Wie Olympische Spiele im Klein-Format

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Schlangenmensch. Die Sportgymnastin Anna Gurbanova aus Aserbaidschan bei den World Games in Taiwan.

Offenbach - Vor rund 20 Jahren war sie in Topform. Die Offenbacherin Heike Marklein vom RC Adler Dietesheim gewann 1986 und 1989 den WM-Titel im Einerkunstradfahren. Die heute 41-jährige Diplom-Verwaltungswirtin des Kreises Offenbach holte zudem 1989 in Karlsruhe die Goldmedaille bei den World Games. Zurzeit laufen die World Games 2009 im taiwanesischen Kaohsiung. Von Holger Appel

Heike Marklein, wissen Sie welches sportliche Großereignis zur Zeit in Taiwan stattfindet?

Ja, die World Games.

Das weiß man wohl als ehemalige Siegerin, oder?

Nein. Ich gebe ganz ehrlich zu: Ich bin durch Zufall beim Surfen im Internet darauf gestoßen.

Heike Marklein

Warum finden die World Games fast unbemerkt von der Öffentlichkeit statt?
Da laufen nunmal Sportarten, die nicht weltweit im Fokus stehen. Da ist es klar, dass die Spiele nicht entsprechend in den Medien gewürdigt werden. Was allerdings sehr schade ist, denn da werden gleichwohl Wahnsinnsleistungen geboten. Die Sportler hätten sicher mehr Resonanz verdient.

Bei Ihnen war das noch anders...

...ja, aber vermutlich auch nur, weil die World Games in Deutschland stattfanden und nicht am anderen Ende der Welt.

Was haben die World Games 1989 für Sie bedeutet?

Für mich waren das Olympische Spiele in etwas kleinerem Format. Der Höhepunkt meiner Karriere. Sogar Prinz Albert saß auf der Tribüne. Man hat Kontakt zu vielen anderen Sportlern aus ganz unterschiedlichen Sportarten bekommen. Das war sehr beeindruckend, ist bei mir noch immer sehr präsent.

Wie kamen die Kontakte zustande. Bei Olympischen Spielen gibt es das Olympische Dorf. Und bei den World Games?

Wir waren in normalen Hotels vor Ort untergebracht, aber auf den Sportanlagen und in der ganzen Stadt war viel geboten. Da hat man Zelte als Treffpunkte aufgebaut, in denen zum Beispiel auch Konzerte liefen. Das war schon richtig klasse.

Genau wie Ihr Wettkampf. Berichten Sie doch bitte mal von Ihrem großen Tag.

Ich war wahnsinnig aufgeregt, habe mich am Ende der Kür zu allem Überfluss verletzt.

Was war passiert?

Ich habe mir einen Finger zwischen den Speichen des Vorderrades geklemmt. Der Finger ist sofort dick und blau geworden. Aber ich wollte eine Topleistung bringen und gewinnen. Also habe ich alles ausgeschaltet, mich voll auf meinen weiteren Wettkampf konzentriert und es letztendlich auch geschafft. Platz eins vor Jana Horachkova aus der Tschechoslowakei und Marianne Martens aus der Schweiz.

Danach stand Einerkunstradfahren nie mehr bei World Games auf dem Programm. Wieso das?

Jedes ausrichtende Land darf bei World Games so genannte Einladungssportarten benennen. Da nimmt man natürlich Sportarten, in denen man sich Hoffnungen auf Medaillen machen kann. Und so konnten wir Kunstradfahrer 1989 in Karlsruhe antreten. Wir haben immerhin vier von fünf Goldmedaillen geholt. Ich denke, wir haben das Vertrauen gerechtfertigt.

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