Hausener Rugbyspieler Robert Haase will über Hongkong in die World Series

„40.000 Zuschauer – das beflügelt mich“

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Freut sich auf die Rückkehr nach Hongkong: Robert Haase (TGS Hausen) erlebte die außergewöhnliche Stimmung im 40 000 Zuschauer fassenden Stadion 2016.

2019 könnte für Robert Haase (23) das erfolgreichste Jahr in seiner Rugby-Karriere werden. Mit seinem Heimatklub TGS Hausen peilt der Physikstudent den Aufstieg in die 1. Bundesliga an, mit der deutschen Siebener-Auswahl will er am Wochenende beim Hongkong Sevens das Ticket für die World Series lösen. Im Interview erörtert er unter anderem, auf was er verzichtet, um seine Ziele zu erreichen. 

Offenbach – Deutschland hat in Hongkong für Furore gesorgt, scheiterte aber im Halbfinale (2016) oder Finale (2017, 2018). Mit welchen Gefühlen tritt das Team nun dort an?

Da hat sich nichts geändert. Wir wissen, welche Qualität wir haben, und werden alles geben, das Turnier zu gewinnen. Der einzige Unterschied ist, dass wir nun kein Überraschungsteam mehr sind, sondern zum engen Favoritenkreis gehören.

Was spricht dafür, dass es diesmal endlich klappt mit dem Sprung in die World Series?

Die Entwicklung des Teams ist enorm. Die Entscheidung für den Kader wird jährlich schwerer. 2016 bei meiner letzten Hongkong-Teilnahme gab es vielleicht zwei, drei schwierige Entscheidungen, mittlerweile muss fast jeder bis zuletzt 100 Prozent geben, um nominiert zu werden. Das hilft unserem Spielniveau ungemein. Daher bin ich überzeugt, dass wir diesmal den Sprung in die absolute Weltelite schaffen.

In der Vorrunde geht es gegen Uganda, die Cookinseln und Chile. Was ist da zu erwarten?

Gegen Uganda rechnen wir mit einer sehr körperbetonten Partie. Daher wollen wir das Spiel schnell halten und die technische Überlegenheiten nutzen. Die Cookinseln werden der schwächste Gegner sein. Gegen Chile haben wir Anfang des Jahres bei unserer Südamerika-Tour zweimal knapp verloren. Wir sind dort aber teils mit sehr jungen, unerfahrenen Spielern aufgelaufen. Die Karten werden somit neu gemischt. Individuell sehen ich uns weiter vorne.

Die DRV-Auswahl erhielt von den Medien in Hongkong den Spitznamen „Wolfpack“, also Wolfsrudel. Was kam es  dazu?

Man hat uns so bezeichnet, weil wir als Mannschaft so hart verteidigt haben. Mittlerweile steht der Name dafür, wer wir sind. Wir entwickeln gerade eine Art Verhaltenskodex für jedes Mitglied des Wolfpacks, in dem neben Werten auch Regeln festgehalten sind, die wir verfolgen wollen. So wollen wir erreichen, dass das Wolfpack auch für künftige Spielergenerationen bestehen bleibt.

Ein Großteil des Teams kennt die als außergewöhnlich geltende Stimmung in Hongkong schon. Ist das ein Vorteil?

Das ist schon ein riesiger Vorteil, weil ich weiß, was auf mich zukommt und wie sehr mich diese Stimmung beflügelt. Es ist aber immer etwas ganz Besonderes, vor 40 000 Leuten aufzulaufen und vielleicht sogar noch Freunde und Familie auf der Tribüne zu haben.

Die Vorbereitung war extrem intensiv. Wie lässt sich das mit dem Studium vereinbaren?

Hongkong ist dieses Jahr der vierte Stopp auf dem vierten Kontinent, die Klausurenphase habe ich daher hauptsächlich im Flugzeug und im Ausland verbracht. Jedoch habe ich Glück, in der Uni Heidelberg und insbesondere in der Physik-Fakultät so kooperative Partner zu haben, die mir trotz der Fehltage das Absolvieren der Prüfungen ermöglicht haben. Ohne gutes Zeit-Management und eine motivierte Gruppe von Kommilitonen, mit denen ich alles nacharbeiten konnte, wäre das nicht möglich gewesen. Man verzichtet auf einiges, aber mit Hongkong als Ziel fällt das nicht schwer.

Die DRV-Auswahl trainiert täglich in Heidelberg. Gab es Bedenken, dass die Rückkehr zur TGS Hausen nachteilig sein könnte?

Nie. Der Wechsel von der RG Heidelberg nach Hausen war mit dem Trainerteam abgestimmt. Auch sportlich wirkt sich das nicht aus, da das 15er-Rugby weit von der Siebener-Variante entfernt ist. Ich bin sehr glücklich, wieder an der alten Wirkungsstätte zu sein, auch wenn Einsatzzeiten aufgrund der Doppelbelastung selten sind.

Hausen klopft ans Tor zur 1. Liga, die DRV-Auswahl will in die World Series: Was ist realistischer?

Für Hausen stand ich schon als Fünfjähriger auf dem Rasen, mit dem Nationalteam trainiere ich dreimal täglich bei jedem Wetter. Die Ziele beider Teams liegen mir am Herzen, es wäre schön, wenn beide in Erfüllung gehen. In die 1. Liga können pro Jahr zwei Teams aufsteigen, in die World Series nur eins. Außerdem müssen wir in Hongkong nach der Gruppenphase noch drei K.o.-Spiele gewinnen, während Hausen bereits ziemlich sicher im Play-off-Halbfinale steht. Der Aufstieg mit Hausen scheint also einfacher zu sein.

Das Gespräch führte Christian Düncher

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