Hanauer planen längst zweigleisig

Basketball: Nur noch ein Fünkchen Hoffnung auf Ligaverbleib der White Wings 

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Auch spektakuläre Aktionen wie diese von Till-Joscha Jönke (mit Ball) dürften die Hanauer kaum noch retten.

Am Samstag könnte das Kapitel 2. Bundesliga ProA für die Basketballer der Hanau White Wings schon beendet sein. Vor dem Abstiegsendspiel gegen Schalke 04 gibt es wenig Hoffnung, denn selbst bei einem Erfolg erscheint die Lage aussichtslos. Der Klub plant längst zweigleisig, der Kapitän redet Klartext.

Hanau – Wer mit einer 36-Punkte-Klatsche nach Hause geschickt wird, dem ist nicht zum Lachen zumute. Bloß schnell weg, Spiel abhaken. So erging es auch den Hanau White Wings beim jüngsten 55:91 in Hamburg. An der Elbe geriet der Basketball-Zweitligist mächtig unter die Räder. Nicht das erste Mal in dieser enttäuschenden Spielzeit. Und dennoch gab es einen, der ein breites Grinsen auf dem Gesicht hatte. Till-Joscha Jönke. Ausgerechnet der Kapitän des stark abstiegsgefährdeten Klubs konnte dem Debakel etwas Positives abgewinnen. „Ich konnte endlich wieder schmerzfrei spielen, das war ein tolles Gefühl.“

35 Minuten stand der zuvor lange verletzte Spielmacher auf dem Parkett, war mit zwölf Punkten der beste Werfer. Der einzige Lichtblick für die White Wings, die am Samstag (19 Uhr) ihr vorerst letztes Heimspiel in der ProA absolvieren könnten. Nach vier Jahren droht der Absturz in die Drittklassigkeit (ProB).

Sehr unwahrscheinliches Szenario

Nur ein Sieg mit mehr als sieben Punkten Differenz über den Rivalen aus Schalke hält die klamme Hoffnung am Leben. Dann müssten die Hanauer aber auch noch am letzten Spieltag beim Tabellenführer Chemnitz gewinnen und die Königsblauen gegen Paderborn verlieren. Ein sehr unwahrscheinliches Szenario. Das weiß natürlich auch Jönke. „Klar beschäftigen wir uns auch mit dem Abstieg und die Stimmung ist gedämpft. Noch gibt es aber eine kleine Chance. Vielleicht erwischen wir ja zwei super Tage und die Schalker nicht“, sagt der 27-Jährige.

Seit 2015 läuft der erstligaerfahrene Jönke für die White Wings auf, war maßgeblich am Aufschwung und der letztjährigen Play-off-Teilnahme beteiligt. Doch weder für ihn, der mit Ermüdungsbruch im Fuß mehrere Monate ausfiel, noch für das Team lief es in dieser Saison rund. Der Absturz, mit nur sieben Siegen in 28 Spielen ist Hanau Vorletzter, komme zwar überraschend, sei aber zu erklären: „Wir haben nie als Team zusammengespielt, der Zusammenhalt hat gefehlt.“

„Unerfahrenheit ist ein Problem“

Vor der Saison verließen „funktionierende Spieler“ wie Christian von Fintel, Paul Albrecht oder Chase Adams den Klub. Dafür kamen junge Akteure, die teils die nötige Leidenschaft vermissen lassen. „Die Unerfahrenheit ist ein Problem“, räumt Jönke ein. Und ausschlaggebend für die Schwankungen bei den Resultaten. „Mal gewinst du mit 40 in Trier, dann verlierst du zu Hause gegen Paderborn“, betont Jönke. Auch die Nachverpflichtungen seien schwer zu integrieren gewesen. Verletzungen und finanzielle Sorgen hätten ebenso Unruhe hereingetragen.

Auch wenn sich Jönke nach eigenen Angaben noch keine ernsthaften Gedanken über die Zukunft gemacht hat, scheint klar: Die Pro B dürfte trotz Fünf-Jahres-Vertrags in Hanau für den ehrgeizigen Spielmacher kaum attraktiv genug sein. Das gilt auch für Leistungsträger wie Alexander Angerer, Dorian Pinson oder Luquon Choice. Auch hinter dem Verbleib von Trainer Simon Cote, dessen Vertrag 2020 endet, steht ein Fragezeichen. Im Abstiegsfall stünden die White Wings vor einem größeren Umbruch.

Den moderiert Sebastian Lübeck mit. Der Leiter Finanzen/Sponsoring des Klubs eilt derzeit von Termin zu Termin, trifft sich mit alten und sucht neue Geldgeber. „Klar springt immer mal einer ab. Aber wir sind für die aktuelle Saison geschäftsfähig und bereits in Planungen für diekommende Spielzeit. Trotz des sportlichen Fehltritts ist die Bereitschaft da, das Projekt weiter zu unterstützen“, betont Lübeck.

White Wings unterliegen in Crailsheim: Bilder

In der Division ProB, soviel ist klar, dürfte sich der Etat verringern. Das liegt auch an der vorgegebenen Spielerstruktur. So darf anders als in der ProA nur ein Nicht-EU-Ausländer pro Partie eingesetzt werden. „Da schauen wir natürlich verstärkt auf Spieler mit deutschem Pass“, sagt der Bankkaufmann. Auch die Kooperation mit der SG Weiterstadt in der Jugend-Bundesliga und der TG Hanau soll fortgesetzt werden.

Etwas „entspannter“ seien indes die Auflagen in der ProB. Lübeck macht dies an einem Beispiel deutlich. So wären in der neuen Saison in der ProA sogenannte LED-Banden Pflicht. Kostenpunkt: ein satter sechsstelliger Betrag. Eine Etage tiefer genügen die deutlich günstigeren und bereits vorhandenen Rotorbanden. „Ziel muss es aber sein, dass wir auch die LED-Banden anschaffen“ , betont Lübeck. Denn perspektivisch soll es für die White Wings wieder nach oben gehen. „Aber immer mit einem gesunden Verhältnis aus Vernunft und Risiko.“

Von Jörn Polzin

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