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Felix Laukhardt kämpft um Titel in der E-Sailing-Bundesliga

Lässig am Steuer: Felix Laukhardt (20) zählt zur nationalen Spitze in seiner Altersklasse. Der für den Segelclub Undine Offenbach startende Frankfurter hat schon an vier Weltmeisterschaften teilgenommen. Foto: p
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Lässig am Steuer: Felix Laukhardt (20) zählt zur nationalen Spitze in seiner Altersklasse. Der für den Segelclub Undine Offenbach startende Frankfurter hat schon an vier Weltmeisterschaften teilgenommen.

Ohne Wasser gehe für ihn wenig, sagt Felix Laukhardt aus Offenbach. Doch in Corona-Zeiten darf der Segler nur virtuell ran. 

Offenbach – „Trefft mich auf dem Wasser“ lautet ein Slogan auf der Homepage von Felix Laukhardt. Dort, wo die Wellen schwappen, ist der Athlet des Offenbacher Segelclubs Undine sehr häufig anzutreffen. Beim Training und den Regatten. National wie international.

Und wenn er mal nicht segelt, zieht Laukhardt schwimmend seine Bahnen. Auch Windsurfen ist eine große Leidenschaft des 20-Jährigen. „Ohne Wasser geht wenig bei mir“, erzählt er schmunzelnd.

Doch in Zeiten von Corona ist alles anders. Da wird selbst der gebürtige Frankfurter gezwungenermaßen zur Landratte. Geht aber virtuell weiter aufs Wasser. Er ist umgestiegen, vertritt die Undine in der E-Sailing-Bundesliga, der Online-Variante. „Das ist sehr realistisch gemacht“, sagt Laukhardt.

Über eine App verbunden, sitzen die Teilnehmer vor ihren Bildschirmen und steuern die Boote mit den Pfeiltasten. Die einen nutzen ihre Computer, Laukhardt greift zum I-Pad. Beinahe 70 Klubs sind dabei, die sich sonst in der Liga auf dem Wasser begegnen. Sieben Spieltage mit je fünf Wettfahrten gilt es zu absolvieren. Gezockt wird freitags, die Gegner werden ausgelost. „Einige kenne ich aus dem echten Segeln ganz gut. Man sieht schon, dass die starken Segler auf dem Wasser auch virtuell weit vorne liegen“, berichtet Laukhardt.

Zu jenen darf sich auch der Sportstudent zählen, der als Gesamtvierter vor dem großen Finale heute aussichtsreich im Rennen liegt. Täglich verbringt er etwa eine Stunde mit dem Training, für das er auch die parallel ausgetragene WM der Online-Variante nutzt. Dabei geht es um Punkte und Platzierungen, die ihm auch in der Liga weiterhelfen. Denn: Wer besser abschneidet, erhält auch mehr Münzen, mit denen sich sogenannte Rennhilfen kaufen lassen. Beispielsweise über die Windprognosen.

Aussichtsreich im Rennen: Bei „Virtual Regatta Inshore“ bewegen die Spieler ihre Boote per Tastensteuerung. Auch der Windfaktor spielt eine wichtige Rolle. 

Die spielen auch virtuell eine große Rolle. Genau wie die Taktik. „Es geht darum, wie man sein Boot positioniert und die Windstärken einrechnet. Da braucht es viel Gefühl“, erläutert Laukhardt. Das hat er aus der Praxis zu Genüge. Bei vier Weltmeisterschaften war er bereits auf dem Wasser und avancierte zum besten deutschen Junioren. Sein größter Erfolg: Platz sechs bei den nationalen Titelkämpfen 2017 und 2018 in der Bootsklasse Laser Radial.

Wirklich vergleichen will er die Wettkämpfe auf dem Wasser und in der Wohnung nicht. Doch dem realen Geschehen komme „Virtual Regatta Inshore“ - wie das Spiel offiziell heißt - sehr nahe. Im Umgang mit den Tasten und Knöpfen, mit denen er das Boot bewegt, wendet, stoppt oder die Segel setzt, sei er sogar noch emotionaler. „Da fluche ich mehr, gerade in engen Situationen, wenn es um die Vorfahrtsregel geht“, erzählt er. Werden diese missachtet, gibt es Strafen, „Das will man manchmal nicht wahrhaben.“

Während andere Klubs ihre Spieler durchwechseln, ist Laukhardt auf sich alleine gestellt. Ein Problem sieht er darin aber nicht, vertraut auf seine Übersicht. Gelegentlich tauscht er sich per Telefonschalte mit einem Kollegen aus Otterstadt über den jeweiligen Rennverlauf aus. Gut lief für ihn vor allem der 3. Spieltag, den er sogar für sich entschied. Hinzu kommen drei Podestplatzierungen, die Laukhardt in der Gesamtwertung nach oben klettern ließen. Für das heutige Finale mit den besten zwölf Klubs hat er sich viel vorgenommen. „Es ist alles offen, auch der Titel ist drin“, meint er. Anders als in vielen Sportarten gewinnt bei den Seglern der Teilnehmer mit den wenigsten Punkten. Laukhardt geht als Viertplatzierter, also mit vier Punkten in die drei Wettfahrten, nach denen die Top 4 den „Meister der Vereine“ ermitteln.

E-Sailing ist das eine, Action auf dem Wasser das andere. Und die sehnt der Frankfurter herbei. Durch die Corona-Lockerungen bieten sich nun mehr Möglichkeiten. „Training ist wieder erlaubt, natürlich mit entsprechendem Abstand“, berichtet er. Regatten sind hingegen noch nicht vorgesehen. Für den Ernstfall will Laukhardt aber in jedem Fall vorbereitet sein. Denn: „Harte Arbeit zahlt sich aus.“ Noch so ein Leitsatz auf seiner Homepage.

Von Jörn Polzin

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