2. Liga Süd West

Rugby-Mannschaft des BSC: Zum zweiten Mal Aufstieg verboten

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Das Rugby-Team des BSC Offenbachs wird trotz starker Leistungen wohl nicht in die Bundesliga aufsteigen. (Symbolbild)

Der Rugby-Mannschaft des BSC Offenbach wird zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren ein Aufstieg am Grünen Tisch versagt. BSC-Abteilungsleiter Ian Rawcliffe hat den Traum, im Jubiläumsjahr wieder in der 1. Liga zu spielen, aber noch nicht aufgegeben.

Offenbach – Ian Rawcliffe ist zwar gebürtiger Brite, kennt sich mit deutschen Redewendungen aber bestens aus. „Es gibt ja die Formulierung, dass man etwas voll und ganz akzeptiert. In unserem Fall ist es so, dass wir es voll akzeptieren, aber nicht ganz“, sagt der Leiter der Rugby-Abteilung des BSC Offenbach. Gemeint ist die Entscheidung des Vorstands des Bundesliga-Ausschusses, die Saison wegen der Coronavirus-Pandemie abzubrechen und dabei auf Auf- und Absteiger zu verzichten.

Ian RawcliffeRugby-Abteilungsleiter des BSC

Für den BSC ist das besonders bitter, da er als souveräner Spitzenreiter der 2. Liga Süd West (sieben Spiele, sieben Siege, 429:36) auf dem besten Weg war, sich für die Play-offs zum Oberhaus zu qualifizieren und dort als haushoher Favorit gegolten hätte. Die Offenbacher wollen zwar nicht juristisch gegen die Entscheidung vorgehen, sich aber auch nicht einfach mit ihr abfinden.

„Aus Sicht des BSC ist das sehr enttäuschend“, sagt der Rödermarker, der als ehemaliger Präsident des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV, 1996 bis 2004 und 2013 bis 2015) aber grundsätzlich auch Verständnis für die von den Funktionären getroffene Entscheidung zeigt. Die ihr zugrunde liegende Diskussion, an der Vertreter aller Erst- und Zweitliga-Klubs beteiligt waren, sei „gut und demokratisch geführt“ worden, stellt Rawcliffe klar. „Das Ergebnis muss man akzeptieren.“ Anlass zur Kritik sieht der 71-Jährige dennoch. „Wir hatten einige Vorschläge gemacht, die von anderen Vereinen unterstützt und von anderen Sportverbänden praktiziert wurden“, berichtet der BSC-Abteilungsleiter und meint damit vor allem eine mögliche Aufstockung der beiden Bundesliga-Staffeln (Sollzahl acht) auf zehn Teams. Darüber sei allerdings nicht mal diskutiert worden, wundert sich Rawcliffe.

Rugby beim BSC Offenbach: „Wir gehören in die 1. Liga“

Ein Abbruch der Saison ohne Absteiger, aber mit Aufsteigern wäre seiner Meinung nach die beste Lösung gewesen. Dabei wäre keinem Verein ein Schaden entstanden und man hätte es auch organisatorisch ohne Probleme umsetzen können. „Jeder Erstligist hat derzeit pro Saison 14 Punktspiele. Da sind noch so viele Wochenenden frei, dass man trotz einer Aufstockung genug Zeit für Pokalspiele oder Siebener-Turniere hätte“, meint der ehemalige Soldat der britischen Rheinarmee und verweist zudem auf die Leistungsstärke des Teams. „Wir haben in der Winterpause ein Testspiel gegen Leipzig, den Zweiten der 1. Liga Nord, auswärts 71:0 gewonnen. Wir gehören in die 1. Liga.“

Die Mehrzahl der Vertreter der anderen Vereine sah das offenbar nicht so, wobei jeder seine eigene Motivation hat. Für Markus Walger, Präsident des RK Heusenstamm, war die getroffene Entscheidung „die einzige richtige Lösung“. Von der der RKH allerdings profitiert. Er steigt nicht ab, obwohl er zum Zeitpunkt des Abbruchs der Saison den letzten Tabellenplatz in der 1. Liga Süd/West belegte. Walger hält das für gerecht: „Viele Sportarten handeln genauso.“ Aber keineswegs alle. Im Handball gibt es beispielsweise Auf-, aber keine Absteiger. Im Fußball gilt dieses Szenario ebenfalls als Favorit.

BSC Offenbach: Rugby-Abteilung will zum 100-jährigen Jubiläum in die Elite-Klasse

Beim BSC fühlt man sich zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ausgebremst. Vor drei Jahren wurde Rawcliffe zufolge bei den Offenbachern der Plan aufgestellt, 2021, also im Jahr des 100. Bestehens der Abteilung, wieder in der 1. Liga zu spielen. Es gab aber prompt einen Rückschlag. So wurde dem am Eichwaldweg beheimateten Klub 2018 die Teilnahme an der 2. Liga verweigert. Der BSC klagte, ohne Erfolg. Diesmal will man auf juristische Schritte verzichten, sucht aber weiter nach einem Weg, um noch aufzusteigen. „Warum sollten wir nicht in der 1. Liga Nord spielen können“, fragt Rawcliffe und verweist darauf, dass die Sollzahl von acht Teams dort zur kommenden Saison wohl nicht erreicht wird. „Ob wir in der 2. Liga West nach Köln fahren oder in der 1. Liga Nord nach Hannover, macht für uns keinen großen Unterschied. Es liegt aber in der Hand der Funktionäre.“ Die Chancen sind jedoch gering.

Der BSC plant daher zweigleisig. „Bleibt es dabei, dass wir nicht aufsteigen, werden wir keine weiteren ausländischen Zugänge holen, denn die brauchen wir dann nicht. Wir sind auch so deutlich stärker als jedes Team in der 2. Bundesliga. Die 1. Bundesliga Süd/West wäre mit uns deutlich besser. So wird der Meister in der kommenden Saison wieder SC Frankfurt 1880 heißen. Er wird sicherlich nicht aus der Nord-Staffel kommen, es sei denn, wir spielen im Norden.“

Von Christian Düncher 

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