In nur einem Jahr von null auf 100

Offenbacher Kai Wullbrandt steht als Quereinsteiger im German Bowl

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Im Winter hütet Kai Wullbrandt (Mitte) bei der TSG Bürgel das Handball-Tor. Im Sommer hat Football Priorität, allerdings erst seit einem Jahr. Damals begann er bei den Rhein-Main Rockets in der 5. Liga, nun spielt er um die deutsche Meisterschaft.

Offenbach - Von der fünften Liga ins Finale um die deutsche Football-Meisterschaft: Dem Offenbacher Kai Wullbrandt ist dieser gewaltige Schritt innerhalb eines einzigen Jahres gelungen – als Quereinsteiger. Von Christian Düncher 

Am Samstag (18 Uhr, Sport1) steht er mit Frankfurt Universe im German Bowl. Der Gegner in Berlin ist der Titelverteidiger: die Schwäbisch Hall Unicorns. Kai Wullbrandt bringt die Situation mit einem Wort auf den Punkt: „Unfassbar!“ Seine Geschichte ist in der Tat kaum zu glauben. Er hat im Football nämlich in rekordverdächtiger Zeit Karriere gemacht: vom absoluten Anfänger zum Teilnehmer am Endspiel im die deutsche Meisterschaft. Dabei ist Wullbrandt eigentlich Handball-Torwart. Weil er sich bei der TSG Bürgel jedoch mit dem Trainer der ersten Mannschaft überworfen hatte, spielt er nur noch in der Reserve – im Winter. Im Sommer hat Football Priorität, aber erst seit relativ kurzer Zeit. „Ich habe vergangenes Jahr damit angefangen“, berichtet Wullbrandt, der zwischendurch auch mal für den Boxclub Nordend Offenbach aktiv war.

Die ersten Erfahrungen im Spiel mit dem Leder-Ei sammelte der 24-Jährige vergangene Saison bei den Rhein-Main Rockets, die damals in der fünftklassigen Landesliga spielten. „Er fiel mir gleich auf“, erinnert sich Vereinsvorsitzender Thorsten Kruppka. Wullbrandt bringe „alles mit, was ein guter Offensive-Line-Spieler benötigt. Neben Herz, Respekt und Disziplin sind sein Fleiß und Ehrgeiz zu nennen“.

Bei den „Men in Purple“ sah man das ähnlich. Nach einem Probetraining bekam Wullbrandt ein Angebot. „Die waren recht begeistert von mir“, erinnert er sich. „Natürlich denkt man darüber nach, ob das nicht alles zu hoch ist. Im Training herrscht jedoch ein ganz anderes Niveau. Dort lernt man unheimlich viel, für mich hat sich das bisher ausgezahlt.“ Die Zahlen belegen das. Im Kader der Universe stehen 17 Offensive-Line-Spieler, aber es gibt lediglich fünf Startplätze. Wullbrandt ist inzwischen erster Ersatzmann und kommt regelmäßig zum Einsatz. Dabei ist er auf dieser Position mit seinen 119 Kilogramm „eher ein Leichtgewicht“, so Kruppka. „Seine physischen und psychischen Eigenschaften haben ihm dabei geholfen, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Er hat seine technischen Fähigkeiten weiter verfeinert.“

Wullbrandt, der von Kruppka als „ruhiger, wissbegieriger Typ“ beschrieben wird, der „hart auf und neben dem Platz“ sei, weiß, dass er vor allem in körperlicher Hinsicht noch zulegen muss. „135 Kilogramm sind auf dieser Position ganz gut. Ich will versuchen, es mit 130 zu schaffen und mir meine Schnelligkeit zu bewahren, die ist mein Vorteil“, sagt er.

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Und wie geht es ihm als Offenbacher in Frankfurt? „Ab und zu wird von den Kollegen mal ein Spaß gemacht. Das bezieht sich aber eher darauf, dass ich in Offenbach unterklassig gespielt habe“, berichtet Wullbrandt. Insgesamt sei das Team eine große Gemeinschaft. „Das Insolvenzverfahren hat uns noch einmal näher zusammenrücken lassen. Wir haben versucht, uns auf das zu konzentrieren, was wir beeinflussen können: den Sport.“ Und das gelang außerordentlich gut. Der 2007 gegründete Klub steht erstmals im German Bowl und trifft dort am Samstag auf den Dauerfinalisten der vergangenen Jahre und amtierenden Meister Schwäbisch Hall Unicorns.

In der Gruppenphase standen sich beide Teams schon zweimal gegenüber. „Wir haben zwei Mal durch blöde Fehler verloren. Ich denke daher, dass die Tagesform entscheidend sein wird“, meint Wullbrandt. Die Rockets drücken ihm die Daumen. „Dass ein Offenbacher im German Bowl steht, ist für uns eine tolle Werbung, da wir ja selbst wieder neue Talente suchen“, so Kruppka. „Wir freuen uns sehr über seine Entwicklung.“ Florian Bambuch, der Offensiv-Coach von Frankfurt Universe, traut ihm kommende Saison einen Startplatz zu. Das wäre das nächste Kapitel in dieser unfassbaren Geschichte. Aber vielleicht kommt vorher ja noch der Sieg im German Bowl in Berlin hinzu.

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