Undine-Ruderer Schmidt rückt nach CAS-Entscheid nach

Offenbacher als Cheftrainer bei Paralympics

Offenbach - Für Jochen Weber geht nach 25 Jahren Arbeit ein Traum in Erfüllung. Der Trainer der RG Undine Offenbach hat als Chefcoach der deutschen Paralympics-Ruderer ein Ticket für Rio (9. bis 11. September) sicher. Von Jörg Moll 

Der Offenbacher Jochen Weber ist erstmals als Verantwortlicher bei den Paralympics.

Mit im Flugzeug wird am 31. August auch sein Undine-Schützling Johannes Schmidt sitzen. Er ist als Nachrücker für die disqualifizierten Russen nominiert. Der Einsatz und die Mühen sind enorm, die Freude noch viel größer. „Das ist eine tolle Sache, dass ich erstmals dabei sein darf“, sagt Jochen Weber. Der 54-Jährige war vor vier Jahren bei Johannes Schmidts Einer-Auftritt in London nur als Zaungast dabei. Dieses Mal fährt er als Ruder-Cheftrainer des Deutschen Behindertensportverbandes an die Copacabana. Dort wird er persönlich den Vierer mit Steuerfrau betreuen. Seit zwei Wochen feilt er mit Susanne Lackner, Anke Molkenthin, Valentin Lutz, Tino Kolitscher und Steuerfrau Inga Thöne im Trainingslager in Ratzeburg daran, „das Boot schnell zu bekommen“. Das Ziel ist klar: „Wir wollen ins Finale der besten sechs Boote kommen“, erklärt Weber. Von Medaillen träumt er nicht, angesichts der Stärke der Konkurrenz aus USA, England und Kanada.

Es ist eine illustre Zusammensetzung, die Weber für das Boot zusammenbekommen hat, sie zeigt zugleich, mit welchen Problemen Weber zu kämpfen hat. Susanne Lackner (37/Darmstadt) beispielsweise ist Professorin für Umwelttechnik. Für die eingeschränkt Sehfähige bleibt wenig Zeit zum Training. Der blinde Tino Kolitscher (41/Halle) und Anke Molkenthin (54/Waging am See), die eine Behinderung am linken Bein in Folge einer Lähmung hat, haben die größte Erfahrung. 2012 saßen sie im Vierer, der in London paralympisches Silber gewann. Dagegen ist Valentin Lutz (21/Frankfurt), der eine Fußstütze tragen muss, ein echter Ruderspätzünder. Steuerfrau Inga Thöne ist als einzige nicht behindert. Sie saß zuvor im deutschen Achter, der die Olympia-Qualifikation verpasste.

„Die Anzahl der Nachwuchskräfte ist ein großes Problem“, sagt Weber, weshalb er auch noch nicht weiß, wie und ob er nach Rio beim DBSV weitermacht. „Im Herbst finden Gespräche statt“, sagt der studierte Betriebswirt, der ab September für eine Offenbacher Sicherheitsfirma arbeiten wird. Unverhofft kommt oft - das gilt in diesen Tagen für Johannes Schmidt. Der Undine-Ruderer, 2012 im Einer in London im Wasser, für 2016 aber in der Qualifikation gescheitert, ist vom DBSV nach dem Ausschluss Russlands als Nachrücker bestätigt worden. Nachdem der internationale Sportgerichtshof (CAS) den Einspruch Russlands abgewiesen hat, steht Schmidts zweiter Teilnahme an den Paralympics nach 2012 nichts mehr im Wege.

Eröffnungsfeier der Winter-Paralympics in Sotschi

Kurios: Schmidt wird in Rio mit einem russischen Boot starten. Weil das schon vor Ort ist und ein Transport per Flugzeug für sein Spezialboot 10 000 Euro kosten würde, fährt er nun im Boot der Verbannten. „Vom technischen Standard sind die Boote gleich, das ist also keine Umstellung“, sagt Jochen Weber. Der Undine-Coach traut seinem Offenbacher Schützling in Rio trotz der besonderen Umstände samt Hängepartie bis kurz vor dem Abflug einiges zu. „Das Finale der besten sechs ist auch für ihn drin“, glaubt Weber.

Rubriklistenbild: © dpa

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