Aus der Regionalliga zur WM

Rugby: Spielertrainer des BSC will Deutschland zur Premiere verhelfen

+
„So eine Chance bekommt man vielleicht nur einmal im Leben“, sagt Wynston Cameron-Dow (Mitte). Der Spielertrainer des BSC Offenbach will dem deutschen Rugby-Nationalteam beim Turnier in Marseille dabei helfen, erstmals das WM-Ticket zu lösen. 

Offenbach - Er ist in der untersten Spielklasse aktiv, soll dem deutschen Rugby-Nationalteam jedoch zum bislang größten Erfolg verhelfen: der ersten WM-Teilnahme. Wynston Cameron-Dow (29, BSC Offenbach) steht im Kader fürs Turnier in Marseille, bei dem die DRV-Auswahl ab Sonntag gegen Kanada, Kenia sowie Hongkong um das letzte Ticket für die WM 2019 in Japan kämpft. Von Christian Düncher

Im Interview spricht der gebürtige Südafrikaner über seine ungewöhnliche Rolle, die Chancen des Teams und die möglichen Folgen der Qualifikation.

Wynston Cameron-Dow, ein Spielertrainer aus der Regionalliga in der Nationalmannschaft und dann auch noch in der WM-Qualifikation – das klingt ungewöhnlich.

Das ist es auch. Ich wurde eigentlich für die 2. Liga als Spieler geholt (Anm. d. Red.: Offenbach wurde aber der Aufstieg verweigert) und um den Nachwuchs zu coachen. Als Trainer Lofty Stevenson aufhörte, hat man mich gebeten, die Aufgabe zu übernehmen. Das Team nimmt es gut an. Ich gebe aber zu, dass ich ein paar Extraschichten machen muss, um auf dem Level zu bleiben, der es mir erlaubt, in der Nationalmannschaft zu spielen. Es geht jedoch nicht nur um Fitness. Auch das Tempo ist in der Bundesliga viel höher.

Deutschland hat es noch nie geschafft, sich für die WM zu qualifizieren. Warum wird es diesmal klappen?

Die Entwicklung in den vergangenen Jahren spricht für Deutschland. Die Mannschaft ist in der Weltrangliste gewaltig geklettert und hat unvergessliche Siege verbucht wie zum Beispiel in Offenbach gegen Rumänien. Dadurch wurde die Basis für den jetzigen Kader gelegt. Und dann kam auch noch ein neuer Trainer.

Mike Ford, der extra für das Turnier in Marseille verpflichtet wurde, hat Klubs in England und Frankreich zum Titel geführt und war Teil des Trainerteams der Auswahl der besten britischen und irischen Spieler. Wie wichtig ist er in diesem Puzzle?

Wir lernen viel von ihm. Er bringt neue Sichtweisen und Aspekte mit und zeigt uns, wie wir unsere individuellen Fähigkeiten verbessern können. Ich habe schon in einigen Ländern auf hohem Niveau gespielt. Aber wie er einem zeigt, wie man den Gegner ausguckt und zu Boden bringt – das ist auch für mich eine neue Dimension.

Früher profitierte die DRV-Auswahl davon, dass der Großteil des Kaders beim Heidelberger RK spielte. Das ist seit dem zwischenzeitlichen Streit zwischen DRV und Mäzen Hans-Peter Wild nicht mehr der Fall. Welche Auswirkungen hat das?

Das hat natürlich für ein paar Probleme gesorgt. Einige sind nun im Ausland aktiv und erst am Montag zum Team gestoßen. Es wäre besser gewesen, wenn wir sie während der gesamten Vorbereitung dabei gehabt hätten. Aber damit müssen wir umgehen.

Wie stehen die Chancen für Deutschland in diesem Vier-Nationen-Turnier?

Kenia haben wir schon mal geschlagen. Sie haben ein gutes Team mit starken Läufern. Unsere Stärken liegen hingegen in der Verteidigung und der Fitness. Die Kanadier sind der schwierigste Gegner. Sie haben großartige Spieler, die zum Teil in Englands Topliga spielen. Hongkong sollte am ehesten schlagbar sein, ist jedoch der Auftaktgegner. Und das erste Spiel ist immer am schwersten.

Sollte sich Deutschland für die WM qualifizieren, würde es in der Vorrunde unter anderem auf Titelverteidiger Neuseeland und Ihr Geburtsland Südafrika treffen. Inwiefern ist das eine zusätzliche Motivation?

An einer WM teilzunehmen, ist immer eine Ehre. Wir würden natürlich in einer harten Gruppe landen. Das wäre jedoch auch eine großartige Erfahrung.

Die „All Blacks“ aus Neuseeland haben zuletzt mit ihrer zweiten Garde WM-Gastgeber Japan 69:31 vermöbelt. Und Japan steht in der Weltrangliste weit vor Deutschland. Bekommt man es da nicht mit der Angst zu tun?

Nein, als Rugbyspieler hat man keine Angst. Aber natürlich weiß man, was die „All Blacks“ in 80 Minuten mit einem anstellen können. Ich denke trotzdem, dass die Erfahrung, einmal gegen diesen Gegner zu spielen, für das Nationalteam und Deutschland nicht hoch genug einzuschätzen wäre.

Rugby-Nationalmannschaft verliert gegen Georgien

Welchen Wert hätte die erstmalige Teilnahme an der WM für Rugby-Deutschland?

Erstens wäre das sehr wichtig für die Zukunft von Rugby in Deutschland. Man hätte damit einen Fuß auf die internationale Landkarte gesetzt und würde dort in den nächsten Jahren viel intensiver wahrgenommen werden. Zweitens wäre es natürlich wertvoll für die Nachwuchsarbeit. Kinder würden sehen, wie die Sportart auf internationaler Ebene wahrgenommen wird. Außerdem hätten sie nationale Idole, zu denen sie aufschauen könnten. Auch deshalb wäre es ein großartiger Erfolg.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare