MOTORRAD Langener Frank Fischer und Dreieicher Fabian Fritsch fahren in Amateurserie

Für Podestplatz gibt’s eine Bremspumpe

Rivalen nur auf der Rennbahn: Frank Fischer (rechts) und Fabian Fritsch schrauben nicht nur an Rennwochenenden gemeinsam am Motorrad. Foto: Privat

Langen/Dreieich – An der Wand der kleinen Werkstatt hat Frank Fischer seine Schraubenschlüssel ordentlich aufgehängt. Rechts neben der Werkbank liegt ein Motor, den er in seine Maschine einsetzen will. VON JOSHUA BÄR

Der Langener kniet mit seinem Kumpel Fabian Fritsch aus Sprendlingen vor seiner Suzuki, die er über den Winter auseinandergebaut hat und nun für den April wieder startklar machen will. Die beiden Freunde werden dann bei der Motorradrennserie German Moto Masters fahren, die von April bis September in drei Ländern ausgetragen wird. Zusammen mit knapp 30 weiteren Mitstreitern gehen die beiden in der Klasse 750 Kubikzentimeter an den Start.

Kennengelernt haben sie sich über einen gemeinsamen Bekannten. „Ich sollte ihm meine Hebebühne fürs Motorrad leihen und dann trafen wir uns zur Übergabe in Franks Werkstatt“, beschreibt Fritsch das erste Zusammentreffen. Danach sind die Freunde oft zusammen gefahren. Ihre Leidenschaft für Motorräder haben beide schon in ihrer Jugendzeit entwickelt. „Ich hatte schon mit 15 ein Mofa und mit 16 dann meine erste 125er-Maschine“, erzählt Fischer. Fürs Rennfahren begeisterte er sich im Fernsehen.. „Ich habe viel MotoGP geguckt und fand es faszinierend, wie die so schräg in den Kurven lagen. Das wollte ich auch können.“ Also machte er über den ADAC ein Kurventraining am Hockenheimring. Danach war er Feuer und Flamme. Er kaufte sich sein erstes Rennmotorrad. „Das ist immer noch die Suzuki, die hier in der Werkstatt steht.“

Auch Fritsch liegt als Mechaniker einer großen Werkstatt das Motorradfahren im Blut. Seine Tante Martina ist sogar schon in der Sahara gefahren. „Dort fährt man mit komplett platten Reifen durch den Sand“, erzählt er.

Beim German Moto Masters sind die Reifen voll aufgepumpt. Fischer fährt dort seit 2016. Im selben Jahr feierte er auch seinen ersten Sieg in Oschersleben (bei Magdeburg.) Der Projektmanager einer Versicherung musste aber auch mit Rückschlägen leben. „2017 war mein bisher schwerstes Jahr. Da hatte ich leider diverse Stürze und Verletzungen. Ich habe mir das Schlüsselbein gebrochen und einen Kreuzbandriss im Knie“, berichtet er. 2019 kehrte er zurück auf die Bahn - und holte den dritten Platz in der Gesamtwertung.

Für Fritsch ist es die Premierensaison. Er ist dafür extra von einer 600 Kubikzentimeter-Maschine in die stärkere Klasse umgestiegen. „Frank hat mich dazu überredet“, erklärt er. Obwohl am Masters keine Profis teilnehmen, herrschen bei den Rennen echte Wettkämpfbedingungen. „Auf der Strecke sind wir harte Konkurrenten“, sagt Fischer. Vor und nach den Läufen ist man aber freundschaftlich unterwegs. „Wenn du ein Problem an der Maschine hast oder etwas repariert werden muss, helfen dir die anderen Teilnehmer“, berichtet Fritsch. Die Rennwochenenden werden in Brünn, Most (beides in Tschechien), am Lausitzring (Oberspreewald-Lausitz), dem Slovakiaring, in der Nähe von Dunajská Streda (Slowakei), und in Oschersleben ausgetragen.

Fischer gibt sich dieses Jahr nicht mit dem dritten Platz der Vorsaison zufrieden. „Letztes Jahr war es schon sehr eng. Dieses Jahr aber gewinne ich die Serie“, gibt sich der Langener selbstbewusst. Fritschs Ziel in seinem Premierenjahr ist ebenfalls ambitioniert. „Für ganz vorne wird es nicht reichen, aber wenn ich mich schnell an das Motorrad gewöhne, ist ein Platz zwischen drei und fünf möglich“, sagt er.

Der Platz auf dem Podium würde sich für beide lohnen, denn sie müssen (fast) alles aus eigener Tasche bezahlen. „Mit Sponsoren ist es schwierig“, meint Fischer. Fritsch hatte das Glück, einen Rabattgutschein von einem Reifenhersteller zu bekommen. Fischer bekam für seinen dritten Platz eine Bremspumpe. Unter den Sachpreisen, die die besten zehn der Serie bekommen, waren auch neue Helme oder ein neuer Satz Reifen dabei. „Eben Dinge, die nützlich sind“, sagt Fritsch.

Die Vorbereitung auf die Masters ist für die beiden sehr zeitaufwendig. „Wir trainieren das ganze Jahr nonstop mit unseren kleinen Motocross-Maschinen, den Pitbikes“, sagt Fischer. Wenn es warm ist, fahren sie auf den großen Outdoor-Kartbahnen in Walldorf oder auf dem Odenwaldring bei Schaafheim. Bei kälteren Temperaturen verschlägt es die beiden auch mal in den Süden. Dann geht es auch mal für eine Woche ins Trainingslager nach Spanien. Um die Rennen simulieren zu können, ist das Fahren auf einer Rennstrecke aber unverzichtbar. Daher trainieren sie auch mit ihren großen Maschinen, dann allerdings „auf großen, offiziellen Rennstrecken wie etwa auf dem Hockenheimring“.

Fabian Fritsch stärkt sein Gefühl für die verschiedenen Beläge gelegentlich auch beim Moto-Cross. Dafür wird in Bauschheim extra ein Festzelt aufgebaut, in dessen Innenraum Bagger mit Sand Hügel aufschütten.

„Wenn du vorne dabei sein will, musst du permanent dabei sein, du musst ständig auf der Maschine sitzen“, betont Fischer. Sein Chef und seine Frau haben großes Verständnis fürs zeitaufreibende Hobby. „Meine Frau kommt ab und zu mit zu den Rennen. Unser Sohn findet das natürlich auch spannend.“ Gelingt dann noch der Sprung aufs Podest, hat sich für Frank Fischer und Fabian Fritsch die Mühe richtig gelohnt.

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