BASKETBALL Die Saisonbilanz der höherklassigen Vereine / EOSC Offenbach gerettet

Neu-Isenburg „absolut verdienter Meister“

Rückkehrerin Jessica Jörges (rechts) war eine Leistungsträgerin beim SV Dreieichenhain. Foto: Postl

Offenbach – Am 12. März kam die unmissverständliche Botschaft: Der Hessische Basketball-Verband beendete den Spielbetrieb der Saison 2019/2020 in allen Ligen. Doch was bedeutet dies nun für die Bilanz der Mannschaften aus der Region? Eine Übersicht. VON JÖRN POLZIN

MÄNNER

1. Regionalliga

TV Langen

Für die „Giraffen“ endete die erfolgreichste Saison seit dem ProB-Abstieg vor fünf Jahren vorzeitig. 13 Siege stehen zehn Niederlagen gegenüber. „Platz drei ist für uns das Optimum und war nach den Abgängen in der Sommerpause so nicht zu erwarten“, sagt Manager Jürgen Barth: „Aber wir haben die Lücken gut gefüllt.“ Die Zugänge Niklas Pons, Micha Fuss und Amil Klisura erwiesen sich als verlässliche Stützen. Nach einem furiosen Zwischenspurt mit acht Siegen in Serie, für Barth das „absolute Highlight der Saison“, ging zwar zuletzt etwas die Luft aus. Doch Trainer Koray Karaman ist es in seinem Premierenjahr gelungen, eine Truppe zu formen, die den Gegner richtig ärgern kann.

Angeführt wird das Team vom überragenden Christopher Edward, der mit 22 Punkten und zehn Rebounds im Schnitt ligaweit jeweils auf Platz zwei rangiert. Ob der Center ein drittes Jahr in Langen dranhängt? „Er wird sich wieder höherklassig orientieren. Wenn es möglich ist, würden wir ihn natürlich gern behalten. Er ist für die Regionalliga ein sehr guter Spieler und im Verein sehr beliebt“, sagt Barth. Der Sprung in die 3. Liga sei mit den limitierten Möglichkeiten in Langen nicht zu stemmen. „Wenn man die Kader der ganz vorne platzierten Teams sieht, ist das ein anderes Level“, betont der Manager, der weiter auf Coach Karaman und den bisherigen Kader setzt. Auch sein Sohn Sebastian könnte diesem weiter angehören. „Er hat ja in den paar Spielen gezeigt, dass er es noch kann, auch wenn er schon 35 ist“, schmunzelt Jogi Barth.

2. Regionalliga

TV Langen II

Die Entscheidung, die Saison komplett abzubrechen, fiel in der 2. Regionalliga mit Verzögerung. Das passte ins Bild. Auch der Saisonverlauf der „Giraffen“-Reserve war holprig, geprägt von Schwankungen und großem Verletzungspech. Phasenweise musste Trainer Pedja Glisic ein halbes Dutzend Ausfälle verkraften. Entsprechend rutschte das Team bedrohlich tief, nahe an den Tabellenkeller. Die 69:108-Klatsche in Frankfurt „war ein Totalausfall“, blickt Flügelspieler Timo Haucke zurück. Hauptproblem: die löchrige Verteidigung. Mit dem 64:62 beim Drittletzten Trier leiteten die Langener die Trendwende ein. Gegen Top-Teams wie Bensheim oder Lich rafften sie sich zu Höchstleistungen auf und mauserten sich zum Favoritenschreck. „Unser Spiel ist geprägt von Herz und Leidenschaft. Egal wie weit wir zurücklagen, wir haben Kampfgeist bewiesen“, betont Haucke. Am Ende steht ein respektabler siebter Platz mit neun Siegen und zehn Niederlagen.

Landesliga

BC Neu-Isenburg

15 Siege, nur eine Niederlage und eine Korbdifferenz von +353: Die Neu-Isenburger gaben den Ton an, standen schon vor dem vorzeitigen Saisonende als Meister fest und freuen sich nun auf den Sprung in die Oberliga. Mit einem kleinen Fragezeichen. Eine endgültige Entscheidung über Auf- und Abstiegsregelung in den Klassen wird wohl erst Mitte April fallen. „Wir wollten Erster werden, und wir sind Erster geworden. Aus meiner Sicht sind wir absolut verdienter Meister“, freut sich Isenburgs Kapitän Daniel Hack nach den Plätzen zwei und drei in den vergangenen Jahren. Einzig bei der Niederlage gegen Verfolger SV Darmstadt 98 am dritten Spieltag erwischte der BCN einen rabenschwarzen Abend. Die Vorentscheidung zum Titelgewinn fiel bereits im Januar mit der Revanche bei den „Lilien“. Die Mannschaft zeichnete sich durch ihren großen Willen aus. Ein Trio hielt die Fäden in der Hand: Kapitän Hack, Liga Top-Scorer Roman Moschny und der defensivstarke Spielmacher Arnold Menace. „Wir haben zudem viele Spieler, die ihre Rolle kennen und eminent wichtig waren“, sagt Trainer Vassili Adamoudis. Wichtigste Neuentdeckung war Luka Nicin mit 10,8 Punkten pro Spiel.

EOSC Offenbach

Abteilungsleiter Tobias Knöfler sprach zwischendurch davon, dass dem EOSC die „Scheiße am Schuh“ klebt. Damit meinte er die vielen Ausfälle. Abgänge, Verletzungen, Erkrankungen oder Spieler, die es ins Ausland zog, machten den Offenbachern schwer zu schaffen. Schwierige Bedingungen für Trainer Beytullah Yesilyurt in seiner ersten Landesliga-Saison. So ging es nach dem zunächst angestrebten Platz in der oberen Tabellenhälfte nur noch um den Klassenerhalt. Durch das vorzeitige Saisonende blieb dem EOSC als Drittletzter ein nervenaufreibendes Abstiegsfinale im Fernduell mit den punktgleichen Aschaffenburgern erspart. Den eingeschlagenen Kurs will der EOSC dennoch fortsetzen, weiter U18- und U20-Talente einbinden. „Mit einem gesunden Kader sollte es möglich sein, oben mitzuspielen“, betont Knöfler.

TV Babenhausen

Der TVB wollte im Aufstiegsrennen ein Wörtchen mitreden, musste aber die Überlegenheit der Neu-Isenburger anerkennen, die am Ende zehn Punkte mehr auf dem Konto hatten. Durch den Negativlauf mit vier Niederlagen in Serie landeten die Babenhausener nur auf dem dritten Rang. Der längerfristige Ausfall von Leistungsträgern wie Kapitän Ersin Bayazit war nicht zu kompensieren. Hinzu kam die Unbeständigkeit. Der TVB ließ sich zu häufig von Zwischenspurts der Gegner beeindrucken. Spätestens nach der 69:91-Derbypleite gegen die „Lilien“ war die Luft raus beim Team von Trainer Michael Krause, das in der nächsten Saison einen neuen Anlauf Richtung Oberliga-Rückkehr nehmen wird. „Das bleibt unser Ziel. Hier ist wahnsinnig viel Potential, wir werden daran arbeiten, dieses Potential zur Entfaltung zu bringen“, so Krause.

FRAUEN

Baskets-U18

Für die Bundesliga-Talente kam das Saisonende zur Unzeit. Gerade hatten sie mit dem Achtelfinal-Triumph über Titelverteidiger Jahn München für einen Paukenschlag gesorgt. „Unter die besten acht Mannschaften Deutschlands zu kommen, kann uns keiner mehr nehmen“, sagt Trainer Rolf Weidemann. Auch wenn das Viertelfinal-Duell mit den Dragons Rhöndorf nicht mehr ausgespielt wird, blickt die Mannschaft auf ein erfolgreiches Abschneiden zurück, das nach der Hauptrunde nicht zu erwarten war. Die Baskets mussten lange zittern, machten erst am letzten Spieltag den Play-off-Einzug perfekt. Paula Süssmann (20 Punkte im Schnitt) aus dem Zweitliga-Kader der Frauen überragte, Lucy Voss, Emma Veysset und Marlen Weber spielten sich ins Blickfeld der Jugend-Nationalmannschaft.

Regionalliga

SV Dreieichenhain

„Es ist die einzig richtige Entscheidung“, meint SVD-Teammanager Christoph Knittel zum vorzeitigen Saison-Aus. Am Ende steht für die „Haanerinnen“ wie in der vergangenen Spielzeit der fünfte Tabellenplatz mit einem Punkt und einem Spiel weniger als der Vierte TV Hofheim. Knittel zeigt sich auch mit Blick auf den Saisonbeginn zufrieden: „Mit Dana Gohlke, Jessica Jörges und Tara Korbach standen drei Abgänge fest und wir hatten nur sieben feste Zusagen.“ In Rückkehrerin Jessica Jörges, Kristina Sterzik, Milica Ilic und Monja Zwiener kamen dann starke Spielerinnen hinzu. Mit elf Siegen und sieben Niederlagen sieht Knittel die Mannschaft mehr als im Soll. Gerade Miriam Lincoln, mit 17,3 Punkten im Schnitt beste Werferin der Liga, ragte heraus. „Wir müssen jetzt abwarten, wie sich die Situation entwickelt. Wir hoffen, dass die Welt im September schon wieder besser aussieht und wir unbelastet in eine neue Saison starten können“, sagt Knittel.

Oberliga

TV Babenhausen

Einen Platz unter den Top 5 hatte sich der Aufsteiger als Ziel gesetzt. Es wurde der fünfte Tabellenrang – Punktlandung. „Es war klar, dass es für uns keinen Welpenschutz gibt und die Oberliga eine Herausforderung wird“, sagt TVB-Trainer Stefan Schüttler. Vor allem mussten seine Spielerinnen nach der makellosen Meisterschaftssaison lernen, mit Niederlagen umzugehen. „Verlieren ist im Kopf nun mal schwieriger als zu gewinnen“, betont der Coach, der ohne Leistungsträgerin Janina Becker (Kreuzbandriss) auskommen musste. Zeitweise war das TVB-Lazarett prall gefüllt. Gerade der Ausfall von Centerin Katharina Patzelt war kaum aufzufangen. Dafür erwies sich die frühere Hanauerin Lisa-Marie Steiner als die erhoffte Verstärkung und avancierte zur Top-Scorerin der Liga (17,4). „Das war insgesamt ein schöner Einstieg in die Liga und wird hoffentlich für mehr Stabilität in den nächsten Spielzeiten sorgen“, meint Schüttler.

Landesliga

BC Neu-Isenburg

„Das ist besser gelaufen als erwartet“, freute sich Trainer Guido Mensinger über den vierten Rang. Sein Team belegte über weite Strecken den zweiten Tabellenplatz, rutschte aber noch etwas ab, als die Prsonaldecke immer dünner wurde. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir als nachgerückter Aufsteiger in die Saison gestartet sind“, betont Mensinger. Auch den Wechsel von Milica Ilic mitten in der Spielzeit nach Langen steckte die Mannschaft ordentlich weg und bezwang gleich danach den TV Heppenheim. „Hier hat das Team seine wahre Größe gezeigt“, blickt der Coach zurück, für den der Heimsieg gegen den bis dato ungeschlagenen Tabellenführer Bad Homburg besonders in Erinnerung bleibt. Beste Punktesammlerin war Vanessa Lutz (12,7 pro Spiel). Einen großen Schritt nach vorne hat die 15-jährige Darija Ilic gemacht. In der neuen Saison sollen die Spielerinnen aus der U16, die ungeschlagen Landesliga-Meister geworden sind, verstärkt integriert werden.

TV Langen

Nach dem großen Umbruch erreichte das junge Team von Trainer Zvonimir Thomas trotz einiger Schwankungen etwas überraschend den zweiten Tabellenplatz. Dem starken Start mit drei Siegen folgte eine Durststrecke mit dem negativen Höhepunkt im Nachbarschaftsderby: 38:52 gegen Neu-Isenburg. Mit dem darauffolgenden Wechsel von Milica Ilic vom BCN nach Langen avancierte der TVL vom Durchschnitts- zum Spitzenteam, gewann acht der letzten zehn Spiele und kletterte noch auf Rang zwei. Die Trefferquote von der Freiwurflinie ist die beste in der Liga. Ilic, die auch für den Regionalligisten SV Dreieichenhain aufläuft und beim Zweitligisten Rhein-Main Baskets mittrainiert, erzielte 21 Punkte im Schnitt. Auch Baskets-Leistungsträgerin Jasmin Weyell steuerte bei ihren acht Einsätzen 17 Zähler pro Partie bei.

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