Zweitligist und Trainer trennen sich aus finanziellen Gründen

Aus für Kortmann bei den Baskets

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Letzte Anweisungen und nachdenkliche Gesichter: Trainer Peter Kortmann verlässt nach drei Jahren die Rhein-Main Baskets. Alica Köhler, Sari Cornelius und Nelli Dietrich (von links) hören zu.

Langen - Die Rhein-Main Baskets empfangen zum Saisonabschluss am Sonntag (16. 30 Uhr) die DJK Bamberg. Das Spiel wird zur Randnotiz. Den Knalleffekt gibt es vorher: Der Basketball-Zweitligist trennt sich von Trainer Peter Kortmann. Von Jörn Polzin 

Der zeichnet eine düstere Perspektive, die die Vorsitzende Silke Dietrich nicht teilen mag. Peter Kortmann verlässt sich gern mal auf sein Bauchgefühl, als Trainer wie auch als Mensch. So traf ihn die Entscheidung des Klubs „etwas überraschend, hat sich aber doch hier und da abgezeichnet.“ Am Sonntag wird er letztmals als Coach des Basketball-Zweitligisten an der Seitenlinie stehen, ab Montag interimsweise die Langener U19 in den Play-downs der Bundesliga betreuen, ehe dann am 30. Juni sein Vertrag endet. „Das muss man hinnehmen“, sagt der erfahrene Trainer: „In dem Geschäft gehen Türen auf und Türen zu, das kenne ich seit 23 Jahren.“

Dass die Tür bei den Baskets nach drei Jahren zugeht, hat vordergründig finanzielle Gründe. „Wir können das Gesamtpaket in dieser Form nicht mehr anbieten“, erklärt die Vorsitzende Silke Dietrich. Die Vollzeitstelle über 40 Stunden wird von drei Säulen getragen: TV Langen, Rhein-Main Baskets und Basketball-Teilzeitinternat Langen. Für Dietrich seien Umfang und Ertrag nicht mehr in Einklang gewesen. „Uns war früh klar, dass wir das auf Dauer kaum kreieren können“, meint die Vorsitzende des früheren Erstligisten und deutschen Vizemeisters von 2013.

Die angebotene halbe Stelle kam für Kortmann nicht in Frage, der mit seiner Familie seinen Lebensmittelpunkt ins Rhein-Main-Gebiet verlagert hat. Ihn trifft die Entwicklung nicht nur persönlich. Er sieht mit dem Verzicht auf eine hauptamtliche Stelle eine klare Tendenz für den weiteren Weg des Vereins. Und der führt in den Augen des 56-Jährigen nach unten – Richtung Regionalliga. „Wenn man sich die Gesamtentwicklung ansieht, läuft es auf den Breitensport hinaus“, ist Kortmann überzeugt. „Es bröckelt an vielen Ecken und Kanten.“ Vor allem die „wacklige Organisationsstruktur“ erschwere das Arbeiten. Viele Aufgaben seien auf wenige Schultern verteilt. Viel Zeit habe er in Kontaktpflege, Konzepte und Sponsorensuche gesteckt. Aufgaben, „die eigentlich nicht zum Trainerjob gehören“.

Dabei stieß Kortmann an seine Grenzen. „Ich habe leider auch nicht die guten Verbindungen hier in der Region“, erläutert der gebürtige Paderborner, der die Baskets in den vergangenen Spielzeiten auf die Plätze fünf und sechs geführt hatte. In dieser Spielzeit läuft es auf Rang sieben oder acht hinaus. „Mittelmaß 2. Liga, mehr ist aktuell nicht drin“, meint er.

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Nach dem vollzogenen Generationswechsel hätten besonders die Talente seine Entscheidung bedauert. Spielerinnen wie Jasmin Weyell, mit denen Kortmann täglich arbeitet und die er in den Zweitliga-Kader integriert hat. „Wir haben viel versucht, eine Grundschulliga gegründet, es ist aber schwierig, die Versäumnisse aufzuholen.“ Der Verein müsse sich jetzt Gedanken machen, wie es weitergeht. „Ich kann da nicht mehr helfen.“

Eine Bestandsaufnahme mit Fehleranalyse hält auch Silke Dietrich für sinnvoll, räumt Defizite zu früheren Erstliga-Zeiten ein. „Da haben wir viel gutes Personal oben gebunden und die Jugend vernachlässigt. Das fällt uns auf die Füße“, sagt die Vorsitzende. Dass in den vergangenen drei Jahren unter Kortmann der Hebel nicht entscheidend umgelegt werden konnte, habe viele Gründe, die nun erörtert werden müssten. Man müsse sich die Frage stellen: „Können wir das noch? Leben wir weiter so?“

Klar ist: Mit dem Etat können die Baskets in der 2. Liga auch künftig keine großen Sprünge machen. „Den müssten wir vervierfachen, das ist nicht denkbar“, betont Dietrich. Zudem benötigen die Talente noch Zeit, um gehobenes Zweit- oder Erstliga-Niveau zu erreichen, die besten greifen ohnehin andere Klubs ab. Dietrich will daher die vorhandenen Mittel noch stärker für die „Ressource Jugend“ nutzen – auch mit Blick auf die Erwartungshaltung der Sponsoren. „Die wollen keine Profis, sondern gute Jugendarbeit sehen.“ Vorbild sei da Kooperationspartner TV Hofheim, der allerdings auch hauptamtliche Stellen anbietet.

Die von Kortmann gezeichnete düstere Perspektive mag Dietrich dennoch nicht teilen. „Ich bin da ganz entspannt. Es bringt auch nichts, mit aller Gewalt etwas zu forcieren. Wenn unser Konstrukt mit der Ausbildung junger Spielerinnen nicht mehr gebraucht wird, dann ist das eben so. Dann können wir auf viele schöne Jahre zurückblicken“, sagt die 56-Jährige. Ob es auch in der neuen Saison eine Zweitliga-Mannschaft geben wird? „Zu hundert Prozent.“

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