RUGBY Zweitligameister TGS Hausen zieht sich in die Regionalliga zurück

Neuanfang statt Erstliga-Träume

Harte Zeiten für die „Löwen“: David Schild (Mitte) zählt zu den wenigen Spielern, die nach dem Rückzug aus der 2. Liga in Hausen bleiben. Foto: kessler

Hausen – Dreimal hintereinander klopften die Rugby-„Löwen“ der TGS Hausen zuletzt als Play-off-Teilnehmer an das Tor zur 1. Bundesliga. Einmal platzte der Traum im Endspiel, zweimal im Halbfinale. Einen vierten Anlauf wird es vorerst nicht geben. VON CHRISTIAN DÜNCHER

„Wir haben uns neu aufgestellt“, erklärt der stellvertretende Abteilungsleiter Fritz Schüssler auf Anfrage und ergänzt: „Kommende Saison werden wir nicht am Zweitliga-Spielbetrieb teilnehmen. “.

Schüssler will sich aber persönlich dafür einsetzen, „dass Herren-Rugby in Hausen weiterhin besteht“. Und zwar in der Regionalliga Hessen, der dritten und zugleich untersten Klasse. „Im Idealfall stellen wir alleine ein Team, ansonsten in Spielgemeinschaft mit der Reserve des BSC Offenbach“, so Schüssler. Dass der Idealfall eintritt, scheint aktuell jedoch recht unwahrscheinlich zu sein. Um auch auf mögliche Ausfälle vorbereitet zu sein, sollte ein Kader 30 Spieler umfassen. In Hausen sind es derzeit 14, wobei von einigen noch keine definitive Zusage vorliegt.

Zum Vergleich: In der vergangenen Saison hatte Hausen so viele Spieler, dass es sogar eine Reserve gab, die mit dem BSC Offenbach II in der Regionalliga als Spielgemeinschaft antrat. Wie konnte es also in so kurzer Zeit zu einem solchen Aderlass kommen? „Die vergangene Saison, in der wir ungeschlagen Meister wurden, war zwar die erfolgreichste in unsere Geschichte, dennoch waren viele Spieler frustriert“, berichtet Schüssler. „Einige Spieler sind Ende 20, heiraten, haben Kinder oder bauen ein Haus. Und die jungen gehen teilweise ins Ausland.“ Die Folge war eine geringe Trainingsbeteiligung, über die sich einige Akteure ärgerten und daher den Verein wechselten. „Wir haben mehr Ab- als Zugänge“, fasst der stellvertretende Abteilungsleiter die Personalentwicklung zusammen.

Ausgerechnet Tobias Apelt, der erst vor anderthalb Jahren von Erstligist RK Heusenstamm zu seinem Jugendverein zurückgekehrt war, zog zuerst Konsequenzen. Künftig wird der bisherige Spielertrainer der TGS für den ambitionierten Zweitligisten BSC Offenbach auflaufen. In Hausen sei nicht jeder bereit gewesen, alles fürs Ziel 1. Liga zu geben, kritisiert er. „Außerdem will ich mich künftig einfach nur noch aufs Spielen konzentrieren und mir keine Gedanken über Training, Kader, Aufstellungen, Busse oder Trikots machen.“

Apelt folgen in den Brüdern Giuseppe und Alex Piano zwei Leistungsträger. Zudem kehren Lukas Schwade und Marvin Seifert von der TGS zum BSC zurück. Aaron Hilgers beendet die Karriere aus gesundheitlichen Gründen. Wohin es Nationalspieler Robert Haase und Toptalent Luca Frischkorn zieht, ist noch unklar. Frischkorn wird bei den Erstligisten RK Heusenstamm und SC Frankfurt 1880 als möglicher Zugang gehandelt. Haase, der in Heidelberg studiert und dort regelmäßig mit der deutschen Siebener-Auswahl trainiert, könnte zur RG Heidelberg zurückkehren.

In Hausen bleiben wird unter anderem Robin Schild. Er will künftig Benoit Grob, den einstigen Trainer der Herren-Mannschaft, in der Jugendarbeit unterstützen. „Wir wollen diesen Bereich forcieren“, sagt Schüssler, stellt jedoch klar, dass es auch weiterhin Herren-Rugby in Hausen geben muss. „Der Nachwuchs braucht unbedingt eine Perspektive.“ Zur Not in Form einer Spielgemeinschaft.

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