Pierce erfüllt sich in Langen Profi-Traum

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Alissa Pierce (Mitte) überspringt wie hier gegen Wolfenbüttel auch immer wieder deutlich größere Spielerinnen und ist so die erfolgreichste Korbschützin der ersten Liga.

Langen ‐ Der 105:72-Kantersieg im Kellerduell der Frauen-Bundesliga gegen WWK Donau-Ries war für die Rhein-Main Baskets besonders wichtig. Durch den klaren Sieg gegen den direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt haben sie die Abstiegsplätze verlassen. Von Stefan Moritz

Auch den direkten Vergleich mit dem Team aus Nördlingen dürften sie für sich entschieden haben, der bei Punktgleichheit am Rundenende über die Platzierung entscheiden würde. 32 und damit fast ein Drittel der Korbpunkte der Baskets hat dabei Flügelspielerin Alissa Pierce erzielt, die 15 ihrer 17 Würfe getroffen hat (88 Prozent). „Das war mein bestes Spiel hier, von der Statistik, aber auch von der Energie und den Emotionen, mit denen ich das Team mitreißen soll“, sagt die 23 Jahre alte Profi-Basketballerin aus den USA. „Meine Punktausbeute ist aber gar nicht so wichtig. Ich versuche, dem Team zu geben, was es braucht, damit wir gewinnen. Manchmal muss ich dafür 20, 30 Punkte beisteuern, manchmal nur 15 und dafür öfter den Ball erobern, mehr Rebounds holen.“

Mit der Verpflichtung der 1,82 Meter großen, extrem sprungstarken Modellathletin, die auf den Flügelpositionen und auch als Spielmacherin eingesetzt wird, ist dem Baskets-Trainerduo Steffen Brockmann/Natalie Deetjen vor fast genau einem Jahr ein Volltreffer gelungen. „Wir waren zunächst ohne Amerikanerin in die Zweitligasaison gegangen. Als ich dann zum Winter das finanzielle Okay bekam, habe ich Cissy gefunden, die bis dahin noch nirgendwo untergekommen war, was sie für uns bezahlbar machte“, erinnert sich Brockmann. „Sie hatte vier Jahre unter einer sehr guten Trainerin für die Stanford Universität gespielt, war dort als Nummer zwei hinter einer noch besseren Spielerin aber nur auf rund zehn Einsatzminuten pro Spiel gekommen und ist vielleicht deshalb anderen Spähern nicht aufgefallen.“

Neun Monate ohne Spielpraxis

Nach neun Monaten ohne Spielpraxis war sie in den ersten Spielen der Baskets sehr nervös. „Ich wollte es zu gut machen“, erinnert sich Pierce. Im vierten Spiel, beim 93:81 in Sandhausen, platzte der Knoten und mit durchschnittlich 18,8 Punkten in den restlichen Partien hatte Pierce maßgeblichen Anteil am Aufstieg in die erste Liga. Weil sie sich wohl fühlt in Langen und die Baskets wohl auch ihr Honorar aufbesserten, kam sie nach der Sommerpause im heimischen Littleton/Colorado zurück und ist nun mit 22 Punkten pro Spiel zur besten Korbschützin der Liga geworden. „Sie ist mit der größeren Herausforderung noch einmal stärker geworden, lässt sich auch von guten Gegenspielerinnen einfach nicht stoppen. Das ist wirklich beeindruckend“, lobt Brockmann.

Seit ihrem sechsten Lebensjahr, also in den letzten 17 Jahren, spielt sie intensiv Basketball. Zunächst unter Anleitung ihres Vaters, später an der renommierten Stanford-Universität in Kalifornien, wo sie auch ein Biologie-Studium abschloss. Bei den Baskets macht die nach Basketball verrückte Frohnatur, neben Teamtraining und Krafteinheiten bis zu drei Mal pro Woche individuelles Wurftraining.

Der Klassenerhalt ist das große Ziel für diese Saison

Ich liebe es, Basketball zu spielen. Das ist meine Leidenschaft. Das Leben als Profi war mein Traum“, sagt Pierce, die mittlerweile in der Wohngemeinschaft der Basketball-Profis in Langen heimisch geworden ist und in ihrer Freizeit mit Deutsch die dritte Sprache nach Englisch und Spanisch lernt und Klavier und Keyboard spielt.

Am Sonntag (15 Uhr) will sie die Baskets beim punktgleichen Tabellenvorletzten SG BBZ Opladen zum vierten Saisonsieg führen. „Wir sind mittlerweile konkurrenzfähig, auch wenn wir uns vor allem in der Verteidigung und Konstanz noch weiter verbessern können und müssen.“ Ein Sieg der Baskets wäre ein weiterer Schritt Richtung Klassenerhalt.

Der Klassenerhalt ist das große Ziel für diese Saison, wie es danach weiter geht, ist vollkommen offen. „Durch ihre starken Leistungen wird Cissy sicher auch andere Angebote bekommen. Da müssen wir sehen, ob wir da mithalten können“, sagt Brockmann. Alissa Pierce jedenfalls will Basketball spielen, so lange ihr Körper das zulässt. Sie könnte aber vielleicht auch dem Reiz erliegen, noch ein anderes Land in Europa kennen zu lernen.

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