Offenbacher kämpft um Platz in Basketball-Bundesliga

Malik Müller vor großem Sprung

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Malik Müller (Mitte) im Bamberger Trikot beim Champions Cup gegen Oldenburg. 

Offenbach - Den nächsten Karriereschritt hat Malik Müller fest vor Augen: Der 21-jährige Offenbacher will in die Basketball-Bundesliga. Nach seinem Studienaufenthalt in den USA soll der Durchbruch bei Meister Bamberg gelingen.Von Jörn Polzin 

Im Interview spricht der Deutsch-Amerikaner über seine Anfänge beim EOSC, die lehrreiche Zeit an der Uni und das Leben in „Freak City“.

Herr Müller, Sie sind in Fort Lauderdale geboren, in Offenbach aufgewachsen, in Virginia aufs College gegangen und leben jetzt in Bamberg. Bleibt bei so vielen Stationen überhaupt noch Zeit zu reflektieren - zum Beispiel über Ihre Zeit in Offenbach und beim EOSC?

Oh ja, ich habe so viele Erinnerungen an Offenbach, dass es mir schwerfällt, einzelne Ereignisse herauszugreifen. Aber der EOSC ist der Ort, an dem ich gelernt habe, den Sport zu lieben. Wenn ich heute an Offenbach denke oder mal auf einen Besuch in der Halle vorbeischaue, fühle ich mich zu Hause und das wird sich nie ändern. Meine Mutter wohnt bis heute in Oberrad. Der nächste Besuch ist schon fest geplant.

Welche Rolle spielte die Ausbildung auf dem Langener Teilzeit-Internat für Ihre Karriere?

Ich war nicht lange dort, aber die Zeit war sehr hilfreich. Es wird dort nicht nur viel Wert auf die individuelle Förderung auf dem Feld gelegt, sondern auch im akademischen Bereich.

Einige Spieler versuchen direkt nach der Schule den Sprung ins Profigeschäft. Sie sind den Weg über die Universität von Virginia gegangen. Im Nachhinein der richtige Schritt?

Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, ans College zu gehen und die Erfahrung zu machen, auf dem höchsten Niveau in den USA zu spielen. Es war immer mein Ziel, nach dem Abitur an die Uni zu gehen und dort neben dem Studium Basketball zu spielen. Ich konnte mich erstmals mit den besten Spielern messen. Das hat mich körperlich, aber auch mental weitergebracht. Auch so hat mich das Leben am College geprägt.

Inwiefern?

Ich habe die Möglichkeit gehabt, extrem erfolgreiche und besondere Menschen kennenzulernen und Freundschaften zu schließen, die hoffentlich lange bestehen bleiben. Außerdem gab es verschiedene Veranstaltungen, bei denen man versucht, der Gemeinde etwas zurückzugeben und einen sozialen Beitrag zu leisten. Und das ohne Gegenleistung. Mein Basketball-Team hat zum Beispiel ein Camp für behinderte Kinder auf die Beine gestellt. Es tut gut, etwas zurückgeben und gleichzeitig reift man als Mensch.

Im Sommer verließen Sie vorzeitig die Uni und unterschrieben einen Dreijahresvertrag in Bamberg. Ein Schritt für die Karriere und gegen das Studium?

So würde ich das nicht sehen. Ich habe zwar noch zweieinhalb Semester Psychologie-Studium vor mir, aber das will ich entweder in Deutschland fortsetzen oder nach meiner Karriere dranhängen. Jetzt steht erstmal der Basketball im Fokus.

Welche Rolle spielte beim Wechsel nach Bamberg Ihr Förderer Fabian Villmeter, der das Farmteam Baunach trainiert?

Ich kenne Fabian noch aus meiner Zeit beim BTI in Langen. Der Kontakt ist nie abgerissen. Er war definitiv ein Faktor bei meiner Entscheidung. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass ich unter Fabian nur ein Jahr Doppellizenzspieler sein werde und er nicht der Hauptgrund für den Wechsel sein kann. Bamberg ist eines, wenn nicht sogar das beste Basketball-Programm in Deutschland.

Ein ambitionierter Schritt...

Das stimmt. Aber ich wusste, dass sich mir hier eine erstklassige Situation bietet, die mich meinem Ziel näherbringen kann. Ich finde hier optimale Bedingungen vor.

Inwieweit können die Einsätze für Baunach in der ProA da weiterhelfen?

Baunach ist eine tolle Adresse für junge Spieler. Hier wird der Fokus nur auf die Ausbildung gelegt. Das sieht man vor allem daran, dass wir nur einen Amerikaner im Team haben. So müssen junge deutsche Spieler Führungsrollen übernehmen. Das ist sehr selten.

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Fabian Villmeter traut Ihnen den Sprung ins Profi-Geschäft zu. Er meint, dass Sie in anderen Klubs bereits zur Rotation zählen könnten. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Ich bin seit Beginn der Vorbereitung fest ins Training der ersten Mannschaft integriert, habe in allen Vorbereitungsspielen gespielt und mich zeigen können. Natürlich ist der Konkurrenzkampf groß. Ich muss mich mit Nikos Zisis und Darius Miller messen, die schon in europäischen Top-Teams oder in der NBA gespielt haben. Aber wenn ich mich als einer der jüngsten Spieler im Kader jeden Tag mit solchen Spielern messen darf, entwickele ich mich jeden Tag weiter. Nach diesem Jahr bin ich sicher, mich in der ersten Liga etablieren zu können.

Sie fühlen sich also in Bamberg richtig angekommen?

Es macht hier großen Spaß. Bamberg ist für jeden deutschen Basketballer ein Traum. Nicht umsonst wird die Stadt Freak City genannt. Hier ist die Halle jedes Spiel ausverkauft und es ist fast unmöglich, durch die Stadt zu laufen, ohne erkannt zu werden. Ich liebe diese Stadt. Aber natürlich nicht so sehr wie Offenbach (lacht).

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