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Rugby-Neustart in Offenbach

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Von: Christian Düncher

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Ob Stürmer Sebastian Ferreira (rechts, im Spiel in Offenbach gegen Belgien) der DRV-Auswahl zur Verfügung steht, ist offen. Er gehört zu den Spielern, die zuletzt gestreikt hatten.   J Foto: Pressehaus
Ob Stürmer Sebastian Ferreira (rechts, im Spiel in Offenbach gegen Belgien) der DRV-Auswahl zur Verfügung steht, ist offen. Er gehört zu den Spielern, die zuletzt gestreikt hatten. © Pressehaus

Offenbach - Eine Sensation, eine Farce und nun ein Neuanfang nach monatelangem Zwist – die Geschichte der Rugby-Länderspiele in Offenbach ist gespickt mit denkwürdigen Kapiteln. Von Christian Düncher

Dreimal spielte die 15er-Auswahl des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV) bereits im Sparda-Bank-Hessen-Stadion. Bei der Premiere vor knapp einem Jahr gab es in der WM-Qualifikation ein völlig überraschendes 41:38 gegen die klar favorisierten Rumänen, wenig später einen Arbeitssieg gegen Belgien. Und zuletzt im November eine 10:32-Testspielpleite gegen Chile, als nach einem Spielerstreik nur eine Notbesetzung spielte.

Jürgen Zeiger J Foto: p
Jürgen Zeiger © p

Seitdem hat sich einiges geändert, nicht nur im sportlichen Bereich. „Wir gehen nun unseren eigenen Weg“, sagt DRV-Vizepräsident Jürgen Zeiger (Heusenstamm). Bedeutet: Der Verband plant ohne seinen bislang größten Förderer, die Wild Rugby Academy (WRA), und deren kommerziellen Ableger, die Gesellschaft zur Förderung des Rugbysports (GFR). Beide hatten sich nicht über eine Fortsetzung einigen können und Milliardär und WRA-Gründer Hans-Peter Wild daraufhin schwere Vorwürfe erhoben. Eskaliert war der Streit letztlich, als die bei der GFR unter Vertrag stehenden Spieler, die das Gros das Nationalteams ausmachten, kurzfristig ihren Einsatz beim Test gegen Chile verweigert und den Verband damit auch der Gefahr ausgesetzt hatten, finanziell Schaden zu nehmen.

Hinter den Kulissen war zuletzt versucht worden, noch eine Lösung zu finden. Ohne Erfolg. Unter anderem hatte Zeiger eine Mail an Wild geschickt. „Darauf gab es aber null Reaktion.“ Gleichwohl ist der DRV weiter gesprächsbereit. Angesichts der Tatsache, dass es in der WM-Qualifikation am 10. Februar mit der Partie in Rumänien weitergeht und am 17. Februar (14.30 Uhr) in Offenbach gegen Georgien das erste Heimspiel ansteht, sah sich der Verband aber zum Handeln gezwungen. Als neuer Trainer wurde Pablo Lemoine (Uruguay) verpflichtet, zumal Vorgänger Kobus Potgieter ebenfalls bei der GFR angestellt ist und daher unklar war, ob er zur Verfügung gestanden hätte. Um die Stürmer kümmert sich in Campbell Johnstone ein ehemaliger neuseeländischer Nationalspieler. Und die neue Stelle des 15er-Direktors wurde mit Paul Healy (Australien) besetzt. Bei der Finanzierung hilft der Weltverband. Diese ist laut Zeiger bis Jahresmitte gesichert.

Der DRV setzt damit auch ein Zeichen, nachdem ihm WRA und GFR unterstellt hatten, die Professionalisierung nicht voranzutreiben. Zeiger und Co. hatten diesbezüglich lange geschwiegen. „Nun halten wir dagegen“, betont er. Angriffsfläche bietet die Gegenseite durchaus. So wurde die GFR vertragsbrüchig, als sie die Zusage, ihre Akteure für die November-Tests zur Verfügung zu stellen, nicht einhielt. Und der Vorwurf, der DRV habe kein Konzept vorgelegt, wurde von WRA-Manager Robert Mohr selbst entkräftet. Er gab inzwischen zu, dass es mehrere Vorschläge gab. Diese seien aber inakzeptabel gewesen.

Trotz aller Diskrepanzen sowie der negativen Folgen, die der Streik für den DRV hatte, will der Verband die Tür für die bei der GFR angestellten Spieler aufhalten. Einige haben ihre Bereitschaft signalisiert. Mit den im Ausland tätigen Nationalspielern ist man ebenfalls im Gespräch.

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