WILD Academy verlangt, dass Verband sich professionalisiert

Rugby-Mäzen macht Druck

+
In Offenbach hat die deutsche Rugby-Nationalmannschaft im Februar ihr Qualifikationsspiel gegen Georgien mit 0:64 verloren. Hinten von links die deutschen Spieler: Paul Weiß, Eric Marks, Senzokuhle Ngubane und Luke Dyckhoff.

Heidelberg - Kurz vor dem wichtigen WM-Qualifikationsspiel gegen Portugal droht dem deutschen Rugby der Verlust des wichtigsten Geldgebers. Die Fronten scheinen verhärtet, der Verband gibt sich überrascht.

Trotz der großen Chance für die Nationalmannschaft auf die erste WM-Teilnahme droht der milliardenschwere Mäzen Hans-Peter Wild ausgerechnet vor dem wichtigen Qualifikationsspiel am Samstag (15.00 Uhr) in Heidelberg gegen Portugal mit der Einstellung seines kostspieligen Engagements.
„Es macht keinen Sinn, und es macht keinen Spaß, das in Deutschland weiterzuentwickeln“, sagte Wild in einem FAZ-Interview. Für eine Fortsetzung seiner Unterstützung (eigener Aussage zufolge 20 Millionen in zehn Jahren) macht der 76-jährige professionellere Strukturen beim DRV zur Bedingung. Momentan jedoch hat Wild genug von den Querelen. „Es ist noch nicht lange her, dass ich für den DRV bürgen musste, weil er pleite war. Jetzt ist er wieder kurz davor. Ich hatte damals mehr als 50 Prozent der notwendigen Summe, etwa 80 000 Euro, gegeben, damit er weitermachen konnte. Es ist tiefstes Amateurtum“, sagte der in Heidelberg geborene Schweizer.

Die WILD Rugby Academy (WRA), die einen immensen Anteil an der Entwicklung des deutschen Rugbys hatte, werde „liquidiert. Wir beenden unser Engagement. Wir kommen noch unseren Verpflichtungen nach, wir zahlen den Spielern großzügige Abfindungen. Das ist mir ein Bedürfnis, denn es sind alles ordentliche Kerle. Aber wir hören auf“, sagte Wild.

Für Manuel Wilhelm, Sportdirektor des Deutschen Rugby-Verbands, kommt dieser Vorstoß überraschend. „Wir waren in sehr konstruktiven Gesprächen und es standen gute Lösungen im Raum, um alles auf professionellere Beine zu stellen. Leider haben die Berater von Herrn Wild in einigen Punkten ihr Veto eingelegt“, sagt Wilhelm. Wild habe recht, „dass wir noch kein vollprofessioneller Verband sind.“ Aber auch die Abläufe in der Academy könnten besser abgestimmt sein. Wilhelm: „Herr Wild ist von seinen Mitarbeitern nicht richtig informiert worden.“

Den Vorwurf, dass der DRV „beratungsresistent“ sei, will der Sportdirektor nicht so stehen lassen. So habe der Verband darauf gedrängt, die Nationalspieler auf verschiedene Vereine aufzuteilen, um einen ausgeglicheneren Wettbewerb und ein höheres Niveau zu erreichen. Wie es jetzt weitergehen soll? Dazu will sich Wilhelm nicht äußern, sagt aber: „Ohne Herrn Wild würde Rugby-Deutschland schlechter dastehen.“

Dabei hat sich dem deutschen Rugby eine einmalige Chance eröffnet. Weil die DRV-Rivalen Belgien, Rumänien und Spanien wegen des Einsatzes nicht spielberechtigter Akteure mit Punktabzügen belegt wurden, rückte Deutschland in der WM-Ausscheidung vom letzten auf den zweiten Rang vor. Gegen Portugal geht es nun nicht mehr um den Klassenerhalt, sondern um die WM-Chance.

Bieberer Berg bereit für Rugby-Länderspiel: Bilder

Bei einem Sieg hat das DRV-Team gleich zwei Chancen zum Sprung zur WM-Endrunde 2019 in Japan: Zum einen könnte in vier Wochen schon in zwei Play-offs gegen Samoa die erfolgreiche Qualifikation perfekt gemacht werden, zum anderen bliebe bei einer Niederlage noch die Möglichkeit, bei einem Vierer-Turnier am Jahresende in Frankreich das WM-Ticket zu lösen.

Wild hat seine Spieler wieder für das Nationalteam freigegeben. Auch bei einem Sieg gegen Portugal will er für die folgenden Partien nicht der Spielverderber sein: „Die Spieler, die bis zum Jahresende von uns bezahlt werden, und das sind die meisten, können spielen, wenn sie lustig sind. Da halten wir uns raus.“ Zudem sei er bereit mit einem Verband, der bereit ist, sich zu professionalisieren, jährlich über einen Zeitraum von fünf Jahren zwei Millionen Euro zu geben, um das deutsche Rugby auf das nächste Niveau zu heben – wenn weitere große deutsche Unternehmen mitmachen. „Das Angebot gilt nach wie vor“, so Wild. (sid/jp)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare