Basketball

Schlaflose Nächte für Bundesliga-Boss und Ex-OFC-Präsident Lauprecht

Immer auf Ballhöhe: Mehr als 600 Spiele in der Basketball-Bundesliga hat Claus-Arwed Lauprecht gepfiffen. „Ein Stück weit sehe ich alles immer noch aus Trainersicht.“ Foto: p
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Immer auf Ballhöhe: Mehr als 600 Spiele in der Basketball-Bundesliga hat Claus-Arwed Lauprecht gepfiffen. „Ein Stück weit sehe ich alles immer noch aus Trainersicht.“ 

Im Basketball hat Claus-Arwed Lauprecht so gut wie alle Rollen ausgeübt. Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Funktionär. Seinen Einstand als Boss der Damen-Basketballbundesliga hat sich der 57-Jährige freilich ganz anders vorgestellt.

Offenbach –  Im Interview spricht der in Frankfurt lebende Ex-Präsident der Offenbacher Kickers über die Folgen der Coronakrise, Geisterspiele, die Entwicklung der Rhein-Main Baskets und was ihn noch mit dem OFC verbindet.

Viele kennen Sie noch aus Kickers-Zeiten. Dabei sind Sie mit dem Basketball groß geworden, oder?

Oh ja, ich habe schon in Lübeck bei den Minis gespielt und wir sind damals Norddeutscher Meister geworden. Okay, dafür brauchten wir auch nur ein Spiel (lacht). Als ich nach Mühlheim an der Ruhr gezogen bin, gab es dort keinen Basketball-Verein. Über die Sportklasse in der Schule habe ich dann dabei geholfen, einen Verein aufzubauen, der auch schnell ziemlich erfolgreich war.

Der erste Schritt auf Funktionärsebene?

Kann man so sagen. Das Administrative liegt mir. Auch als Trainer bin ich aktiv gewesen in der Regionalliga und Bundesliga. Besonders mit weiblichen Teams war der Erfolg groß.

War also der Weg zum Geschäftsführer der Damen-Bundesligen gewissermaßen vorgezeichnet?

Alles hat irgendwie seinen Lauf genommen. Um meine B-Trainer-Lizenz zu bekommen, musste ich einen Grundschein als Schiedsrichter machen. Ich habe dann etwa 600 Spiele in den höchsten Spielklassen gepfiffen, auch die Frauenbundesligaspiele habe ich sehr gerne geleitet. Da wurde ich auch sehr häufig eingesetzt. Alleine wenn ich an die Serie der Rhein-Main Baskets gegen Wasserburg 2013 denke, so etwas erlebt man selten.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung bei den Baskets?

Der Zusammenschluss mit Hofheim war eine gute Lösung. Gemeinsam ist man stärker. Sie leisten gute Arbeit und schaffen es immer wieder, Spielerinnen aus dem Nachwuchs nach oben zu bringen. Die Baskets sind ein Beispiel für viele andere Mannschaften.

Auch wenn eine Rückkehr in die 1. Liga mit den begrenzten Möglichkeiten mittelfristig kaum denkbar erscheint?

Die 2. Liga ist womöglich die richtige Klasse für das Konzept des Klubs. Um erfolgreich zu sein, muss man nicht unbedingt in der 1. Liga spielen.

Nur sechs Wochen nach Ihrem Einstand als DBBL-Chef musste die Saison abgebrochen werden. Wie geht man damit um?

Das war natürlich eine Katastrophe. Wir wollten den Damen-Basketball weiter nach vorne bringen, auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Aber dann mussten wir den Spielbetrieb einstellen. Das hat mir schon ein paar schlaflose Nächte beschert.

Gab es keine alternativen Lösungen?

Wir haben uns viele Gedanken gemacht, ob wir es noch aufschieben können, aber recht schnell entschieden, dass es keinen Sinn macht. Mit dem Eishockey waren wir eine der ersten Ligen, die das so umgesetzt hat. Die Entscheidung traf bei den Klubs auf breite Zustimmung.

War für die Frauen ein Modell mit Geisterspielen keine Option?

Auf keinen Fall. Da können wir uns nicht mit den Männern vergleichen. Die Budgets und Gehälter sind viel geringer, die Klubs leben von ehrenamtlichen Kräften und der lokalen Unterstützung. Somit gab es etwas mehr Planungssicherheit. Das ist betriebswirtschaftlich das A und O. Für die Liga ist es der richtige Schritt.

Planungssicherheit für den Ausgang dieser Saison, aber wie sieht es mit der neuen Spielzeit aus?

Unter der fehlenden Perspektive leiden wir deutlich mehr als unter dem Saisonabbruch. Keiner weiß, ob wir im September wieder starten können. Das macht es natürlich für die Vereine schwer, weil sie keine Verträge abschließen können. Aber ich kann leider auch nicht in die Kugel schauen. Ich verstehe die Regierung da aber auch nicht.

Inwiefern?

Die Themen müssten parallel angegangen werden. Sie machen sich im Mai darüber Gedanken, wie es im Fußball weitergeht, aber nicht, was mit Basketball im September passiert. So ist es schwierig, Strukturen zu entwickeln. Aber klar ist auch: Die Gesundheit hat immer Vorrang.

Die BBL setzt auf eine Fortsetzung der Saison an einem Spielort. Die Spieler sollen in einem Hotel untergebracht werden. Was halten Sie als als langjähriger Funktionär davon?

Ich bewundere die BBL und würde es ihnen gönnen, wenn es klappt, die Saison so abzuschließen - auch für die Außenwirkung. Es wird aber verdammt schwer und ich sehe viele Fragezeichen.

Welche besonders?

Das Infektionsrisiko. Klar sind die Spieler vorher für 14 Tage in Quarantäne, aber man weiß ja nie, was kommt. Man muss sich nur anschauen, was gerade beim 1. FC Köln passiert. Wenn ein Spieler und vielleicht die gesamte Mannschaft für eine Zeit ausgeschlossen wird, hätte das Folgen. Ich denke da nicht nur an die finanzielle, sondern auch an die soziale und mentale Komponente.

Zurück zum Damen-Basketball. Für 1. Juli sucht die Bundesliga bereits wieder einen Geschäftsführer. Schon amtsmüde?

Nein (lacht). Es war abgesprochen, dass ich eine zeitlang den Verband berate, helfe die Strukturen zu verbessern und meine Erfahrungen weitergebe. Das mache ich mit Freude und Herzblut. Wenn sich bis 1. Juli jemand findet, wäre das toll. Gerade eine weibliche Lösung würde vielleicht auch gut zur Liga passen. Wenn es etwas länger dauert, kann ich mir aber auch vorstellen, den Job aushilfsweise zu verlängern.

Erfahrungen als Boss eines Vereins haben Sie schon bei den Offenbacher Kickers gesammelt. Welche Verbindung haben Sie noch zu den Kickers und zum Fußball generell?

Ich verfolge das Geschehen als klassischer Zuschauer. Ins Stadion nach Offenbach schaffe ich es nur selten, weil es auch mit den Basketball-Terminen kollidiert. Aber im Fernsehen oder in der Offenbach-Post schaue ich mir die Berichte gerne an. Mit dem einen oder anderen vom OFC unterhalte ich mich auch gern - aber im Hintergrund. Barbara Klein ist für mich nach wie vor eine der tollsten Persönlichkeiten. Ich bewundere auch Präsident Joachim Wagner, wie er die schwierige Situation meistert. Da können wir uns gerade die Hand reichen.

Das Gespräch führte Jörn Polzin

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