EM-Serie

Reise durch Europa: Der italienische Torjäger

Zwei Herzen schlagen in Antonio Sbanos Brust – ein italienisches und ein deutsches. Deshalb steht für den Spielertrainer von Germania Großkrotzenburg II fest: „Der Bessere soll die Europameisterschaft gewinnen.“
+
Zwei Herzen schlagen in Antonio Sbanos Brust – ein italienisches und ein deutsches. Deshalb steht für den Spielertrainer von Germania Großkrotzenburg II fest: „Der Bessere soll die Europameisterschaft gewinnen.“

Antonio Sbano ist ein Wandervogel und ein Torjäger. Der Deutsch-Italiener spielte in der Region schon für eine ganze Menge Fußballvereine. Dabei schoss er Tore ohne Ende. Auch als Spielertrainer hat er sich schon einen Namen gemacht. In der Brust des gebürtigen Hanauers schlagen zwei Herzen.

Hanau – Deutschland oder Italien, wer soll Europameister werden? „Ich bin auf beiden Seiten. Der Bessere soll gewinnen“, antwortet Antonio Sbano auf die Frage nach dem diesjährigen Europameister. Kein Wunder, der 37-jährige Spielertrainer der zweiten Mannschaft von Germania Großkrotzenburg hat die Squadra Azzurra im Blut. Seine Eltern sind waschechte Italiener, kommen aus Apulien. Toni, wie er in Fußballerkreisen genannt wird, ist zweisprachig aufgewachsenen und dem Heimatland seiner Vorfahren sehr verbunden – nicht zuletzt deshalb, weil er italienischer Staatsbürger ist.

Zum Gespräch mit dem HANAUER ANZEIGER hat der gebürtige Hanauer sein Italien-Trikot übergestreift. Auch die italienische Flagge hat er dabei. Und ein gerahmtes Foto. „Das steht bei mir im Wohnzimmer. Es zeigt die italienische Nationalmannschaft beim WM-Sieg 2006.“

Ob es heuer auch einen Sieg für die „Gli Azzurri“ gibt? „Italien hat das Zeug dazu, weit zu kommen. Aber ich glaube nicht, dass es zum Titel reichen wird. Es wurde zu spät mit dem Umbruch begonnen, damit, junge Spieler mit einzubeziehen“, schätzt Toni Sbano.

Seine eigene Fußballkarriere begann im Alter von sieben Jahren in Kleinostheim. Sein großer Bruder Giuseppe nahm ihn damals mit zum Training. „Seitdem spiele ich durchgängig“, schmunzelt er. Er ist viel rumgekommen. In der Jugend etwa gab es Stationen in Dietesheim, Steinheim und Kesselstadt. „Das war eine sehr schöne Erfahrung“, sagt er zu seiner Zeit beim VfR, als er mit dem Verein als 16-Jähriger den Hessenpokal gewann.

Sein erstes Jahr bei den Senioren bestritt er gemeinsam mit seinem Bruder bei Victoria Heldenbergen. Es folgten viele weitere Stationen – unter anderem kickte er für Hanau 93. „Eine sehr schöne Zeit. Wir sind damals von der Bezirksliga in die Gruppenliga aufgestiegen“, erinnert sich der Vater zweier Kinder.

Tor für Italien: Ciro Immobile traf Ende März beim WM-Qualifikationsspiel der Italiener zum 2:0-Endstand gegen Nordirland.

Mit 24 hat Toni Sbano neben seinem Beruf, dem er in einer Hanauer Werbeagentur nachgeht, seinen Trainerschein gemacht, wurde zwei Jahre später Spielertrainer in Breitenborn. Was ihn dazu bewogen hat? „Ich habe in meiner Karriere so viele Trainer erlebt und das Gefühl gehabt, dass ich weiß, wie ich eine Mannschaft leiten und berühren kann. Nicht nur mental, auch im Herzen.“

Mit dieser Einschätzung mag er wohl richtig gelegen haben, denn gleich im ersten Jahr gelang ihm der Aufstieg. Als Spielertrainer und Mensch habe er damals vieles richtig gemacht. „Ich habe bis heute einen super Kontakt dorthin.“ Weiter ging es für Toni Sbano beim SV Wolfgang. „Da ging es um die Gemeinschaft, um Zusammenhalt. Das war überragend. Wenn das gegeben ist, kannst du viel erreichen, viel bewegen.“

Eine weitere Station in Toni Sbanos Laufbahn war bei der zweiten Mannschaft der SG Bruchköbel, wo schon sein Bruder die A-Jugendlichen trainierte. „Ich wollte mich als Trainer weiterentwickeln. Es gab einen super Austausch, wir haben toll zusammen gearbeitet.“

Um noch einmal Verbandsliga spielen zu können, wechselte Toni Sbano in die erste Mannschaft. Mit 35 Jahren wollte er es in Bruchköbel noch einmal wissen, war damals der Älteste bei den Herren. „Diese Herausforderung, noch mal so hochklassig spielen zu können, hat mich sehr gekitzelt“, sagt er.

Seit zweieinhalb Jahren ist Toni Sbano nun bei der Germania in Großkrotzenburg, spielte eineinhalb Jahre in der ersten Mannschaft und ist jetzt Spielertrainer bei der zweiten. Sein Ziel: der Aufstieg in die A-Liga.

Als Spielertrainer versucht Sbano immer gute Arbeit zu leisten und stets ein offenes Ohr für seine Mitspieler zu haben. „Ich hatte immer den Anspruch, es besser zu machen als manche Trainer, die ich erlebt habe. Als Trainer musst du Freund, Bruder und Psychologe zugleich sein. Du musst viele Bausteine zusammenpuzzeln, damit dir eine Mannschaft ihr Herz schenkt. Aber wenn du das schaffst, kannst du viel erreichen.“

Trotzdem, so betont Toni Sbano, sei es wichtig, sich immer einen gewissen Abstand zu bewahren. Respekt gegenüber dem Trainer sollte immer vorhanden sein. „Wenn du am Ende einer Saison unterm Strich deine Mannschaft so zusammengeführt hast, dass der Zusammenhalt auf und auch außerhalb des Platzes stimmt, dann hast du alles richtig gemacht“, weiß er.

Das sei ihm immer gelungen. Das mache ihn aus. „Weil ich ein Herzensmensch bin. Ich versuche immer, zu helfen. Auch wenn du es als Spielertrainer nie jedem Recht machen kannst. Das ist manchmal unangenehm.“

Unangenehm könnte es auch für die italienische Nationalmannschaft in ihrem ersten EM-Spiel werden. Der Gegner heißt Türkei und verfügt aktuell, so Toni Sbano, „über eine sehr gute Mannschaft“. Doch auch die Italiener haben gute Spieler in ihren Reihen. Toni Sbano nennt etwa Mittelstürmer Lorenzo Insigne, der aktuell für den SSC Neapel kickt, oder Torwart Gianluigi Donnarumma vom AC Mailand. Aber auch Mittelfeldspieler Marco Verratti (Paris St. Germain) schätzt Toni Sbano sehr. Über Trainer Roberto Mancini sagt er: „Er war ein guter Spieler und ist ein guter Trainer. Da steckt viel Hoffnung drin.“

Toni Sbano nennt Roberto Baggio als sein großes Vorbild, Juventus Turin und die Frankfurter Eintracht als Lieblingsmannschaften, die er sich zwar nicht im Stadion, aber vor dem Fernseher gerne anschaut.

Am liebsten steht Toni Sbano aber selbst auf dem Platz. Dass er das noch möglichst lange kann, hofft der Mittelstürmer mit der Nummer 9 auf dem Rücken sehr, will ans Aufhören noch lange nicht denken. „Es ist ganz schwer für mich, loszulassen“, grinst der 37-Jährige und ist sich sicher: „Erst mal mache ich weiter.“

Von Kerstin Biehl

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare