EM-SERIE

Reise durch Europa: Der spanische Friseur

Frisuren und Fußball sind zwei Leidenschaften von Angelo Ramos, der in Großkrotzenburg einen Friseursalon betreibt.
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Frisuren und Fußball sind zwei Leidenschaften von Angelo Ramos, der in Großkrotzenburg einen Friseursalon betreibt.

Zwei der jüngsten drei Europameisterschaften gewann Spanien. 2008 besiegten sie im Finale Deutschland, 2012 Italien. Die DFB-Elf wurde zudem Ende 2020 in der Nations League vorgeführt. Allerdings wird Spaniens Kapitän die anstehende Euro wohl verpassen. Auch zum Leidwesen des Großkrotzenburgers Angelo Ramos.

Großkrotzenburg – Sergio Ramos ist Kapitän, Leader und die prägende Figur in der spanischen Nationalmannschaft. Und er imponiert dem Großkrotzenburger Angelo Ramos besonders. Die Europameisterschaft im anstehenden Sommer wird der Innenverteidiger aber wohl verpassen. Ihm macht eine Sehnenreizung im linken Bein zu schaffen. Den Saisonendspurt seines Vereins Real Madrid hat Sergio Ramos schon verpasst.

Sein Namensvetter an der bayerisch-hessischen Grenze hat aber nicht nur den Heilungsprozess des 35-Jährigen im Blick. Angelo Ramos zählt Sergio Ramos zu seinen Lieblingsspielern, trägt dessen Namen auf seinem spanischen Nationaltrikot. Schon aus beruflichen Gründen schaut er bei Sergio Ramos genauer hin. „Er ist modebewusst, was zu meinem Beruf passt und von seinem ganzen Look, was Haare und Bart betrifft, sehr gut aufgestellt“, erzählt Angelo Ramos. Spaniens Kapitän sei nicht nur ein guter Fußballer, sondern setze auch frisuren- und barttechnisch Akzente und mache zudem bei gelegentlichen Modeljobs was her.

Ausfall des Rekordnationalspielers Sergio Ramos wäre bitter

„Für seine Biografie habe ich mich sehr interessiert“, so Angelo Ramos. Der Ausfall ihres Rekordnationalspielers würde die Mannschaft von Trainer Luis Enrique hart treffen. „Vor allem, weil auch Andres Iniesta nicht mehr dabei ist. Und solche Typen sind für das spanische Spiel mit Ballbesitz sehr wichtig“, weiß Angelo Ramos, der sich als Kind bei Germania Großkrotzenburg selbst auf dem grünen Rasen ausprobierte. „Bis ich ein rosa Leibchen anziehen musste“, sagt er und fängt an zu lachen. „Dann hatte ich keine Lust mehr.“ Auch der Kampfsport erfüllte ihn nicht und so wurde Basketball der Sport des 31-Jährigen, der mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern Nevio, Leandro und Katalina in Kahl wohnt.

Aufgewachsen ist Angelo Ramos wie schon sein Vater in Großkrotzenburg. „Mein Opa und meine Oma waren die Generation, die mit Bussen hierher gekommen ist.“ Hier fanden sie Arbeit und wurden heimisch. „Damals waren alle in spanischen Vereinen, da haben sich meine Großeltern kennengelernt“, erzählt Angelo Ramos, der in Vor-Corona-Zeiten zweimal im Jahr mit der ganzen Familie in die Heimat seiner Großeltern nach Andalusien gereist ist.

Kantersieg über Deutschland: Spaniens Kapitän Sergio Ramos (Mitte) feierte mit seinen Mannschaftskameraden einen der Treffer beim 6:0-Sieg im November gegen Manuel Neuer. Die EM könnte Ramos verpassen.

„Wir haben da eine Wohnung. Das ist unser Zufluchtsort.“ In der Nähe von Malaga werden Angelo Ramos die Unterschiede zwischen Deutschen und Spaniern vor Augen geführt: Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. „Bei uns ist 16.30 Uhr, 16.30 Uhr und nicht irgendwie 18 Uhr. Die sind da relativ entspannt.“ Das merke man schnell nach der Landung. „Man entschleunigt schon am Flughafen. Die sind alle einen Tick langsamer als wir. Es funktioniert aber ja auch.“

In Großkrotzenburg und der Umgebung vermisst er die spanischen Vereine, die nach und nach ausgestorben sind. „Die erste Generation hat das stark gelebt. Da war sonntags viel los“, erinnert sich Angelo Ramos. Spanische Zusammenkünfte seien weniger geworden. Der eine oder andere lässt sich von ihm die Haare schneiden.

Eigentlich wollte Angelo Ramos kein Friseur werden

Dabei war Friseur gar nicht sein Traumberuf. Nach diversen Praktika trat er dennoch in die Fußstapfen der Mutter. „Ich wurde aber nicht gedrängt“, betont der Sport-Fan, dessen Friseursalon in Großkrotzenburg als Sponsor die Handballer der HSG Preagberg und den Fußball-Nachwuchs der Germania unterstützt. Sein großes Herz beweist Angelo Ramos auch mit dem gemeinnützigen Verein Maja Benefiz, den er vor vier Jahren mit seinen Eltern und seiner Frau gegründet hat, um Menschen mit Behinderung zu helfen.

Im November 2020 gab es im Friseursalon Ramos in Großkrotzenburg tagelang nur ein Thema: der spektakuläre 6:0-Sieg der spanischen Nationalmannschaft in der Nations League über Deutschland. „Das war schon schön“, grinst der 31-Jährige. „Ich kriege so was ja drei Tage aufs Butterbrot geschmiert, sobald ich den Laden aufschließe.“

Trotz des Debakels will er die deutsche Elf nicht aus dem Euro-Favoritenrennen nehmen. „So ein Spiel ist immer nur eine Momentaufnahme. Deutschland ist trotzdem für eine Überraschung gut“, glaubt Angelo Ramos, der an Länderspiele zwischen den beiden Nationen nicht nur gute Erinnerungen hat. Dennoch wäre für ihn „mal wieder ein Finale Deutschland gegen Spanien wünschenswert“.

Hin- und hergerissen bei deutsch-spanischen Duellen

Angelo Ramos denkt dabei an den Sommer 2008. In Wien gewann Spanien das EM-Endspiel durch einen Treffer von Fernando Torres mit 1:0 gegen Deutschland. „Da musste ich in der Halbzeit die Location wechseln“, erinnert er sich. „Ich habe bei der Feuerwehr in Großkrotzenburg geguckt und bin in der Halbzeit zum Spanier rüber gefahren, weil ich alles abbekommen habe. Da kochen dann die Emotionen hoch.“

Dabei sei es ihm eigentlich egal, wer die deutsch-spanischen Duelle gewinne. „Für die Spanier bist du dann der Deutsche und für die Deutschen bist du der Spanier“, erzählt der Friseurmeister, der in der Bundesliga Eintracht Frankfurt und in der spanischen La Liga dem FC Barcelona („Wofür ich auch mal geachtet werde, weil ich kein Katalane bin“) die Daumen drückt.

Bei der EM wird er bei den Vorrunden-Duellen gegen Schweden, Polen und die Slowakei genau hinschauen, wie sich La Furia Roja (Die rote Furie) schlägt. „Dass sie weiterkommen, bin ich mir sicher“, meint Angelo Ramos – auch wenn Sergio Ramos nicht zu ersetzen sein würde: „Wenn er ausfällt, ist es eine Tragödie. Denn wenn er das da hinten drin führt, habe ich keine Angst.“ (Von Thorsten Jung)

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