Hochleistungssport nicht mehr drin

Neuorientierung bei EOSC-Schwimmern

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Kopfsprung ins Wasser. Ein Foto von einem Wettkampf des EOSC in der Traglufthalle auf der Rosenhöhe.

Offenbach - Die Schwimmabteilung des EOSC 96 Offenbach wird beziehungsweise muss ihr Konzept verändern. Das bestätigt Vereinsvorsitzender Matthias Wörner vor dem Verbandstag am Samstag in einer Woche in Wiesbaden. Dafür gibt es sogar mehrere Gründe. Von Holger Appel

„Breitensport ohne Wettkämpfe und Leistungssport mit Wettkämpfen wird es natürlich auch weiterhin geben beim EOSC, aber Hochleistungssport ist im ersten Moment nicht mehr drin“, berichtet der Vorsitzende und ergänzt: „Wir haben dank der geburtenstarken Jahrgänge Kinder ohne Ende in den Talentgruppen, Talentfördergruppen und in der schwimmerischen Grundausbildung. Weiterhin steht die Kooperation mit den Offenbacher Schulen ganz oben auf der Agenda. Wir müssen uns neu ausrichten und kümmern uns verstärkt um den Aufbau von unten.“ Übungseinheiten morgens um 5 Uhr für die Topschwimmer wird es nicht mehr geben, sechs Einheiten pro Woche sind aber nach wie vor realistisch.

Wegen der hohen Auslastung auf der Rosenhöhe und der vom Verband angestrebten Konzentration der Kräfte sei der Hochleistungssport nicht mehr machbar. Wörner vermutet, dass das künftig nur noch an den großen Stützpunkten in Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden möglich sein wird. Als Dienstleister dafür sieht er seinen Club nicht. Selbst wenn er wieder einen kleinen Michael Groß zu bieten hätte, könnte er ihn in Offenbach nicht mehr halten, glaubt er.

Der EOSC hat aber nach wie vor starke Nachwuchssportler wie zum Beispiel Hannah Pflücker oder Jan-Christoph Düppe in seinen Reihen, die bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin eifrig Medaillen gesammelt haben. Topstars wie Ralph Färber oder Michael Groß, den zweimaligen Olympiasieger von 1984, haben die Offenbacher längst nicht mehr.

Für gestern Abend jedenfalls hatten die Verantwortlichen um Trainer und Abteilungsleiter Benjamin Friedrich einen Elternabend für die erste und zweite Mannschaften angesetzt. Der eine oder andere aus den Teams wird vermutlich künftig zu den ersten Trainingseinheiten in die Leistungszentren nach Frankfurt oder Darmstadt fahren. Friedrich wollte sich zu den anstehenden Änderungen im Verband und damit eingehenden Änderungen für den EOSC noch nicht äußern. Details könne man erst nach dem Verbandstag nennen, meinte er.

Thomas Kittel, viele Jahre Trainer des EOSC 96 und seit 2004 Geschäftsführer des Hessischen Schwimmverbandes, bestätigt die von Wörner angesprochene Konzentration der Kräfte, die seinen Angaben zufolge beim Verbandstag aber gar nicht auf der Tagesordnung steht: „Der hessische Weg sieht vor, nach und nach die Spitzensportler zu zentralisieren und in starken Trainingsgruppen zusammenzuführen. Das wird so langsam umgesetzt. Wir werden aber ganz sicher keine D-Kader-Stützpunkte wie den in Offenbach schließen. Wir haben acht Stützpunkte – und das Schwimmbad auf der Rosenhöhe in Offenbach ist nach wie vor einer der Orte, an denen man die besten Möglichkeiten hat.“

Süddeutsche Schwimm-Meisterschaften beim EOSC

Diese Einschätzung könnte getrübt werden. Wörner verweist auf den 13. September, den Tag, an dem er mit seinem Team die in die Jahre gekommene Traglufthalle für die Wintermonate über dem Schwimmbecken aufbauen wird. Sie entspricht nach dem von der Stadt Offenbach in Auftrag gegebenen Gutachten nicht mehr dem Standard. Ob sie stehen bleiben darf, ist offen. Falls nicht, hätte der EOSC im kommenden Winter keine Trainingsmöglichkeit mehr. „Wenn das nicht funktioniert, brauchen wir uns über irgendwelchen Spitzensport sowieso keine Gedanken mehr zu machen“, sagt Wörner.

Für die Wintersaison 2019/20 hat die Stadt Offenbach mittlerweile eine neue Halle in Aussicht gestellt. Das sollte dank des neuen Programms der hessischen Landesregierung für den Erhalt der Hallen- und Freibäder ab 2019 klappen. Insgesamt stehen 50 Millionen Euro zur Verfügung.

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