Heusenstammer führt deutsches Rugby-Siebenerteam bei Oktoberfest Sevens aufs Feld

Sam Rainger: Erst außen vor, jetzt Kapitän

Offenbach - Pünktlich zum Höhepunkt des Jahres ist auch Sam Rainger vom Rugby-Klub Heusenstamm wieder obenauf. Der gebürtige Offenbacher war vor wenigen Monaten nur noch zweite Wahl in der deutschen Siebener-Auswahl. Von Christian Düncher 

Doch beim Oktoberfest Sevens in München wird er sie als Kapitän anführen. Als „Die glorreichen Sieben“ hat die „Süddeutsche Zeitung“ unlängst in einer Vorschau auf das Oktoberfest Sevens (Freitag und Samstag ab 13 Uhr im Münchner Olympiastadion/live Sport1) die Siebener-Auswahl des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV) in Anlehnung an den gleichnamigen Western-Klassiker aus dem Jahr 1960 bezeichnet. In dem Film führt Yul Brunner als „Chris“ eine Gruppe von sieben Revolverhelden an. Der „Chris“ des deutschen Teams heißt Sam Rainger. Das 26-jährige Eigengewächs des RK Heusenstamm wurde vom neuen Nationaltrainer Vuyo Zangqa (Südafrika) zum Kapitän ernannt.

Für Rainger ist das eine „Ehre“. Aber es ist auch eine Überraschung. Denn vor gar nicht allzu langer Zeit stand der Blondschopf nur noch auf Abruf. Zangqas Vorgänger Chad Shepherd (Neuseeland) hatte den Spielmacher im April nicht fürs World-Series-Qualifikationsturnier in Hongkong nominiert. Für den Heusenstammer, der seit sechs Jahren im Nationalteam spielt, war das eine „Riesen-Enttäuschung“. Er habe danach „noch härter gearbeitet, um mich wieder in die Mannschaft zu spielen. Im Endeffekt ist es ja als Sportsoldat mein Job.“ Die Coaches hätten die Wahl unter vielen guten Spielern gehabt, meint der neue Kapitän. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass es zwischen ihm und dem alten Trainerstab nicht mehr passte.

Der ehemalige Präsident des RK Heusenstamm, Jürgen Zeiger, hatte das 1,75 Meter große Kraftpaket mal mit einem Terrier verglichen. Das passt. Rainger ist treu (spielte bislang nur für einen Verein) lauf- und spielfreudig, benötigte aber oft eine starke Führungshand. „Sam ist ein Charakter, auch außerhalb des Spielfeldes“, betont DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm. „Er hat nicht immer gewusst, welche Entscheidungen für ihn als professionellen Sportler die richtigen sind. Aber da hat er einen riesigen Entwicklungssprung gemacht und ist verdient zum Kapitän ernannt worden.“ An Raingers sportlichen Qualitäten hatte Wilhelm keine Zweifel: „Allerdings hat er sich immer dann, wenn er auf dem guten Weg war, verletzt.“ Vor allem der Oberschenkel bereitete mehrfach Probleme. Das wirkte sich auf die Sprintfähigkeit aus, die in der olympischen Rugby-Variante (sieben gegen sieben über zweimal sieben Minuten auf einem Platz mit der Größe eines Fußballfeldes) von großer Bedeutung ist.

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Doch Rainger hat hart an sich gearbeitet und freut sich nun riesig auf das Oktoberfest Sevens. Es ist schließlich das erste internationale Siebenerturnier in Deutschland seit 2011 (B-EM in Heidelberg). Und eines mit so hochkarätiger Besetzung gab es hierzulande noch nie. Unter anderem sind Olympia-Sieger Fidschi und World-Series-Sieger Südafrika dabei. Die DRV-Auswahl trifft in der Vorrunde auf England, Argentinien und

Uganda. Man hofft insgesamt auf 35.000 Zuschauer - auch aus der Gruppe der Oktoberfestbesucher. Die würden in ihrem Outfit nicht auffallen. Denn zum Siebenerrugby kommen viele Fans verkleidet - und die Stimmung gleicht einer Faschings-Party. Für Rainger und seine Kollegen steht das Sportliche im Fokus: „Die Bedeutung des Turniers ist für uns sehr hoch, da wir nach langer Zeit wieder auf heimischem Boden spielen und gegen die weltbesten Teams. Da können wir sehen, wo wir stehen.“ Sollte der Viertelfinal-Einzug gelingen, hätten sich Rainger und Co. den Titel „Die glorreichen Sieben“ verdient.

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