Nikolaus Bodoczi ist Kadetten-Weltmeister

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Gute Ausbeute in Baku: Florina Plachta und Kadetten-Weltmeister Nikolaus Bodozi.

Offenbach ‐ Weltmeister. Und das bereits im Alter von 16 Jahren. Nikolaus Bodoczi vom Fechtclub Offenbach (FCO) gab gestern Nachmittag am Telefon gegenüber unserer Sportredaktion zu, dass er den größten Erfolg seiner jungen Karriere selbst noch nicht so ganz realisiert hat. Von Holger Appel

„Erst ganz langsam“ würde er verstehen, welcher Coup ihm da am Ostersamstag bei der Kadetten-WM in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, gelungen war.

Dabei hatte der Führende der deutschen Kadetten-Rangliste (entspricht der A-Jugend; 14 bis 17 Jahre) in der Vorrunde noch geschwächelt und zwei Gefechte knapp verloren. „Ich war anfangs etwas nervös“, gab Bodoczi zu, „habe aber selbst bei den Niederlagen ordentlich gefochten und mich deshalb auch nicht verrückt gemacht.“ Im 64er-Tableau begann er somit nur auf Position 31, legte die Nervosität ab und war in der K.o.-Runde nicht mehr zu stoppen. Mit klaren Siegen gegen einen Italiener, einen Russen und einen Koreaner qualifizierte er sich für die Endrunde von Baku, bezwang dort den Tschechen Ondrej Novotny sicher mit 15:6.

Nervenstärke im Halbfinale

Im Halbfinale bewies Bodoczi dann Nervenstärke, als er Yuval Shalom Frielich aus Israel im Sudden Death mit 15:14 bezwang. Das sei ein wahrer Krimi gewesen, berichtete der Leibnizschüler. Beim Stand von 14:14 setzten sein Gegner und er zwei Mal gleichzeitig einen Treffer. Erst im dritten Versuch löst Bodoczi das Ticket für das Finale. Das gewann der dann gegen den Koreaner Byeungchan Jung klar mit 15:10. „Ich habe von Anfang an den Takt vorgegeben und es mir nicht mehr nehmen lassen“, freute sich der Offenbacher über das WM-Gold. Damit hat er sich für die erste Jugend-Olympiade vom 14. bis 26. August 2010 in Singapur qualifiziert.

Delegationsleiter und Degen-Bundestrainer Walter Steegmüller aus Heidenheim lobte: „Wir wussten, dass Nikolaus es drauf hat. Technisch kann er es mit jedem aufnehmen. Er hat Selbstbewusstsein gezeigt und ohne Respekt agiert, zumal er einen schweren Lauf hatte. Die Medaille hat er sich wirklich redlich verdient.“

Waldemar Krug, der Vorsitzende des FC Offenbach, sprach „vom größten Erfolg der vergangenen Jahre“, der ihn doch „sehr, sehr stolz“ mache. Krug erklärte: „Vor gar nicht allzu langer Zeit waren die großen deutschen Fecht-Erfolge stets mit dem Namen FC Tauberbischofsheim verbunden. Diese Dominanz gibt es nicht mehr. Inzwischen sprießen die Talente auch wieder an anderen Orten, gewinnen auch andere Vereine große Titel - das kann dem Fechten in Deutschland nur gut tun.“

Florina Plachta bot bei ihrem WM-Debüt gute Leistungen

Doch nicht nur Bodoczi glänzte aus regionaler Sicht in Baku - auch seine ein Jahr jüngere Vereinskollegin Florina Plachta bot bei ihrem WM-Debüt gute Leistungen. Sie belegte bei der Kadetten-WM mit dem Degen Platz 19. Als zweitbeste deutsche Teilnehmerin hinter der Leverkusenerin Julia Morawietz (Platz 14). Plachta war in der Runde der letzten 32 nach einer 14:15-Niederlage gegen die Italienerin Agnese Monarca ausgeschieden. „Florina“, freute sich Krug, „hat sich prima geschlagen. Das ist ein ebenfalls nicht zu unterschätzender Erfolg.“

Während Plachta gestern den Heimflug antrat, bleibt Bodoczi noch bis Samstag, 10. April, in Aserbaidschan. Denn er steht noch in zwei weiteren Wettbewerben auf der Planche. Heute tritt er bei der Junioren-WM mit dem Degen an. Er sagte: „Der Erfolg bei den Kadetten wird diesen Wettbewerb ganz sicher beeinflussen. Ich habe jetzt überhaupt keinen Druck mehr, habe mein großes Ziel erreicht und muss nichts mehr beweisen. Wenn ich so auftrete wie am Samstag, kann ich auch in den älteren Jahrgängen ein gutes Ergebnis erzielen.“ Er träumt von einer weiteren WM-Medaille.

Die dritte und letzte Medaillenchance in Baku hat er am 9. April im Mannschaftswettbewerb der Junioren mit Rudolf Haller (Tauberbischofsheim), Erwin Kerekes (Heidenheim) und Tim Kuchalski (Leverkusen).

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