Offenbacher konzentrieren sich auf Ausbildung und Nachwuchsarbeit

Neue Zeiten für EOSC-Schwimmer

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Die Schwimmabteilung des EOSC schraubt die Förderung des Spitzensports der wenigen Topathleten vorerst zurück, setzt auf die Ausbildung und Nachwuchsarbeit. Im Bild: Nemanja Prerad bei einem Wettkampf Ende April in Hanau.

Offenbach - Die in die Jahre gekommene Traglufthalle im Schwimmbad auf der Offenbacher Rosenhöhe steht für diesen Winter. „Das ist zunächst das Wichtigste“, sagt Benjamin Friedrich, obwohl das endgültige Okay für den Betrieb noch fehlt. Von Holger Appel 

Der Trainer des Badbetreibers EOSC will jetzt die sportliche Neuorientierung vorantreiben, die Vorsitzender Matthias Wörner vor wenigen Wochen angekündigt hatte. Joachim Becker, Mitglied der Abteilungsleitung Schwimmen, spricht von „einem Aufbruch in neue Zeiten. Wir müssen die Abteilung auf vernünftige Füße stellen“. Bedeutet: Die Schwimmabteilung des EOSC, bekannt geworden durch die großen Erfolge von Olympiasieger Michael Groß in den 1980er Jahren, schraubt die Förderung des Spitzensports für die wenigen Topathleten vorerst zurück, konzentriert sich auf die Ausbildung und die Nachwuchsarbeit. „Es ist nett, mit den ersten Mannschaften in der 2. Liga zu sein, aber unter dem Strich bringt uns und Offenbach das nicht weiter, wenn es in dieser Stadt an der schwimmerischen Grundausbildung an allen Ecken und Enden fehlt“, sagt Becker.

Friedrich soll sie organisieren, den Kontakt zu den Offenbacher Schulen intensivieren und somit neue Mitglieder werben. Ebenso will er sich einer verbesserten Übungsleiterausbildung in Offenbach widmen. Friedrich, seit neun Jahren hauptberuflich beim EOSC, wird deshalb sein Amt als Trainer der 1. Mannschaften zum 16. Dezember an zwei Honorarkräfte übergeben. Die Verhandlungen mit Kandidaten laufen, sind laut Becker und Friedrich aber noch nicht abgeschlossen. Die Namen wird der EOSC im Herbst bekannt geben. Zurzeit hat der Verein neben Friedrich noch sechs weitere Übungsleiter auf Honorarbasis für rund 150 Kinder und Jugendliche.

Joachim Becker vom EOSC-Vorstand (links) und Trainer Benjamin Friedrich.

„Wir müssen unten anfangen, damit wir oben irgendwann wieder eine gute erste Mannschaft haben. Wir wollen nicht irgendwann weg sein, weil wir den Unterbau sträflich vernachlässigt haben“, sagt Becker. Friedrich ergänzt: „Der Spitzensport ist im Schwimmen mit riesigem Aufwand verbunden. Um Leute in die internationale Spitze zu bringen, sind viele Trainer, Ehrenamtler und Physiotherapeuten nötig – das können wir aktuell nicht stemmen, da müssen wir ganz ehrlich sein.“ Er verweist auf die jeweils zweiwöchigen Trainingslager seiner ambitionierten Schwimmer in den Ferien im Januar, März/April, Sommer und Oktober. Dazu kommt der immense Zeitaufwand bei deutschen, süddeutschen und hessischen Meisterschaften sowie anderen Wettkämpfen.

„Wir wollen anbieten, was wir können, ohne unsere Trainer zu verheizen“, sagt Becker. Friedrich gibt zu, dass es auf der Rosenhöhe zuletzt einen „Schwund an Trainern“ gab. „Sie schaffen es oft nach dem Studium nicht, Beruf, Familie und Sport unter einen Hut zu kriegen. Und auch bei den Ehrenamtlern wird es immer schwieriger“, spricht er über ein gesellschaftliches Phänomen, mit dem nicht nur die Schwimmer zu kämpfen haben.

Hinzu kommt die Vorgabe des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), die Spitzensportler in Leistungszentren zu konzentrieren, um das Trainingsniveau zu verbessern und die Medaillenchancen bei internationalen Großereignissen wie Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen zu erhöhen. Auf der Rosenhöhe befindet sich gemäß der Vorgaben durch den Hessischen Schwimmverband ein E- und D-Kaderstützpunkt. Die besten Offenbacher Schwimmer werden künftig vermutlich in Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden trainieren. Offenbachs Topschwimmerin Hannah Plücker hat jedoch angekündigt, vorerst weiter beim EOSC bleiben zu wollen und hofft laut Becker darauf, dass Friedrich sie bei den deutschen Kurzbahnmeisterschaften vom 13. bis 16 Dezember in Berlin coacht. Der Trainer nimmt das grinsend zur Kenntnis.

So hält Sport im Wasser richtig fit

Doch zu diesem Zeitpunkt soll sein Fokus bereits auf einer anderen Ebene liegen. „Nach Beendigung der 4. Klasse können 60 Prozent der Schüler hierzulande nicht schwimmen“, verweist Friedrich auf eine Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Er ergänzt: „Die Schwimmbäder werden immer weniger, erleben in Deutschland einen großen Schwund. Wir in Offenbach haben ordentliche Bedingungen, hier können und müssen wir ansetzen. Die Frage ist, wie wir die Kinder zum Schwimmen kriegen“, sagt Friedrich, 2003 und 2004 in der deutschen 4x50-Meter-Freistilstaffel Zweiter bei Europameisterschaften.

Der 35-Jährige hat Ideen und mittlerweile die erste Kooperation geschlossen, mit der Lauterbornschule. „Das ist der Einstieg – weitere Offenbacher Schulen sollen folgen. Wer die 4. Klasse verlässt, muss schwimmen können. Das können und sollen die Kinder hier bei uns im Bad auf der Rosenhöhe lernen“, sieht er seine neue Aufgabe direkt an der Basis und verneint die Frage, ob das denn nicht deutlich unter seiner Qualifikation sei. „Die guten Trainer gehören sowieso an die Basis“, versichert Becker und hofft, dass im Winter 2019/20 auf der Rosenhöhe dank Fördergeldern des Landes Hessen die neuen Traglufthallen aufgebaut werden und das 25-m-Becken zum Lehrschwimmbecken umgebaut wird.

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