Baumeister des Fechtstandorts Offenbach

Trauer um Hans Hubert: Der FCO-Ehrenpräsident ist im Alter von 91 Jahren verstorben

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Hans Hubert an seinem 90. Geburtstag vor dem FCO-Vereinsheim. Die Nachwuchsfechter stehen Spalier. Die Stadt Offenbach ehrte Hubert bereits 2011 für sein Lebenswerk. Im Deutschen Fechter-Bund war er Ehrenmitglied.

Der Offenbacher Sport trauert um Hans Hubert. Der Ehrenpräsident des Fechtclubs Offenbach (FCO) und des hessischen Fechtverbandes verstarb in der Nacht zum Mittwoch nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 91 Jahren.

Offenbach – Vor eineinhalb Wochen war Hubert noch Gast bei der Sportgala im Capitol, erfreute sich unter anderem an der Darbietung seiner FCO-Mädels um Vizepräsidentin Florina Plachta.

Offenbachs Oberbürgermeister und Sportdezernent Felix Schwenke, 39 Jahre alt, sprach gestern von einem „traurigen Tag“. Er konnte sich aber daran erfreuen, „Hans Hubert noch persönlich kennengelernt zu haben. Ich habe ihn immer gern getroffen, er war bei seinem sportlich wie beruflich beeindruckenden Lebensweg angenehm zurückhaltend. Er hat nicht über alte Erfolge gesprochen, sondern war stets mit Ironie und verschmitztem Lächeln dem Hier und Jetzt zugewandt. Das war beeindruckend“.

Eberhard Theobald, der aktuelle Vorsitzende des Clubs, bezeichnete Hubert als „herausragende Persönlichkeit, als Legende des FCO. Er war ein facettenreicher und strahlender Mensch, hatte alle Eigenschaften, die ein Fechter benötigt: Er war angriffslustig, wenn es möglich war und abwehrstark, wenn es nötig war. Er hat wie kein Zweiter unseren Verein geprägt.“

Florina Plachta meinte gestern traurig und erschüttert: „Hans war für unseren Verein die wichtigste Person. Keiner hat es wie er mit seiner herzlichen Art geschafft, die älteren und jüngeren Mitglieder gleich zu behandeln, zu respektieren und zu einen. Hans war ein Bindeglied. Er hat immer mit Rat zur Seite gestanden und hat sich für einen interessiert – nicht allein in sportlichen Angelegenheiten, sondern auch im Privaten, wie es in der Schule oder Ausbildung läuft oder wie es der Familie geht.“ Sie ergänzte: „Durch ihn habe ich gelernt, dass ein Verein nicht überleben kann, wenn man sich einfach nur als Mitglied versteht, sondern dass er nur durch Leidenschaft, Engagement und einem Zugehörigkeitsgefühl erfolgreich sein kann.“

Unter der Leitung des am 20. August 1927 geborenen Hubert hatten sich Anfang der 1970er Jahre die Offenbacher Fechtvereine FC Offenbach, TV Offenbach und TSG Bürgel, sein Stammclub, zur „Offenbacher Fechterschaft“ zusammengeschlossen. Hubert war einer von drei Vorsitzenden. 1987 erfolgte die Umbenennung in Fechtclub Offenbach. 18 Jahre lang, bis ins Jahr 2005, war Hubert dann Präsident des FCO, ehe er das Amt an Waldemar Krug übergab.

In seiner Zeit bei der Fechterschaft hatte Hubert den Polen Horst-Christian Tell als Trainer nach Deutschland und zu seinem Club geholt. Unter dessen Leitung stieß Cornelia Hanisch in die Weltspitze des Florettfechtens vor. Sie gewann 1979 in Melbourne, 1981 in Clermont-Ferrand und 1985 in Barcelona den WM-Titel und 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles die Silbermedaille. Den ersten WM-Titel seiner Top-Athletin bezeichnete Hubert stets als „das schönste Geschenk“. Sie hatte ihn überredet, mit nach Australien zu fliegen und holte den Titel exakt an seinem 52. Geburtstag.

Die mittlerweile 66-jährige Hanisch zeigte sich gestern von Huberts Tod „tief getroffen“ Sie berichtete: „Hans war die Person, die für meinen sportlichen Aufstieg verantwortlich war. Er hat Trainer Tell geholt. Er war mein erster Mäzen, als ich noch Studentin war, noch keine großartige Unterstützung von Verbandsseite erhielt und meine Turniere finanzieren musste. Hans war Unternehmer und hat auf seinen Geschäftsreisen gern während der Fahrt im Auto gearbeitet. Ich war sein Chauffeur – eine perfekte Lösung“. Hanisch nannte Hubert einen „umtriebigen und weit verzweigten Menschen, der viel Gutes getan hat“.

Die Dietzenbacherin hatte am Sonntag noch die Gelegenheit, sich mit ihrer ehemaligen und aus Leverkusen angereisten Fechtkollegin Christiane Weber von Hubert zu verabschieden. Sie waren mit ihm wieder einmal zum Mittagessen verabredet. Als er sich nicht meldete und sie bei seiner Haushälterin nachhakten, erfuhren sie, dass Hubert im Krankenhaus lag. „Wir sind hin, haben ihn besucht, haben seine Hand gedrückt, konnten uns letztlich verabschieden. Ich glaube, er hat uns erkannt“, berichtete Hanisch. Sie ergänzte: „Ich habe ihm noch gesagt: Hans, du bist ein Kämpfer, du schaffst das.“ Diesen Wunsch konnte Hubert ihr aber nicht mehr erfüllen.

Von Holger Appel

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