Serie: Junge Athleten und Corona

Offenbacher Judoka Markus Seifert: „Süchtig nach Sport“

Fest zugepackt. Markus Seifert (rechts) vom Judoclub Samurai Offenbach in einem Bundesligakampf im September 2019 gegen den Leipziger Hannes Conrad.
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Fest zugepackt. Markus Seifert (rechts) vom Judoclub Samurai Offenbach in einem Bundesligakampf im September 2019 gegen den Leipziger Hannes Conrad.

Offenbach – Er zählte 2018 und 2019 zu den Stützen des JC Samurai Offenbach in der Judo-Bundesliga, kommt dazu aus dem eigenen Nachwuchs. Markus Seifert hatte 2020 zudem im Einzel große Ziele. Die deutschen Einzelmeisterschaften im Januar verpasste er wegen einer leichten Schulterverletzung – und dann kam Corona.

Markus, welche Auswirkungen hatte Corona auf Ihr sportliches Jahr?

Sehr, sehr große. Die Judo-Bundesliga mit der Mannschaft ist leider komplett ausgefallen. Das wäre für uns Offenbacher die dritte Saison in Folge im Oberhaus gewesen. Wir wollten uns weiter etablieren, zumal vor dem Auftakt in Großhadern ein schier unschlagbarer Gegner zurückgezogen hatte. Wir hätten weiter nach vorn kommen können, da bin ich mir sicher. Außerdem hatte ich mich im Dezember 2019 für die Studenten-EM 2020 in Belgrad qualifiziert und wäre dort gern angetreten. Aber da ging natürlich auch nichts.

In welchem Rahmen war es 2020 möglich, zu trainieren?

Im ersten Lockdown habe ich zuhause Krafttraining gemacht und war joggen. Im zweiten Lockdown übe ich regelmäßig, fast täglich, zum Beispiel die Technik mit meinem Trainingspartner Leon Ehmig. Aber wir können kein richtiges Kampftraining machen, das ist nicht erlaubt.

Was steht da zum Beispiel an?

Wir üben vor allem Grifftechniken und Würfe aus unterschiedlichen Kampfsituationen. Wir probieren da ziemlich viele Varianten aus. Wir halten uns zwar ordentlich fit, aber das ist nicht das Wahre.

Was zählt zu Ihren Stärken und Schwächen?

Ich habe einen dominanten Griff, bin zielstrebig, energisch, besitze selbst gegen stärkere Gegner den unbedingten Siegeswillen. Manchmal bin ich aber zu nervös, auch wenn man mir das gar nicht anmerkt. Und dann passieren Fehler.

Wie sehr fehlt einem das Training mit den Kollegen?

Mir fehlt das total. Für mich ist das extrem wichtig, mit vielen verschiedenen Trainingspartnern zu üben. Deshalb bin ich ja auch gern zu diesen großen internationalen Trainingslagern gefahren, da sammelst du Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen Gegnern, das bring dich weiter.

Haben Sie jetzt in dieser Phase ein Motivationsproblem?

Nein, denn ich bin süchtig nach Sport. Ich fühle mich schlecht, wenn ich keinen Sport machen kann. Ich nehme alles, was ich kriegen kann.

Was wünschen Sie sich aus sportlicher Sicht für 2021?

Ich mache mir für einen Kampfsport wie Judo keine großen Hoffnungen, da werde ich wenigstens nicht zu sehr enttäuscht.

Aber so ganz ohne Ziele sind Sie sicher nicht?

Die Deutschen Einzelmeisterschaften Ende Januar in Stuttgart fallen natürlich wieder aus, aber ich hoffe, sie werden irgendwann in diesem Jahr nachgeholt. Da würde ich schon gern eine Medaille holen.

Und die Judo-Bundesliga hat bereits die Termine 2021 veröffentlich mit dem Auftakt Offenbach gegen Rüsselsheim im April.

Das klingt zwar klasse, aber inwieweit das klappt, steht auf einem anderen Blatt.

Was wäre wenn?

Das wäre ein geiles Derby, wir hätten eine Chance. Aber selbst wenn wir kämpfen, dürfen vermutlich keine Zuschauer in die Halle. Die Fans machen es, sie sorgen für die Stimmung. Das Derby in einer leeren Halle – ich mag gar nicht dran denken. Andererseits wäre das nach den ganzen Monaten ohne Wettkämpfe besser als nichts. Ich bin da gerade zwiegespalten.

Das Gespräch führte Holger Appel

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