Universiade

Offenbacher Fechterin, Tischtennis-Duo und Basketball-Bundestrainer in Neapel

„Das ist für mich der internationale Höhepunkt der Saison“: Janina Kämmerer vom Tischtennis-Bundesligisten TSV Langstadt schlägt bei der Universiade in Neapel für das deutsche Hochschul-Team auf. Foto: Roscher
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„Das ist für mich der internationale Höhepunkt der Saison“: Janina Kämmerer vom Tischtennis-Bundesligisten TSV Langstadt schlägt bei der Universiade in Neapel für das deutsche Hochschul-Team auf.

120 Athletinnen und Athleten werden Deutschland bei der Universiade vom 3. bis 14. Juli in Neapel vertreten. Bei den „Olympischen Spielen der Studenten“ werden sie in 14 von 18 Sportarten um Medaillen kämpfen.

Offenbach – Zum Team gehören in Janina Kämmerer, Alena Lemmer (beide von Tischtennis-Bundesligist TSV Langstadt) sowie der Offenbacher Degenfechterin Nadine Stahlberg drei Athletinnen aus der Region. Dazu kommt in Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl ein gebürtiger Offenbacher. Wir stellen die Teilnehmer vor:.

Janina Kämmerer

Die 21-Jährige studiert in Frankfurt an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität im sechsten Semester Mathematik, Deutsch und Sport für das Lehramt an Grundschulen. „Ich freue mich total auf diese Universiade, das ist für mich der internationale Höhepunkt der Saison“, sagt die Langstädterin, die allerdings schwer einschätzen kann, wie stark das Teilnehmerfeld in Einzel, Doppel, Mixed und Team sein wird. „Ich habe auf Facebook gesehen, dass Marie Migot (zuletzt beim Bundesligisten TTG Bingen/Münster-Sarmsheim) mitspielt, aber ansonsten ist das eine Wundertüte.“ Doch das ist kein großes Problem für sie: „Ich freue mich einfach total auf die Zeit in Neapel.“ Selbstbewusstsein und Optimismus hat sie sich in der vergangenen Bundesliga-Saison. in der sie mit einer 7:4-Bilanz im hinteren Paarkreuz einen herausragenden Einstand feierte, reichlich erarbeitet. „Das ist für mich die Bestätigung, dass sich die Kombination aus Uni und Training auszahlt“, sagt Kämmerer. Viermal pro Woche trainiert sie in Frankfurt am Olympiastützpunkt, meist abends nach der Uni. Am Wochenende kommen auch Einheiten in Langstadt hinzu, oft mit Alena Lemmer, ihrer Teamkollegin in Langstadt und nun auch in Neapel. Weil in der Uni Klausuren anstehen, wird sie nicht bis zum Ende bleiben können: „Ich fliege leider früher zurück.“

Alena Lemmer

Die gebürtige Baunatalerin nutzte ihre vermutlich einzige Chance zur Teilnahme an den Studentenspielen. „Ich bin im sechsten Semester, bin bald fertig“, sagt die 22-Jährige, die an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Betriebswirtschaftslehre Richtung Bank studiert. Ihre Praxissemester hatte sie zunächst in Düsseldorf absolviert, wo sie einst im Tischtennisinternat lebte. Seit ihrem Wechsel nach Langstadt absolviert sie die Praxis bei der Deutschen Bank in Frankfurt. „Auch für mich ist das ein absolutes Highlight“, sagt Lemmer über ihre Universiade-Teilnahme. „Ich war zu Schüler- und Jugendzeiten viel auf internationalen Turnieren, aber seit meinem Studienbeginn nicht mehr, insofern ist das etwas Besonderes.“ Etwas neidisch blickt Lemmer auf jene Sportlerinnen und Sportler, die im Golf von Neapel auf einem Schiff wohnen werden. „Wir sind da leider nicht, wir sind in einem Hotel in der Nähe untergebracht“, sagt sie lächelnd. Chancen auf gute Platzierungen rechnet sie sich vor allem mit der Mannschaft aus, zu der neben Kämmerer auch Vivien Scholz (Uni Düsseldorf/spielt 2. Liga beim ESV Weil) und Luisa Säger (Uni Tübingen/2. Liga beim TTC Weinheim) gehört. In den Einzel- und Doppelkonkurrenzen seien die Chancen geringer. Denn Lemmer vermutet, dass die asiatischen Topnationen ihre stärksten Athletinnen schicken.

Nadine Stahlberg

Für Offenbachs Degenfechterin sind internationale Wettbewerbe während der Saison die Regel. Trotz ihrer erst 22 Jahre ist es bereits die zweite Teilnahme an der Universiade. 2017 war sie in Taipeh (Taiwan) als 13. die beste Deutsche, im Team reichte es zu Platz zehn. Stahlberg, die im vergangenen Jahr ihren Heimatverein FC Offenbach in Richtung SB Heidenheim verließ und auch ein neues Studium begann, tritt nun für die Frankfurter Goethe-Uni an. Dort studiert sie seit einem Semester Grundschullehramt. „Ich freue mich sehr auf diese Spiele, sie sind ein schöner Abschluss der Saison“, sagt Stahlberg: „Schade ist nur, dass es anders als in Taipeh kein gemeinsames Athletendorf gibt.“ Die deutschen Fechthoffnungen sind in einem Hotel in Salerno - fast 60 Kilometer entfernt von Neapel - untergebracht.

Den Wettbewerben - Stahlberg tritt mit Vanessa Riedmüller (Heidenheim/Hochschule Neu-Ulm) und Kristin Werner (Leverkusen/Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) im Team sowie im Einzel an - sieht sie relativ entspannt entgegen. Wohlwissend, dass anders als in Taipeh dieses Mal kurz vor der WM in Budapest (ab 15. Juli) wohl nicht die stärksten Fechterinnen der Welt auf der Planche stehen. Stahlberg geht in das letzte Turnier vor der sechswöchigen Sommerpause („Ich freue mich dann auch auf den Urlaub“) mit der Gewissheit, dass sie in den vergangenen Monaten den Kontakt zu den besten Fechterinnen wieder hergestellt hat. „Ich merke, dass es immer besser wird“, meint Stahlberg. Zuletzt gewann sie mit der Uni Frankfurt den Teamwettbewerb bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften. „Da waren zwei, drei richtig gute Teams dabei“, betont sie.

Bei der U23-EM in Bulgarien belegte sie als zweitbeste Deutsche hinter Riedmüller (12.) Platz 14, mit dem Team landete sie auf Rang sieben. Einen großen Anteil am Aufschwung rechnet sie Piotr Sozanski an. Der ehemalige Nationaltrainer, Vater von Monika Sozanska (FC Offenbach), ist Stahlbergs Coach in Heidenheim. „Ich fühle mich gut aufgehoben, wenn er auf der Bahn ist. Er hat viel Erfahrung, weiß, wie er mich zu nehmen hat“, lobt sie.

Henrik Rödl

Der gebürtige Offenbacher (50), der beim EOSC das Basketballspielen lernte, ist seit September 2017 Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Erfahrung als Coach von Uni-Auswahlen sammelte er bereits als Trainer der A2-Nationalmannschaft, die traditionell Deutschland bei Universiaden vertritt. Bei den Studentenspielen 2015 in Gwangju führte er dieses Team zur Silbermedaille, Auch als Spieler hat Rödl Edelmetall bei der Universiade gewonnen. 1989 holte er mit der Auswahl der BRD in Duisburg Bronze. Weil die Spiele in Neapel dieses Mal früher ausgetragen werden, kommt es zu keinen Terminkollisionen mit der A-Nationalmannschaft. Und so ließ es sich Rödl nicht nehmen, die A2-Auswahl zu begleiten. „Wichtiger als das Resultat ist die Entwicklung der Spieler“, betont Jochen Buschke, Leistungssportreferent des Deutschen Basketball-Bundes (DBB). Spieler wie Richard Freudenberg und Leon Kratzer (beide Frankfurt Skyliners) können solche Wettbewerbe nutzen, um das nächste Level zu erreichen. Und davon würde dann auch Henrik Rödl profitieren.

VON JÖRG MOLL

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