Rugby-Verband erneuert in Offenbach Kritik an streikenden Nationalspielern und Ex-Sponsor

Zur Not mit dem Zug nach Russland

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Schlammschlacht in Offenbach: Die Notbesetzung des Deutschen Rugby-Verbandes (schwarze Trikots) schlug sich bei der 10:32-Niederlage im Sparda-Bank-Hessen-Stadion wacker. Hier wird Stefan Mau (Mitte) von zwei Chilenen gestoppt. Der Heusenstammer Benedikt Sabinarz (links), der wie sein Klubkollege Gino Gennaro sein erstes A-Länderspiel absolvierte, eilt ihm zur Hilfe.

Offenbach - Die „Helden von Offenbach“ wurden zwar beim Rugby-Länderspiel gegen Chile ihrem Namen trotz Niederlage durchaus gerecht, doch im Streit zwischen Verband, Ex-Sponsor und den bei ihm angestellten streikenden Nationalspielern ist weiter keine Lösung in Sicht. Es wird bereits an Alternativplänen gearbeitet. Von Christian Düncher 

Der dritte Auftritt der Auswahl des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV) im Sparda-Bank-Hessen-Stadion war am Samstag bereits seit mehr als zwei Stunden vorbei, da wurden immer noch Fragen im Presseraum gestellt. Um die erste Niederlage bei einer Begegnung in Offenbach (10:32 gegen Chile) ging es längst nicht mehr, sondern um die Zukunft des DRV. „Das war ein wirtschaftlicher Frontalangriff“, fasste es Geschäftsführer Volker Himmer drastisch zusammen. Gemeint war der kurzfristige Länderspiel-Boykott der beim einstigen DRV-Sponsor Wild Rugby Academy (WRA) unter Vertrag stehenden Akteure. Ein Ausfall wäre fatal und die Existenz des Verbandes bedroht gewesen, heißt es.

Himmer habe „viele schlaflose Nächte gehabt“, sagte er. „Jetzt bin ich aber entspannter. Ich bin sogar richtig erleichtert, weil der Gedanke, der Rugby ausmacht, noch da ist.“ Oder wie es Präsident Klaus Blank ausdrückte: „Es gibt noch Spieler, die für ihr Land einstehen.“ Eine deutliche Kritik an den streikenden Profis – und ein Lob für diejenigen, die wie Gino Gennaro und Benedikt Sabinarz (beide RK Heusenstamm) kurzfristig eingesprungen waren. Diese Notbesetzung schlug sich achtbar, war 25 Minuten lang sogar besser. Dann jedoch machten sich die fehlende Abstimmung und die Tatsache bemerkbar, dass viele Spieler aufgrund der Bundesliga-Winterpause seit vier Wochen nicht mehr trainiert hatten. „Obwohl die Umstände traurig sind, hat es Spaß gemacht“, so Stürmer Markus Bender vom TSV Handschuhsheim. Von den 2600 Zuschauern wurde der couragierte Auftritt mit Applaus belohnt. Eines ist aber auch klar: Mit den streikenden Spielern hätte man die Partie sicherlich gewonnen.

Die von Milliardär Hans-Peter Wild als Stiftung gegründete WRA und deren kommerzieller Ableger, die Gesellschaft zur Förderung des Rugbysports (GFR), hätten „eine tolle Mannschaft“, gab Himmer zu. „Deren Möglichkeiten haben wir als Verband nicht. Wir als gemeinnütziger Verband können gar keine Profi-Mannschaft anstellen.“ Die streikenden Spieler fordern jedoch unter anderem, dass der Verband, der sich mit Wild überworfen hat, das bisherige Niveau auf allen Ebenen aufrechterhält.

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„Wir hatten für die drei November-Tests eine gute Lösung gefunden und waren für die Zeit danach nah dran an einer Lösung“, betonte Manuel Wilhelm, der Sportdirektor des DRV. Er habe in gewissem Maß Verständnis für die emotionalen Reaktionen der Spieler, jedoch kein Verständnis für deren Streik. Das sehe man beim Weltverband ähnlich. „Die empfinden das als bodenlosen Vorgang“, so Wilhelm. Er gibt zu, dass die Entwicklung des 15er-Nationalteams in diesem Tempo ohne die WRA nicht möglich gewesen wäre, sagte jedoch auch: „Wenn wir die PS zusammen auf die Straße bringen, könnten wir sicher noch weiter kommen.“ Zuletzt war es jedoch eher ein Alleingang. Die WRA stellte nicht nur fast das gesamte Nationalteam, sondern wollte es unter anderem auch alleine vermarkten. Der DRV lehnte ab. „Wir müssen aufpassen, dass der Einfluss aufs Nationalteam kontrollierbar bleibt“, so Blank. Vom Weltverband und dem DOSB habe man bereits „die Gelbe Karte gezeigt“ bekommen.

Und wie geht es nun weiter? Blank betonte, dass er „völlig offen“ sei, bezweifelt jedoch, dass dies auch für die Gegenseite gilt. Geht es auch ohne die WRA? „Vor einer Woche waren wir in guten Gesprächen mit Sponsoren und weiteren Partnern. Wie das nach dieser Aktion aussieht, muss man abwarten“, sagte Blank. Und Himmer ergänzte mit Blick auf die im Februar anstehenden Spiele in der WM-Qualifikation: „Zur Not fahren wir mit dem Zug nach Russland.“ Für Wilhelm ist „das Kind in den Brunnen gefallen, aber eventuell gibt es eine Chance für einen neuen Anlauf“. Zur Not ohne die WRA – und ohne Profis. „Andere Nationen machen es uns vor.“

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