Der Oldie zwischen den Pfosten

Peter Kis in seinem Element: Der 49-Jährige hütet regelmäßig in Punktspielen das Tor der Wasserball-Startgemeinschaft Offenbach/Frankfurt. Foto: Roskaritz

Offenbach - Alexander Tchigir ragt heraus - nicht nur körperlich. Der 1,91 Meter große Torwart des deutschen Wasserball-Nationalteams ist mit 43 Jahren der Methusalem bei der Europameisterschaft in Eindhoven, aber keineswegs der älteste noch um Punkte spielende Akteur. Von Christian Düncher

Beste Chancen auf diesen Titel dürfte nämlich ein Offenbacher haben.

Peter Kis stammt wie der in Moskau geborene Tchigir aus Osteuropa, ist ebenfalls Torwart, aber mit 49 Jahren und zehn Monaten noch ein ganzes Stück älter als der vielleicht beste Wasserball-Schlussmann der Welt. Das hindert den Ungarn jedoch nicht daran, regelmäßig beim Zweitligisten SG Offenbach/Frankfurt das Tor zu hüten. „Ich spiele immer noch gerne und hoffe, dass ich der Mannschaft helfen kann“, sagt Kis.

Alexander Tchigir - 43 Jahre.

Er kann. In Egon Molnar (Jahrgang 1988) hat die SG zwar einen weiteren Torwart, „der im Training hervorragend hält“, sagt Trainer Janusz Gogola. „Im Spiel ist Peter aber besser. Er weiß, wie er die Abwehr stellen muss, ist ruhig und genießt den Respekt seiner Mitspieler.“ Zudem bringt der ehemalige ungarische Junioren-Nationalspieler alle körperlichen Voraussetzungen für den Job zwischen den Pfosten mit. Der 1,86 Meter große Torwart wirke zwar manchmal ein bisschen phlegmatisch, sagt Gogola. „Aber er macht im Wasser sehr schnelle Bewegungen zum Ball. Und er hat Hände wie Teller - groß und dick. Wenn er für den Winter Handschuhe braucht, muss er die größten nehmen, die es zu kaufen gibt“, erzählt der SG-Trainer, der Kis bereits lange kennt und ihn vor einem Jahr nach Offenbach lotste.

Ex-Profi wohnt auf der Rosenhöhe

Der Ex-Profi wohnt auf der Rosenhöhe ganz in der Nähe des Schwimmbads und arbeitet tagsüber in Frankfurt als Elektriker. Am Abend steht für ihn dann Training auf dem Programm - dreimal pro Woche eine Stunde. „Das ist für mich genug“, sagt Kis. „Eigentlich trainieren wir viermal pro Woche anderthalb Stunden. Aber ich bin ja kein junger Spieler mehr. Außerdem müssen Torhüter eine andere Kondition haben. Wir schwimmen nicht viermal vor und zurück, sondern machen viel mit den Augen. Dank meiner Routine weiß ich manchmal schon vorher, wann jemand passt oder schießt“, meint Kis, der bereits seine 29. Saison spielt. Ob noch eine weitere Runde folgt, hat er noch nicht entschieden - im Gegensatz zu Tchigir, der nach der EM seine Karriere beendet. „Ich habe keinen Plan, wie lange ich noch spielen will“, betont Kis. „Wenn ich mich gut fühle, hänge ich noch eine Saison dran - aber immer nur eine.“

Dass die beiden Torhüter trotz ihres Alters immer noch Leistungsträger sind, wundert Gogola nicht: „Peter Kis und Alexander Tchigir sind extrem fit, trinken keinen Alkohol, rauchen nicht und waren nur selten verletzt.“ Kis hatte unlängst zwar mal Schulterschmerzen. „Aber jetzt ist alles in Ordnung“, versichert er und wird somit im nächsten Ligaspiel am 25. Februar beim VfB Friedberg wieder das Tor hüten - 22 Tage vor seinem 50. Geburtstag.

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