BSC Offenbach macht Vorschlag

Rugbyvereine drohen mit Schadenersatzklagen

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Rugbyspieler des BSC 1899 Offenbach bejubeln einen Sieg, der am Ende wertlos bleiben könnte.

Als wären die finanziellen Sorgen des Deutschen Rugby-Verbandes nicht bereits groß genug, haben einige Regional- und Zweitligisten für den Fall, dass die Saison abgebrochen werden und ihnen die Chance zum Aufstieg genommen werden sollte, mit Schadenersatzklagen gedroht.

Offenbach – Das berichtete DRV-Vizepräsident Jens Poff im Podcast „Die Eierköpfe“.

Einer der auf Aufstiegskurs liegenden Zweitligisten ist der BSC Offenbach, der die West-Gruppe souverän anführt. Juristische Schritte habe man dem Verband gegenüber aber nicht angekündigt, stellt BSC-Sprecher Bruno Vrga klar. „Es gab Kontakt, aber wir haben lediglich einen Vorschlag eingereicht, welche Lösung unserer Meinung nach für alle am moderatesten wäre. Eventuell bietet die Corona-Krise ja auch die Gelegenheit, die Ligen neu zu strukturieren.“

Aktuell sind alle Spiele bis 19. April ausgesetzt. Mit einer Fortsetzung sei aber nicht vor Anfang Mai zu rechnen, heißt es. Für Vrga sind mehrere Szenarien denkbar. Das erste: Man beendet die Saison und legt fest, dass es keine Auf- und Absteiger gibt. Das zweite: Bei einem vorzeitigen Saisonende bleibt alles wie es ist, jede Liga wird aber um einen, beziehungsweise zwei Aufsteiger erweitert und in der Folgesaison gibt es dann entsprechend mehr Absteiger. Das dritte: Die ausgefallenen Partien werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt und man spielt ab kommender Saison von Januar bis Dezember, wie es von einigen Vereinen schon lange gewünscht werde.

Welches Szenario der BSC bevorzugt, wollte Vrga nicht verraten, betonte aber, dass man der Entscheidung „entspannt“ entgegen sehe. Freilich wäre es „in gewisser Weise ein Drama“, wenn „wir innerhalb weniger Jahre zum zweiten Mal eine Saison lang nachsitzen müssten“, sagte er angesichts der Tatsache, dass den Offenbachern vor zwei Jahren der Aufstieg in die wenig später aufgelöste 3. Liga am Grünen Tisch verweigert worden war. „Das würde unseren Prozess aber nicht stoppen, sondern bloß verlangsamen. Schade wäre das vor allem für den sportlichen Wettbewerb, denn wir haben in den Testspielen gegen die Nationalmannschaft sowie den RC Leipzig gezeigt, dass wir vom Leistungsniveau her in die 1. Liga gehören.“

Dort spielt der Nachbar RK Heusenstamm, belegt in seiner 13. Saison in Folge im Oberhaus aktuell einen Abstiegsplatz. „Bisher haben wir uns nicht viele Gedanken darüber gemacht, ob oder wie die Saison weitergeht. Derzeit ist nur die Gesundheit wichtig“, sagt Markus Walger, der Präsident des RKH. Eine optimale Lösung gibt es seiner Meinung nach ohnehin nicht. „Egal, was gemacht wird, es wird immer Leidtragende geben.“ Er glaubt nicht, dass die Saison noch fertiggespielt wird. „Theoretisch kann es dann keine Aufsteiger und Absteiger geben. Und keine Meister.“

Auch Vrga gibt sich bezüglich einer Fortsetzung der Saison zurückhaltend. „Ich denke, das gesellschaftliche Leben geht vielleicht in drei Wochen langsam wieder los, aber nicht der Spielbetrieb“, meint der BSC-Sprecher. Das aus Akteuren diverser Nationalitäten bestehende Team könne innerhalb kurzer Zeit einsatzbereit sein. „Die ausländischen Spieler, die wegen der Winterpause noch in ihrer Heimat waren, sind nicht zurückgekommen. Es ist aber nicht so, dass wir immer alle einfliegen“, sagt Vrga. Aufgrund des Kontaktverbotes könnten sich die Spieler nur zu Hause fit halten, „die Jungs werden das Rugbyspielen aber nicht in ein, zwei Monaten verlernen.“

Insgesamt ist der Kroate zuversichtlich, dass das deutsche Rugby die Corona-Krise ohne größere Schäden überstehen wird: „Es gibt nicht allzu viele Vereine, die Spieler finanziell unterstützen. Für diese könnte es hart werden, wenn deren Mäzen wirtschaftlich in Schieflage gerät. Als Problem für den Großteil der Vereine sehe ich eher die Beitragserhöhung, über die beim Rugby-Tag abgestimmt werden soll. Dagegen gibt es Widerstände. Wir würden gerne helfen, stimmen aber nur zu, wenn sicher ist, dass das Geld richtig eingesetzt wird. Die Jugend zu fördern, wäre zum Beispiel wichtig.“

VON CHRISTIAN DÜNCHER

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