EM-Serie

Reise durch Europa: Das nordmazedonische Fußball-Talent

Leidenschaft und Beruf: Marco Ferukoski ist Fußball-Profi bei FC Bayern Alzenau und Jugendnationalspieler Nordmazedoniens.
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Leidenschaft und Beruf: Marco Ferukoski ist Fußball-Profi bei FC Bayern Alzenau und Jugendnationalspieler Nordmazedoniens.

Marco Ferukoski hat selbst schon das Trikot der nordmazedonischen Nationalmannschaft getragen. Die Offensivkraft des Regionalligisten Bayern Alzenau hat die Jugend-Nationalteams bis zur U21 durchlaufen und freut sich sehr, dass Nordmazedonien zum ersten Mal an einer Europameisterschaft teilnimmt.

Frankfurt/Alzenau – Nordmazedonien hat das Ticket für die Europameisterschaft im Nachsitzen gelöst, denn die Mannschaft von Cheftrainer Igor Angelovski hat sich durch das 1:0 gegen Georgien im Playoff-Finale qualifiziert. Ein historisches Ereignis für den Fußball-Zwerg. Stets mitgefiebert hat der 21-jährige Frankfurter Marco Ferukoski, der die Spiele im Livestream verfolgt hat.

„Ich war sehr aufgeregt und habe mitgefiebert. Ich denke, dass die Teilnahme an der EM dem nordmazedonischen Fußball einen extra Schub geben wird“, sagt der offensive Mittelfeldspieler von Bayern Alzenau, der seit 2015 Teil des professionellen nordmazedonischen Fußballs ist. 2015 wurde der gebürtige Frankfurter zum ersten Mal zu einem Lehrgang mit der Jugend-Nationalmannschaft nach Nordmazedonien eingeladen. Seitdem hat er mehrere Länderspiele bestritten und wurde auch in die U21 berufen. Marco Ferukoski hat also die fußballerische Entwicklung des Landein den vergangenen Jahren live miterlebt: „Im ersten Jahr habe ich einen großen Unterschied gemerkt, finanziell und strukturell. Zu Deutschland beträgt der Unterschied natürlich Welten, aber Nordmazedonien hat in den letzten vier bis fünf Jahren aufgeholt.“ Die erste Teilnahme an der EM wird für einen weiteren großen Schritt sorgen, ist sich der 21-Jährige sicher.

Lange Zitterpartie bis zur EM-Quali

Bis der historische Moment geschafft und die Qualifikation sicher war, musste die Mannschaft ganz schön zittern. In einer Qualifikationsgruppe mit Polen, Österreich, Slowenien, Israel und Lettland wurde Nordmazedonien Dritter – hinter Polen und Österreich. Über die Nations League schaffte Nordmazedonien, das noch als Mazedonien an der Nations League teilnahm, den Sprung in die Playoffs. Dort setzte sich der Balkan-Staat, der nach einem Namensstreit mit Nachbar Griechenland seit dem 12. Februar 2019 Republik Nordmazedonien heißt, in der Gruppenphase gegen Gibraltar, Armenien und Liechtenstein durch. Im Halbfinale wurde Kosovo mit 2:1 bezwungen, womit der Weg ins Playoff-Finale geebnet war. Durch ein Tor von Goran Pandev vom italienischen Erstligisten FC Genua schafften die „Roten Löwen“ schließlich Historisches.

Bei der Europameisterschaft erwartet Marco Ferukoski keine weiteren Wunder. „Die Gruppe ist schon schwer, aber wir haben nichts zu verlieren. Ich glaube nicht, dass wir über die Gruppenphase hinauskommen, das wäre ein Bonus. Wenn wir uns einen Namen machen, bin ich schon zufrieden.“ In Gruppe C bekommt es Nordmazedonien mit Österreich, Niederlande und der Ukraine zu tun.

Freude pur herrschte nach dem gewonnenen Playoff-Finale bei den Nordmazedoniern. Die historische EM-Quali hat das Team auf dem Platz ausgelassen gefeiert.

Auch mal für die A-Nationalmannschaft auf dem Platz zu stehen, ist ein Ziel des jungen Fußball-Profis. Aber nicht das vorrangige. „Das ist natürlich ein Ziel, aber ich will mich erst mal in Alzenau durchsetzen. Für die Nationalmannschaft zu spielen, ist da nur ein Hintergedanke“, sagt Marco Ferukoski über seine persönlichen Ziele im Fußball.

Kein normaler Liga-Alltag in der Regionalliga

Und die aktuelle Saison in der Regionalliga Südwest stellt den jungen Profi immer wieder vor Hindernisse, die besonders den Geist fordern. „Man weiß nicht, was passiert und muss von Tag zu Tag schauen. Spiele werden teilweise am Spieltag selbst noch abgesagt. Das ist ein bisschen unglücklich“, erzählt Marco Ferukoski, der somit mental immer wieder vor Hürden gestellt wird.

Besonders auf dem Platz muss der junge Kicker diese Begleitumstände dann ausblenden, denn der FC Bayern Alzenau kämpft um den Klassenerhalt. „Es sind noch genug Spiele übrig. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen“, sagt er. Sich selbst beschreibt der 21-Jährige als klassischen Offensivfußballer, dem „ein 5:4 lieber ist als ein 1:0“, sagt der Mittelfeldspieler lachend. Seine Stärken sieht er im Eins-gegen-Eins und in seinem offensiven Denken. „Ich bin ein Schnicker, der aber auch arbeiten kann“, beschreibt er sich auf dem Fußballplatz. Etwas mehr darf es aus Marco Ferukoskis Sicht auf der Waage sein, denn er möchte „noch ein paar Kilo zulegen“ – Muskelmasse natürlich. Mehr direkter Zug zum Tor oder „mehr Torgeilheit“ darf es ebenfalls sein. Aber Marco Ferukoski ist mit seinen 21 Jahren noch ein junger Profi, der zudem genau weiß, an welchen Stellschrauben er noch drehen muss.

Marco Ferukoski hat enge Bindung zu Familie in Nordmazedonien aufgebaut

Und wo der Weg als Profi hinführen kann, hat der Nordmazedonier selbst gesehen. Seine U21-Nationalmannschaftskollegen Darko Churlinov, seit 2019 in Diensten des Bundesligisten VfB Stuttgart und aktuell durch einen Nasenbeinbruch außer Gefecht gesetzt, und Eljif Elmas, offensiver Mittelfeldspieler des SSC Neapel, haben beide bereits ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft gegeben. „Ich kenne Darko seit drei bis vier Jahren und Eljif seit der U15. Das freut mich für beide, haben sie absolut verdient“, spricht Marco Ferukoski mit höchstem Respekt von seinen Landsleuten, die fußballerisch schon einen Schritt weiter sind. Nicht nur einen guten Draht zu talentierten Fußballern hat Marco Ferukoski während seiner Zeit als nordmazedonischer Jugend-Nationalspieler aufgebaut. Auch der Kontakt zur Familie in der Heimat ist in dieser Zeit enger geworden. „Mein Vater wurde in Nordmazedonien geboren und kam als kleines Kind nach Frankfurt. Ein Großteil meiner Familie lebt noch dort.“ Während also Lehrgänge der Jugend-Nationalmannschaft anstanden, hat Marco Ferukoski auch immer die Familie, die größtenteils in der Hauptstadt Skopje lebt, besucht und so den Kontakt intensiviert. Das war eine schöne Zeit für das Fußball-Talent.

EM-Serie: Reise durch Europa

Genossen hat er dabei auch das Essen mit typischen Balkan-Spezialitäten wie Cevapcici. Aber auch die nordmazedonische Mentalität hat ihm imponiert: „Die Nordmazedonier sind sehr offen und sehr herzlich. Sie haben diese typische Balkan-Lockerheit. Ich fühle mich sehr wohl dort“, schwärmt Marco Ferukoski. Er hofft, dass sich auch die Nationalmannschaft bei der EM gut verkaufen wird und „so weit wie möglich kommt“. Und dann wirft das Talent schon einen Blick über die EM hinaus. In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 wird Nordmazedonien auf Deutschland treffen. Die Quali beginnt für den Balkan-Staat am Donnerstag, 25. März 2021, mit dem Spiel gegen Rumänien. Drei Tage später folgt das Heimspiel gegen Liechtenstein, ehe die Nordmazedonier am Mittwoch, 31. März, auf Deutschland treffen.

Auch das Ticket für die Weltmeisterschaft zu lösen, wäre ein weiterer Meilenstein für den Fußball-Zwerg. (Von Julia Meiss)

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