gutes Signal. Und im Einzel sollte ich zumindest den zweiten Tag erreichen. Das Finale der letzten Acht wäre natürlich toll, 16er oder 32er K.o. angesichts meiner Ziele schon nötig. Das wird zwar schwer, ist aber sicher machbar.

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